Dienstag, 07. Dezember 2021

Sperre von RusslandSportschützen wollen WM nicht verlegen

Keine Sport-Großveranstaltungen bis Ende 2022 in Russland. Das gehört zu den Sanktionen wegen des russischen staatlichen Dopingsystems. Doch der Internationale Schießsport-Verband hält trotzdem an Russland als Ausrichter der Weltmeisterschaft 2022 fest.

Von Piet Kreuzer | 15.03.2021

Ein Sportschütze schießt mit einer Schnellfeuerpistole
Ein Sportschütze schießt mit einer Schnellfeuerpistole (imago sportfotodienst)
Die Entscheidung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA weist die Verbände an, Russland Großveranstaltungen zu entziehen, die bis Dezember 2022 stattfinden sollen. Mit der Ausnahme, "es sei rechtlich oder praktisch unmöglich, dies zu tun". Die WADA hat alle Verbände mit Veranstaltungen in Russland vor dem Auslaufen der Sanktionen im Dezember 2022 angeschrieben und um eine schriftliche Einschätzung und eine Entscheidung darüber gebeten, ob eine Verlegung in ein anderes Land möglich sei.
Der Internationale Schießsport-Verband ISSF nutzt das Schlupfloch. In einem Schreiben an die WADA heißt es unter anderem, ein Rückzug der Meisterschaften könne sogar die Existenz der ISSF gefährden. Das berichtet der Branchendienst insidethegames.
Ein Messingschild hängt neben der Einfahrt zum Sitz des internationalen Sportgerichtshofes CAS, aufgenommen am 09.05.2008 in Lausanne (Schweiz).
Doping-Strafe gegen Russland - Sperre für den russischen Sport wird halbiert
Im Dezember 2019 suspendierte die Welt-Anti-Doping-Agentur Russlands Sport erneut. Russland legte Berufung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS ein. Jetzt hat das Gericht aus der Vierjahressperre eine Zweijahressperre gemacht. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Der Verband begründet dies mit einer möglichen juristischen Anfechtung durch den Russischen Schießsportverband. Der wolle die ISSF wegen Verletzung des Ausrichtervertrags auf Schadenersatz in Höhe von rund sechs Millionen Euro verklagen. Der Internationale Dachverband soll der Ausrichterstätte Foxlodge-Komplex nach Informationen von insidethegames im Falle einer Absage diese Summe zugesagt haben. Nur: Der Foxlodge-Komplex gehört dem Weltschießsportverbands-Präsidenten Wladimir Lisin, einem der reichsten Männer Russlands und ein Putin-Freund.

WADA bewertet nun ISSF-Entscheidung

Weitere Argumente der ISSF gegen eine Verlegung: Russland sei der einzige Bewerber für 2022 gewesen. Und nur vier andere Länder - China, Südkorea, Katar und Indien - könnten die Veranstaltung "ohne die Notwendigkeit von großen Bauarbeiten" durchführen. Eine Verlegung auf das Jahr 2023 sei auch deshalb nicht möglich, weil die Veranstaltung 2022 Teil des Qualifikationsprozesses für die Olympischen Spiele 2024 in Paris sein soll. Außerdem würde zudem gegen die eigenen Statuten verstoßen, die vorsehen, dass die Weltmeisterschaften 2022 stattfinden.
Jetzt wird die WADA ein Non-Compliance-Verfahren einleiten, um die Erklärung der ISSF zu bewerten. Der Ausschluss der Sportart von den Olympischen Spielen ist die härteste Strafe, die bei Nichteinhaltung des Codes möglich ist.