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Sommerphänomen am Nordhimmel
Perlmuttartig leuchtende Nachtwolken

In den kommenden Wochen zeigt sich am Nordhimmel hin und wieder ein Gespinst aus faserigen Wolken, das fast wie Perlmutt schillert. Diese „leuchtenden Nachtwolken“ befinden sich in gut 80 Kilometern Höhe und haben mit den „normalen“ Wetterwolken nichts zu tun.

Von Dirk Lorenzen | 06.06.2022
Typische leuchtende Nachtwolken im Juni 2021 über Dänemark
Typische leuchtende Nachtwolken im Juni 2021 über Dänemark (Dirk Lorenzen)
Sie sind zu sehen, wenn es unten am Boden dunkel genug ist, in der Höhe der Wolken aber noch oder schon die Sonne scheint.
Wie genau die leuchtenden Nachtwolken entstehen, ist noch immer nicht ganz verstanden. Offenbar gelangt im Laufe des arktischen Sommers wärmere Luft in große Höhen. Dort kühlt der Wasserdampf ab und bildet an kleinen Staubkörnchen Eiskristalle.
Dieser Staub stammt von Meteoriten, die in die Atmosphäre eingedrungen sind – oder er wurde von Vulkanausbrüchen in große Höhen geschleudert.
Am besten zu sehen sind die Wolken im Bereich etwa von der Mitte Deutschlands bis in den Norden Dänemarks. Weiter südlich sinkt die Sonne zu tief unter den Horizont, um die Wolken nachts anzuleuchten. Weiter nördlich sinkt sie nicht tief genug – es bleibt auch mitten in der Nacht zu hell.
In welchen Nächten die Wolken auftauchen, lässt sich nicht vorhersagen. Aber bis Ende Juli lohnt sich immer ein Blick an den Nordhimmel.
Manchmal scheint das Leuchten in gelben, roten und blauen Tönen kurz nach 24 Uhr zu verschwinden, nur um gegen 2 Uhr wieder aufzutauchen, wenn die Sonne wieder höher steigt.
Für viele Himmelsfans sind diese Wolken nahe der Grenze zwischen Erde und Weltraum die schönste Zierde am sommerlichen Firmament.