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StartseiteUmwelt und VerbraucherWindkraft für den Hausgebrauch25.09.2014

StromerzeugungWindkraft für den Hausgebrauch

Immer mehr Menschen erzeugen ihren Strom mittlerweile mit Hilfe einer Solaranlage auf dem Dach. Aber auch Windkraft könnte für Privathaushalte attraktiv werden. Zwei Niederländer haben ein kleines Windrad entwickelt, das optisch an eine Nautilusmuschel erinnert.

Von Juliane Neubauer

Weiterführende Information

Photovoltaik - China, Japan und die USA profitieren von deutscher Stromförderung
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 11.08.2014)

Seit den 90er Jahren verbreiten sich Solaranlagen in der ganzen Republik. Auf vielen Privathäusern glänzen heute Solarzellen auf den Dächern. Anders ist es mit Windkraftanlagen, die liegen weitgehend in den Händen einer überschaubaren Anzahl von großen Konzernen. Außerdem muss man tief in die Tasche greifen, wenn man Strom aus Windenergie beziehen will. Die niederländischen Entwickler Rinus Mieremet und Richard Ruitenbeek wollen das ändern. Ruitenbeek erinnert sich:

"Wir saßen in seinem Haus am See und haben uns über die monatliche Stromrechnung unterhalten und da haben wir gedacht, wir müssen es irgendwie schaffen, den Strom für die Leute günstiger zu machen. Und dann haben wir angefangen in seiner Scheune zu basteln."

Keine Ähnlichkeit mit herkömmlichen Windkraftanlagen

Was dabei herauskam, hat zumindest auf den ersten Blick keine Ähnlichkeit mit herkömmlichen Windkraftanlagen. Statt der großen Rotorblätter, die sich auf einem möglichst hohen Pfahl vertikal drehen, liegen bei der wesentlich kleineren Windturbine drei Spiralblätter ineinander. So sieht sie von vorne aus wie ein großes Schneckenhaus oder eine Nautilusmuschel. Inspiriert habe sie die sogenannte Archimedes-Spirale. Die der griechische Mathematiker Archimedes bereits in der Antike entwickelt hat. Ursprünglich sollte die Spirale nach vorne noch deutlich länger werden, erinnert sich Ruitenbeek.

"Schon beim vierten Windtunneltest gab es mit dem ersten Modell große Probleme. Also haben wir eine Säge genommen und gesägt. Die Leute habe gesagt: "Was macht ihr denn da, ihr könnt doch nicht das teure Modell zersägen?!" Aber als wir es dann noch mal getestet haben, hatten wir eine richtig gutes Ergebnis."

Die Windmuschel hatte ihre endgültige Form. Sie ist im Gegensatz zu den aufwendig elektronisch gesteuerten Anlagen rein mechanisch. Ein Meter 50 im Durchmesser und 75 Kilo schwer. Außerdem ist sie flüsterleise, reagiert schon auf leichteste Windstöße, hält gleichzeitig aber auch hohen Windgeschwindigkeiten stand. Das alles macht sie besonders effektiv in der Energiegewinnung, versprechen die beiden Entwickler. Die kleine Windkraftanlage soll keine Konkurrenz zur Solaranlage auf dem Dach sein, ganz im Gegenteil, erklärt Chefentwickler Richard Ruitenbeek:

"...weil wenn es immer einen Mix gibt aus Sonne und Wind. Von Oktober bis Februar hat man wenig Sonne. In der Nacht auch. Meistens gibt es gerade dann aber viel Wind. Wenn man die Solaranlagen also im städtischen Raum mit einer Windmühle verbindet, kann man autark mit seiner eigenen Elektrizität leben."

Ungefähr 2.500 Kilowattstunden produziert eine der Mühlen im Jahr. Ein typischer, vierköpfiger Haushalt bräuchte also zwei der Mühlen, um sich mit Strom zu versorgen. Eine kostet um die 5000 Euro. Vor allem in urbanen Gebieten soll sich die muschelförmige Windturbine verbreiten, hoffen die Entwickler. Der Wind in der Stadt verwirbelt sich in den Häuserschluchten und bildet sogenannte Turbulenzen. Für genau diese ist die Archimedes-Windspirale konzipiert, erklärt Ruitenbeek:

"Viele Windturbinen haben Probleme mit Turbulenzen, aber diese ist extra dafür designed die Turbulenzen in Energie umzusetzen und so kann man die Turbulenzen in der Stadt nutzen um mehr Energie zu generieren und das ist was ganz Besonderes."

Erfolg in spanischsprachigen Ländern

7.000 Stück wurden weltweit verkauft, seit die Archimedes-Windturbine Anfang des Jahres auf den Markt kam. Vor allem in den spanischsprachigen Ländern, wo man sich nicht immer auf die örtliche Stromversorgung verlassen kann, kommt das Windrad gut an.

Auch Hanno Salecker, Windkraftexperte vom Umweltbundesamt, sieht in der neuartigen Windkraftanlage Potenzial, dennoch zeigte ihm seine Erfahrung, dass man beim Heimgebrauch einiges beachten muss.

"Also immer wenn ich mechanische Teile habe, dann muss ich sie auch warten. Bei einer Photovoltaikanlage ist das relativ unproblematisch, da hab ich eigentlich ja nur elektrotechnische Bauteile, da kann bis auf einen starken Hagelschauer, kann da nicht viel passieren, aber immer wenn sich irgendwo was dreht, kann ein mechanisches Bauteil ausfallen und deswegen muss ich sie auch warten."

Wie die Archimedes Windturbine dem mehrjährigen Gebrauch standhält, wird sich erst noch zeigen. Das Entwicklerteam aus Rotterdam hofft jedenfalls, dass sich ihr kleines Windrad schon bald ähnlich verbreitet wie es Solaranlagen schon geschafft haben.

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