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SportpolitikEiszeit zwischen IOC und SportAccord

Der Präsident der Vereinigung internationaler Sportverbände (SportAccord), Marius Vizer, hat IOC-Chef Thomas Bach attackiert: Vizer wirft Bach vor, bei der Reformagenda 2020 die Interessen der Verbände nicht berücksichtigt zu haben. Außerdem kritisierte er das mangelnde Vertrauensverhältnis zwischen den Organisationen.

Von Heinz Peter Kreuzer | 20.04.2015

Thomas Bach während einer Rede zum Abschluss der Olympischen Jugend-Sommerspiele in Nanjing.
Thomas Bach ist mittlerweile seit über einem Jahr Präsident des IOC. (picture alliance / dpa)
"Mr. Vizer, thank you very much for your open words, which you have been expressing here," leitet IOC-Präsident Thomas Bach den Konter gegen Gastgeber Marius Vizer ein und lobt das gute Verhältnis seiner Organisation zu den Sportverbänden.
"Unsere Partner sind die olympischen Verbände. Sie machen die Arbeit. Wann immer es dort Probleme gibt, diskutieren wir darüber. Wann immer ein anerkannter Verband eine Idee hat, dann wissen sie, dass ihnen in Lausanne die Türen offen stehen und sie in vieler Hinsicht unterstützt werden."
Denn der Präsident der Vereinigung der internationalen Weltverbände hatte Bach in seiner Eröffnungsrede vorgeworfen, bei der Reformagenda 2020 die Interessen der Verbände nicht berücksichtigt zu haben. Dazu kommt Vizers Plan eines globalen Multi-Events, den das IOC als Konkurrenz für Olympia fürchtet. Auch die Kosten für den geplanten TV-Kanal in Höhe von 450 Millionen US-Dollar sind dem Chef des Judo-Weltverbandes zu hoch:
"Herr Präsident, blockieren Sie nicht weiter die Strategie des SportAccord und dessen Mission zur Durchführung von Wettkämpfen und Multi-Sportevents. Mischen Sie sich nicht in die Autonomie der Sport-Organisationen ein."
Außerdem kritisiert Vizer das mangelnde Vertrauensverhältnis.
"Nachdem ich SportAccord-Präsident wurde, habe ich mich immer bemüht, ein konstruktives Verhältnis zum IOC und zu Präsident Thomas Bach aufzubauen. Das wurde leider nie Realität."
Hintergrund für das abgekühlte Verhältnis der beiden Spitzenfunktionäre ist die nach Vizers Meinung mangelnde Würdigung von SportAccord durch das IOC. Denn erstmalig findet im Rahmen der Veranstaltung keine Sitzung der IOC-Exekutive statt, und die Kandidaten für die Winterspiele 2022, Peking und Almaty, dürfen sich nach der Agenda 2020 nicht mehr vor den Weltverbänden präsentieren. Im Moment scheint der IOC-Präsident als Sieger aus dem Konflikt hervorzugehen. SportAccord gehören zwar insgesamt 107 Weltverbände an, aber mit Leichtathletik und Schießen haben zwei wichtige olympische Verbände ihre Mitgliedschaft schon aufgekündigt. Und 13 weitere Verbände, darunter die FIFA, haben sich beim IOC über Vizer beschwert.