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Sommermärchen-Affäre
Blatter äußert sich zu umstrittener WM-Gala

Bestechung, Stimmenkauf, unklare Finanzströme: Rund um die Fußball-WM 2006 sind immer noch viele Fragen offen - darunter die nie ganz aufgeklärte Zahlung über 6,7 Millionen Euro für eine Eröffnungs-Gala. Dazu hat sich jetzt Ex-FIFA-Chef Sepp Blatter in einem Interview mit der SZ geäußert.

Von Thomas Kistner | 05.10.2018

Der frühere FIFA-Chef Sepp Blatter vor einem schwarzen Hintergrund
Der frühere FIFA-Chef Sepp Blatter (dpa / KEYSTONE FILE / Laurent Gillieron)
Sepp Blatter bringt jetzt einen neuen, brisanten Dreh in die Sommermärchen-Affäre. Der Ex-Präsident des Fußball-Weltverbandes erklärte, die FIFA habe nie wirklich eine Eröffnungs-Gala für die Deutschland-WM 2006 beabsichtigt. Zitat: "Ich kann nur so viel sagen: Die FIFA hätte die Gala nicht veranstaltet". Ursprünglich wollte die Bundesregierung die Gala ausrichten, dann übernahm die FIFA die Veranstalterrolle im Herbst 2004. Das hatte Blatter selbst veranlasst. Zudem erstattete die FIFA 2,6 Millionen Euro für bereits aufgelaufene Kosten an Berlin.
Die Blatter-Aussage ist nicht nur brisant, weil Ermittlungsbehörden in Deutschland und der Schweiz die Gala ohnehin als Vehikel für verdeckte Zahlungen verdächtigen. Das Auftakt-Event wurde Anfang 2006 tatsächlich abgesagt – obwohl die geplante Veranstaltung bis dahin gut 20 Millionen Euro Kosten verursacht hatte. Diese wurden von der FIFA auch bereitwillig bezahlt, großenteils an den geplanten Gala-Regisseur André Heller.
WM-Organisatoren im OK in Bedrängnis
Dass die Gala laut Blatter nie veranstaltet werden sollte, bringt nun die damaligen deutschen WM-Organisatoren im OK in Bedrängnis. Sie hatten das Event als Vorwand für eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro benutzt, deren wahrer Zweck bis heute von Ermittlungsbehörden untersucht wird. Der Geldfluss erfolgte im April 2005 und wurde von der FIFA direkt an Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet. Der damalige Adidas-Eigner hatte drei Jahre zuvor Franz Beckenbauer ein Darlehen von 10 Millionen Franken gewährt. Für die Staatsanwaltschaft Frankfurt stellt daher der Gala-Zuschuss des deutschen OK eine verdeckte Zahlung an den damaligen Organisationschef Beckenbauer dar, weil damit seine Darlehensschuld getilgt wurde.
Das Finanzamt hatte dem DFB im Zuge dieser Affäre eine Steuernachzahlung von 22,57 Millionen Euro aufgebrummt. Der DFB will diese zwar anfechten. Aber das dürfte nun schwierig werden, nachdem Blatter persönlich, als FIFA-Chef auch Herr über die damalige Eröffnungsgala, einräumt, dass deren Verwirklichung nie beabsichtigt war.