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StartseiteFirmenporträtStilbildend über Jahrhunderte13.09.2013

Stilbildend über Jahrhunderte

Porzellan aus Berlin geht inzwischen in die ganze Welt

Vor wenigen Jahren stand die vor 250 Jahren von Friedrich dem Großen gegründete Königliche Porzellan-Manufaktur kurz vor der Pleite. Inzwischen aber findet sich das Porzellan sogar in Luxus-Autos. Berlins ältester produzierender Handwerksbetrieb kann in der kommenden Woche seinen 250. Geburtstag feiern.

Von Anna Deibele

Eine Tasse aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) (picture alliance / dpa)
Eine Tasse aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) (picture alliance / dpa)

Mit einem geübten Schwung taucht ein Mitarbeiter der Königlichen Porzellan-Manufaktur die zierlich geformte Tasse mit feinem Reliefrand in eine bläuliche Kaolin-Flüssigkeit. Andreas Gebauer, Bereichsleiter für die Dreherei, die sich hinter der alten Ofenhalle der Manufaktur befindet, erklärt den Vorgang: "Wenn man jetzt Wasser reinfüllen würde, würde das irgendwann außen rauslaufen. Es ist ein glasartiger Überzug, also die brennt nachher durchsichtig aus."

Wenn die Kurlandtassen getrocknet sind, werden sie bei 1400 Grad gebrannt. Damit das Porzellangeschirr widerstandsfähig bleibt, glasieren die Mitarbeiter ein zweites Mal.

Das Kurland-Design ist bereits 1790 entwickelt worden und wird zum 250-jährigen Jubiläum von Berlins ältestem produzierenden Handwerksbetrieb als Sonderedition "Kurland Blanc Nouveau" nun in einer zeitgemäßen Form auf den Markt gebracht.

Als Friedrich der Große die Porzellanmanufaktur am 19. September 1763 gründete, begann der Preuße, das Porzellan aus Berlin in Europa populär zu machen. Friedrichs Insignien - das kobaltblaue Zepter und der Reichsapfel - prägen bis heute das Logo und die Prägemarke der Manufaktur.

Viele Freunde und Kunden in Asien

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Manufaktur 1943 durch Luftangriffe so schwer beschädigt, dass die Produktion eingestellt werden musste und KPM nach Kriegsende ein Ausweichquartier in Selb bezog.

1957 wurden die historischen Gebäude aus ockerfarbenen Ziegelsteinen, die u-förmig um einen gepflasterten Innenhof angelegt sind, wieder neu aufgebaut und die Manufaktur setzte den Betrieb in Berlin-Tiergarten fort. 1988 wurde KPM durch Senatsbeschluss zur Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Im Februar 2006 übernahm Alleingesellschafter Jörg Woltmann KPM vom Land Berlin und rettete den Betrieb vor der Insolvenz. Schon seine Großeltern hätten 1905 KPM-Geschirr gekauft, erzählt der Investor gerne.

Das traditionsreiche Unternehmen beschäftigt heute rund 170 Mitarbeiter und hat einen jährlichen Umsatz von zwölf Millionen Euro. Bisher vor allem in Deutschland bekannt, verfolgt das Unternehmen nun einen internationalen Kurs, erklärt der Erste Bevollmächtige, Maurice Freiherr von Dalwick, der den Alleingesellschafter von KPM, Jörg Woltmann, in sämtlichen Geschäftsbelangen vertritt, wenn der Inhaber auf Reisen geht.

"Wir haben in Asien sehr, sehr große Kunden und Freunde des Hauses KPM. Japan ist natürlich ein Thema, also voll umspannend. Mittlerer Osten, Dubai, die Emirate, auch Russland ist ein Thema. Also es heißt, für uns gibt es überall interessante Märke, die wir erobern wollen und wo wir auch künftig vertreten sein wollen."

Mehrere Faktoren machen das Berliner Porzellan einzigartig, glaubt Dalwick: "Wir können stolz darauf sein, dass wir einen sehr hohen Anteil an Handarbeit haben, und sind dafür auch weltweit bekannt. Natürlich die Design- und Formensprache – die KPM war immer Epochen und stilprägend über Jahrhunderte hinweg. Eine Vielzahl an Dekoren, die wir aufzuweisen haben. Unsere Maler sind einzigartig und leisten ganz tolle Dinge."

Glanzzeit unter Friedrich dem Großen

Die Maler bildet KPM selbst aus. Neben allem Traditionsbewusstsein ist KPM aber auch stolz darauf, dass sich die Porzellanmanufaktur mit dem Bugatti Veyron Grand Sport "L’Or Blanc" im Jahr 2011 in die Automobilindustrie gewagt hat, sagt Maurice Freiherr von Dalwick.

"Wir haben Applikationen aus Porzellan dort mit eingebracht, zum Beispiel der Tankdeckel, oder auch die Abdeckung der Aluminiumfelgen sind von uns. Unsere Entwicklungsabteilung war gefordert, weil natürlich Porzellan im automobilen Bau bisher keine Rolle gespielt hat. Wir haben dort Toleranzen, die einzuhalten sind, die wir aus den üblichen Geschäft und Verkehr nicht kennen, man muss dazu wissen, dass Porzellan 16 Prozent schrumpft, wenn’s gefertigt wird, das macht’s natürlich umso schwerer."

Das Unternehmen weist kontinuierlich jedes Jahr Wachstumsraten auf. Das Ziel für dieses Jahr sei es, im leicht zweistelligen Millionenbereich zu landen, auch wenn das Wachstum einer Manufaktur nicht unbegrenzt möglich sei, glaubt Bevollmächtigter Dalwick.

"Wir sind eine Manufaktur und haben insofern ja auch nur eine begrenzte Kapazität. Wir haben hier Hände und mit diesen Händen können wir eine gewisse Leistung erbringen, und wenn wir die erreicht haben, geht’s erst mal dann nur limitiert weiter."

Es sind nicht allein die Glanzzeiten unter Friedrich dem Großen, auf die man bei KPM stolz ist. Auch in späteren Zeiten habe die Manufaktur stilbildend gewirkt - und geht es nach Maurice von Dalwick, soll das auch möglichst so bleiben, auch wenn man nicht gleich weitere Jahrhunderte vorausdenken will.

"Also zu Königszeiten waren wir in, waren wir das Produkt, das man haben wollte, wir waren’s aber auch in der Bauhaus-Ära, das Produkt, das man haben wollte. Daran arbeiten wir auch heute, dass wir immer wieder Innovationen hervorbringen, gute Designs hervorbringen, die uns die nächsten 30, 40, 50 Jahre erfreuen."

Mehr zum Thema:

Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM)

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