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SportverbändeDie neue, alte FIFA

Im Kampf gegen Korruption im Spitzensport wollen die Abgeordneten des Europarats internationale Verbände wie die FIFA und UEFA unter externe Kontrolle stellen. Vor allem der Führungsstil von FIFA-Präsident Gianni Infantino kommt nicht gut an.

Von Thomas Kistner | 24.01.2018

FIFA-Präsident Gianni Infantino auf einer Pressekonferenz vor der Auslosung der Gruppen für den Confederations Cup 2017.
FIFA-Präsident Gianni Infantino auf einer Pressekonferenz. (dpa / Christian Charisius)
Die Parlamentarier-Versammlung des Europarats zeigte sich alarmiert über Zustände und Praktiken im Fußballgeschäft, das sie als "gesetzlose Zone" betrachtet. In einer Entschließung fordert die Versammlung nun von der EU eine "unabhängige Aufsichtsstelle", die die Geschäftsführung der FIFA und auch der europäischen Fußball-Union UEFA überwachen soll. Im Fokus sollen dabei "Ethik und integre Wahlen" stehen, zudem exzessive Transfersummen und Spielergehälter.
Anne Brasseur, ehemalige Präsidentin der Parlamentsversammlung des Europarats.
Anne Brasseur, ehemalige Präsidentin der Parlamentsversammlung des Europarats. (picture alliance/dpa - Patrick Seeger)
Dieser Forderung nach mehr politischer Überwachung liegt im Kern ein Bericht der luxemburgischen Europaparlamentarierin Anne Brasseur zugrunde. Sie hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino attestiert, er pflege Intransparenz und Autokratie. Um Stimmung gegen diesen Report zu machen, hatte die FIFA eine PR-Offensive gestartet und ein eigenes Lobbyisten-Team nach Straßburg entsandt.
Schweizer Politik steht zur FIFA
Bei der Debatte in der Parlamentarierversammlung unterstütztete und würdigte nun jedoch der ganz überwiegende Teil der Abgeordneten aus 46 Nationen den Brasseur-Report – und stimmte für die externe, unabhängige Kontrollstelle. Lediglich vier Aserbaidschaner und der Schweizer SVP-Politiker Thomas Müller stimmten dagegen. In der Schweiz ist die FIFA beheimatet.
Anne Brasseur befand erleichtert, sie habe "noch nie so große Unterstützung" erfahren. Anders als die FIFA habe die UEFA die Problematik verstanden und schon Zusammenarbeit zugesichert. Beim Weltverband indes fehle Einsicht. "Die neue Fifa ist wie die alte", sagte Brasseur.