Mögliche Satzungsänderungen beim DFBBizarre Pläne

Wenn sich das DFB-Präsidium am Freitag zur nächsten Sitzung zusammenfindet, kommen fragwürdige Satzungsänderungs-Vorschläge für den DFB-Bundestag im März auf den Tisch: So soll die Chefin der Ethikkommission, Irina Kummert, beispielsweise mit einer bizarren Machtfülle ausgestattet werden. Doch auch Pläne zur Änderung der Finanzordnung werfen Fragen auf.

Von Thomas Kistner | 06.01.2022

Ein Schild mit dem Logo des Deutschen Fußball-Bundes hängt vor dem Eingang zur DFB-Zentrale.
Beim DFB kriselt es weiter (picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)
Geht es nach den Wünschen des krisengeschüttelten Deutschen Fußball-Bundes unter Vizepräsident Rainer Koch, würden „unethische“ Verhaltensweisen wie sein Umgang mit der früheren deutschen Top-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb künftig weder publik noch geahndet werden. Die Vorsitzende der Ethikkommission, Personalberaterin Irina Kummert, hatte das Verfahren gegen Koch in der Causa Steinhaus-Webb diskret eingestellt.
Als der DFB das im Dezember publik machte, gingen drei Richter des DFB-Sportgerichts protestierend an die Öffentlichkeit und stellten klar, sie hätten diese Einstellung nur unter der Maßgabe gebilligt, dass Kummerts Gremium ein „unethisches Verhalten“ bei Koch festhält.

Mögliche Verfahrenseinstellung ohne Prüfung durch das Sportgericht

Nun wird im von Koch geleiteten Rechtsbereich des DFB erwogen, dass die Vorsitzende künftig allein entscheiden dürfe, ob Eingaben so „gelagert“ sind, dass sie diese im Alleingang abhandeln könne. Zudem soll die Nicht-Juristin Verfahren bei „geringfügigen“ Verstößen, die sie selbst so klassifiziert, ohne die bisher erforderliche Prüfung durch das Sportgericht einstellen können. Konkret damit konfrontiert, teilte der DFB nur mit, es gäbe einen Entwurf einer Arbeitsgruppe zum Thema Ethikverfahren, der noch nicht abgestimmt sei.
Noch ein Politikum soll dem Präsidium als Satzungsänderung für den DFB-Bundestag vorliegen: Die Abschaffung des erst 2019 installierten Vergütungs-Ausschusses. Dieser besteht aus vier unabhängigen Kontrolleuren, die strikt aufs Geld geachtet und sogar die Deckelung der Top-Saläre verfügt hatten. Wenn sie verschwinden, könnten Apanagen und Verdienstausfälle wieder intern selbst festgelegt und die Bosse der Landesverbände freier vergütet werden. Näheres soll nun der Vorstand regeln, in dem alle Landesfürsten sitzen – über eine noch zu beschließende Finanzordnung.

Änderungspläne würden Kontrollmöglichkeiten der DFB-Spitze ausweiten

Ohne den Ausschuss könnte die DFB-Spitze auch weitere, neuerdings wachsende Probleme abwettern. Denn laut Satzung darf das ungeliebte Vergütungs-Gremium ab 2022 auch die Besetzung des internen Finanzprüfungs-Ausschusses vorschlagen. Gerade dieses Gremium hatten Koch und Kollegen in der Affäre um den Medienberater Kurt Diekmann heftig zugesetzt; die Berater-Affäre schwelt noch immer.
Nun würden die Änderungspläne der umstrittenen DFB-Spitze dieser ausgerechnet über die Kernbereiche der Good Governance weitgehende Kontrolle sichern: über Ethik und das eigene Finanzgebaren.