Sprengstoffdrohne in Leipzig
Sicherheitsexperte: "Deutschland ist bei Erkennung und Abwehr von Drohnen überhaupt nicht auf Stand der Dinge"

Der Sicherheitsexperte Nico Lange sieht Deutschland unzureichend auf hybride Angriffe mit Drohnen vorbereitet. Im Deutschlandfunk sagte er, niemand habe den Anschlag auf den Leipziger Flughafen abgewehrt - es sei lediglich Glück gewesen, dass es nicht zu einer Katastrophe gekommen sei.

    Ein Bundespolizist hält einen schwarze Jammer, eine Waffe zur Drohnenabwehr, auf seiner Schulter.
    Mit elektronischen Störgeräten, sogenannten Jammern, können Drohnen abgewehrt werden - allerdings nur einige. (picture alliance / photothek.de / Sebastian Rau)
    Der Direktor des IRIS Instituts für Risikoanalysen und Internationale Sicherheit erklärte, seit Jahren sei bekannt, dass Kleindrohnen eine Gefahr und ein Instrument hybrider Kriegsführung seien. Hierzulande sei man aber überhaupt nicht auf dem Stand der Dinge und viel zu langsam. Man brauche an Flughäfen etwa andere Radare, die niedrigfliegende kleine Objekte erkennen könnten sowie ein Netzwerk aus elektro-optischen, akustischen sowie Wärmebild-Sensoren, um verschiedene Drohen überhaupt zu erkennen. Die technischen Lösungen seien lange bekannt und auch in Deutschland verfügbar. Dennoch operiere man noch immer vorsintflutlich.
    Lange führte aus , Deutschland neige dazu, eine Verwaltungsrepublik zu sein. Wenn etwas passiere, wolle man neue Gremien gründen und Gesetze verändern - doch in der Praxis passiere nichts. Man komme erst in Bewegung, wenn ein schlimmer Fall eingetreten sei.

    BDL: Flughafen Frankfurt hat bereits "sehr leistungsfähige" Technik

    Der Bundesluftfahrtverband BDL teilte unterdessen mit, die Ausstattung der deutschen Flughäfen mit neuerster Drohnenabwehrtechnik schreite rasch voran. BDL-Geschäftsführer Lang sagte der Nachrichtenagentur Reuters, am größten Flughafen Frankfurt sei bereits sehr leistungsfähige Technik eingeführt worden. Diese sei wegen der rasanten Entwicklung auf diesem Feld auch nachrüstbar. Lang lobte, die Bundesregierung ⁠habe nach früheren Störattacken mit Drohnen sehr schnell Entscheidungen getroffen und Ausschreibungen auf den Weg gebracht. Man sei zuversichtlich, dass bis Ende des Jahres der ‌Großteil der Flughäfen davon profitieren werde.

    Flughafenmitarbeiter soll Drohne entdeckt haben

    Die Gewerkschaft der Polizei hatte gestern von einer guten technischen Ausstattung der Bundespolizei gesprochen. Die Vorkommnisse hätten gezeigt, dass sich die hochmoderne Ausrüstung auszahle und die Alarmsysteme gut funktioniert hätten, sagte der GdP-Chef für die Bundespolizei, Roßkopf, der "Rheinischen Post". Die Bundespolizei sei an den deutschen Flughäfen mittlerweile gut dafür ausgestattet, um die Flugbewegungen von Drohnen zu beobachten und Gegenmaßnahmen einzuleiten.
    In der Nacht zu Mittwoch hatte ein Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle die mit Sprengstoff belade Drohne entdeckt. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine. Der Sprengstoff wurde entschärft. Mehr dazu hier.
    Diese Nachricht wurde am 06.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.