Archiv

Streiks im öffentlichen DienstFlughäfen und die Lufthansa besonders betroffen

Mit Streiks an den großen Flughäfen, aber auch in Kitas und im öffentlichen Nahverkehr will die Gewerkschaft Verdi Druck auf die Arbeitgeber in den laufenden Tarifverhandlungen ausüben. Besonders betroffen ist die Lufthansa, die in diesem Konflikt aber gar nicht Partei ist. Die Hälfte der Flüge wird wohl ausfallen.

Von Mischa Ehrhardt | 09.04.2018

Zwei Frauen blicken am 23.11.2016 auf dem Flughafen in München (Bayern) auf Anzeigetafeln, auf denen zahlreiche annullierte Flüge der Fluggesellschaft Lufthansa ausgewiesen sind. Die Lufthansa-Piloten sind in der Nacht zum 23.11.2016 in einen zweitägigen Streik getreten.
In Frankfurt am Main, München, Köln-Bonn oder Bremen drohen viele Flugausfälle (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
Nach dem Scheitern der zweiten Runde der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst nannte Verdi-Chef Bsirske Bereiche und Einrichtungen, die von den Streiks betroffen sein würden.
"Das schließt die Flughäfen genauso ein wie die Krankenhäuser. Alle Bereiche des öffentlichen Dienstes sind aufgerufen, denn alle sind betroffen von dem, was da in den Verhandlungen Mitte April passieren wird. Und es gilt jetzt, noch einmal ein klares Zeichen zu setzen aus den Betrieben."
Passagiere sollten sich über ihren Flug informieren
Das klare Zeichen wird unter anderem also auch von Flughäfen kommen – Frankfurt, München Köln-Bonn und Bremen sind konkret betroffen. Verwaltet und betrieben werden manche Flughäfen wie der Frankfurter zwar von Aktiengesellschaften – in diesem Fall der Fraport. Doch auch deren Beschäftigte fallen unter die Streikaufforderung der Gewerkschaften. Denn wenn deren Beschäftigte auch nicht im öffentlichen Dienst stehen, so sind deren Tarifverträge mitunter daran angelehnt. Deswegen sollten Passagiere sich über ihren Flug informieren, rät der Sprecher des Münchner Flughafens, Florian Steuer:
"Wir empfehlen den Passagieren, dass sie sich vor Antritt ihrer Reise also am besten auch heute noch, bei ihrer jeweiligen Fluggesellschaft über den Status ihres Fluges informieren, ob eben der Flug stattfindet oder nicht. Oder, auch wenn sie innerdeutsch reisen, sich nach alternativen Reisemöglichkeiten umschauen."
Von den Streiks offenbar besonders hart betroffen ist die Lufthansa – und damit auch deren Kunden und Passagiere. Die Fluglinie rechnet damit, dass sie morgen mehr als die Hälfte aller geplanten 1.600 Lufthansa-Flüge streichen muss. Betroffen werden so rund 90.000 Fluggäste sein. Egal, wie man sonst zu den Forderungen und den Streiks stehen mag: Kunden, die morgen in einen Flieger an einem der Flughäfen Frankfurt, München, Köln-Bonn oder Bremen nehmen wollen, müssen sich informieren, ob ihr Flug überhaupt stattfindet. Auf ihrer Webseite hat die Lufthansa einen Ersatzflugplan veröffentlicht. Wer bei Lufthansa für morgen einen Flug von Frankfurt oder München gebucht hat, kann den auf einen anderen Flug innerhalb der nächsten sieben Tage umbuchen. Zudem ist es möglich, innerdeutsche Flüge auch in Bahntickets umzuwandeln.
Lufthansa kritisiert Streik scharf
Die Lufthansa hat in einer Stellungnahme die Streikmaßnahmen scharf kritisiert. Die Lufthansa sei keine Partei in dem Tarifkonflikt und dennoch betroffen. Es sei inakzeptabel, dass die Gewerkschaften den Konflikt auf dem Rücken unbeteiligter Fluggäste austragen. Demgegenüber hoffen Gewerkschaften wie Verdi auch auf Verständnis seitens betroffener Passagiere.
"Wir hoffen, dass die Passagiere Verständnis haben für diese Streiks. Häufig ist das so, weil auch die Passagiere wissen, dass die Beschäftigten, die da streiken, mehr Geld brauchen. Wir appellieren daran und hoffen dringlich, dass sie auch sehen, dass die Beschäftigten mehr Geld brauchen."
Doch nicht nur Flughäfen werden in dieser Woche von Streiks betroffen sein - auch andere Einrichtungen im öffentlichen Dienst werden bestreikt. Darunter zählen beispielsweise Einrichtungen wie Kitas oder Kindergärten oder die öffentliche Verwaltung. Auch der Nahverkehr kann in manchen Regionen betroffen sein. Mit den Streiks schließlich wollen die Gewerkschaften ihren Forderungen Nachdruck verleihen: Verdi fordert für die 2,3 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro im Monat. Außerdem wollen die Gewerkschaften die Situation von Auszubildenden und Praktikanten verbessern.