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Space CowboysAlte Spezialisten zurück im Betrieb

Wenn es den Mitarbeitern im Ruhezustand eines großen deutschen Automobilherstellers zu langweilig wird, dann können sie sich als Senior Experts engagieren. Die Rentner werden im Space-Cowboys-Programm für Spezialaufträge auf der ganzen Welt ins Unternehmen zurückgeholt und zeigen den Jungen wie es geht.

Von Michael Brandt | 07.05.2014

Ein alter Mann sitzt auf einer Bank mit Blick aufs Wasser.
Nicht alle Rentner verbringen ihren Ruhestand ganz ruhig. (picture alliance / Robert B. Fishman, ecomedia)
Peter Linden war 26 Jahre beim Daimler. Als Werkzeugmacher hat er angefangen, dann hat er studiert und am Ende war er Abteilungsleiter beim Karosseriebau in Sindelfingen, bis er Ende 2012 in den Ruhestand ging. Zunächst hat er den genossen.
"Da gab's viele Tätigkeiten und Aufgaben, die man einfach in den letzten Jahren hat liegen lassen, weil man dachte, es ist ja bald Zeit. Man hat sein Haus renoviert und sonstige Dinge. Und am Ende hat meine Frau dann gesagt: Jetzt muss man mal gucken, wie's weiter geht."
Ihm war, wie er zugibt, ein bisschen langweilig, Fahrräder reparieren, Sport, Kultur, alles schön und gut, aber das was er wirklich gut kann, nämlich Karosseriebau, war plötzlich nicht mehr gefragt.
Denn der Karosseriebau ist so etwas wie die Königsdisziplin bei der Autoherstellung. Nur mit viel Erfahrung werden die Blechteile glatt, passen die Übergänge zwischen den Karosserieteilen und sind die Fugen möglichst klein.
Jungspunden zeigen, wie es geht
Peter Linden war also ziemlich erleichtert, als Ende 2013 die Anfrage kam, ob er beim Programm Space Cowboys mitmachen will. Frei nach dem Film von Clint Eastwood, in dem ein paar alte Säcke den Jungspunden mal zeigen, wie man ein Space Shuttle fliegt und nebenbei noch die Welt retten.
Die Welt rettet Peter Linden jetzt nicht, aber er sorgt dafür, dass die Chinesen keine verbeulten Autos bekommen:
"Ich unterstützte jetzt das Team, das die Angebote ausgearbeitet hat für Werkzeugerstellung für das Joint Venture in China, wo wir Fahrzeuge für den chinesischen Markt herstellen."
Einsätze rund um die Welt
Und er ist zufrieden. In einem Projekteinsatz im vergangenen halben Jahr war er 30 Tage im Einsatz, ist um die Welt gereist, hat ein Taschengeld dazu verdient und konnte zeigen, dass er noch was drauf hat.
Ein Jahr gibt es das Space-Cowboy-Programm jetzt beim Daimler. Zunächst wurden einige hundert Ruheständler angesprochen, bislang haben sich 390 registrieren lassen und zum Einsatz kommen sie, wenn sie aus dem entsprechenden Bereich angefordert werden. 100 solche Einsätze wurden bislang vereinbart und die Rückmeldungen waren, so Personalmann Dirk Clemens, durchweg positiv:
"Bisher ist die Erfahrung, dass die meisten dabei sind, die sind tatsächlich froh, wenn sie angesprochen werden. Das ist so ein bisschen Selbstwertgefühl-Bestätigung am Ende des Tages."
In Zukunft sollen alle Mitarbeiter, die in den Ruhestand gehen und ein entsprechendes Fachwissen haben, automatisch angesprochen werden und wenn möglich als Space Cowboys registriert. Daher geht Personalvorstand Winfried Porth davon aus, dass sich die Zahl der Cowboys und auch die Zahl der Einsätze schnell erhöhen wird.
"Unsere Erwartungen haben sich da voll erfüllt. Wir wollten in einer Win-win-Situation zum einen dem Unternehmen da flexible Möglichkeiten für Know-how-Transfer geben und zum anderen sind die Senior Experts auch begeistert, ihren Einsatz zu machen."
Kein Ersatz für die normalen Mitarbeiter
Der älteste Space Cowboy bei Daimler ist 75 Jahre alt, eine Altersgrenze gibt es also nicht, wohl aber andere Beschränkungen. Denn die Senioren sollen schließlich die normalen Mitarbeiter nicht ersetzen. Es geht also ausschließlich um Projekteinsätze, die zeitlich auf ein halbes Jahr befristet sein müssen, in dem dann eine bestimmte Zahl von Arbeitstagen vereinbart wird.
Peter Linden hat seinen ersten Einsatz jetzt hinter sich und kann jedenfalls vorstellen, noch eine ganze Reihe von Jahren dabei zu sein und mit anzupacken. Die durchschnittliche Lebenserwartung beim Mann beträgt 83 Jahre, sagt er, und bis auf Weiteres fühlt er sich fit:
"Solange ich da noch was beitragen kann. Irgendwann wird das Know-how ja dann aufgebraucht sein, da wird die Entwicklung dann soweit sein, dass man sagt: So das war's jetzt. Aber jetzt muss man mal sehen."