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StartseiteUmwelt und VerbraucherEuropäischer Energiemarkt wäre günstiger25.03.2015

StrompreiseEuropäischer Energiemarkt wäre günstiger

Die Energiewende hat den Strom in Deutschland verteuert. Wissenschaftler, die die Energiesysteme der Zukunft analysieren, empfehlen einen gesamteuropäischen Strommarkt. Ein größerer, integrierter europäischer Energiemarkt wäre langfristig die kostengünstigere Variante.

Von Dieter Nürnberger

Weiterführende Information

Klimaabgabe für Kohlekraftwerke - Widerstand gegen Gabriels Pläne
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 20.03.2015)


(Deutschlandfunk, Themen der Woche, 14.03.2015)

Rheinland-Pfalz - Die Pioniere der Energiewende sind ernüchtert
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 13.03.2015)

Bayern und Baden-Württemberg - Gemeinsame Energiewende im Süden?
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 12.03.2015)

Die 50 Wissenschaftler, die die Energiesysteme der Zukunft analysieren, wollen anhand von konkreten Handlungsempfehlungen ihren Beitrag zur Diskussion über die Energiewende in Deutschland leisten. Und in der Tat plädieren sie vor allem für ein Mehr an europäischen Strukturen hinsichtlich der deutschen Energiewende.

Denn die lasse sich durchaus einbinden in die Klima- und Energieziele der EU bis 2030. Diese europäischen Vorgaben sehen ja beispielsweise eine Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase um mindestens 40 Prozent vor, im Vergleich zum Basisjahr 1990. Zudem einen Ausbau der erneuerbaren Energie auf 27 Prozent und auch Energieeinsparungen in gleicher Höhe.

Und im Grunde habe die EU dafür auch schon ein geeignetes Instrument, nämlich das Emissionshandelssystem. Allerdings müsse dieses effizienter eingesetzt und genutzt werden, sagt Christoph Schmidt, der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung:

"Es ist der Vorzug dieses Emissionshandels, dass die Obergrenze für Emissionen in Europa gemeinschaftlich festgelegt wird und dann sukzessive Schritt für Schritt abgesenkt wird. Was noch nicht so ganz funktioniert, ist, dass man noch nicht alle Sektoren, die emittieren, miteinbezogen hat. Mobilität und Wärme sind noch nicht erfasst. Dann Anschlussfähigkeit herstellen, auch für andere. Und auf dem Weg dahin sollte unter anderem durch einen Preiskorridor signalisiert werden, dass es wirklich einen Anreiz gibt, in Investitionsvermeidung zu investieren."

Mehr Europa denken

Dieser Preiskorridor wäre eine Neuerung. Hier würden ein Mindest- und auch ein Höchstpreis für CO2-Zertifikate festgeschrieben, um Sicherheit über den künftigen Preis zu geben, und somit auch Innovationsanreize für Unternehmen zu setzen. Derzeit sei der Preis für die Zertifikate eindeutig zu niedrig, um zusätzliche Investitionen in klimafreundlichere Energien auszulösen, so Christoph Schmidt.

Auch die nationalen Fördersysteme für erneuerbare Energien bedürften einer besseren europäischen Harmonisierung, sagen die Wissenschaftler. Denn ein Europa der vielen Energiewenden würde die volkswirtschaftlichen Kosten unnötig nach oben treiben. Justus Haucap ist Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie der Universität Düsseldorf:

"Zum Beispiel auch, indem man die Förderschemata für erneuerbare Energien harmonisiert. Sich somit von der Situation verabschiedet, wo primär in Deutschland ausgebaut wird, in Spanien aber beispielsweise kaum noch. Da lassen sich in Europa Kosten sparen und auch erhebliche Effizienzpotentiale heben. Wir haben den Standpunkt, das Klima retten wir nicht in Deutschland, das ist eine mindestens europäische Aufgabe."

Politik denkt national

In der politischen Diskussion sorgt derzeit vor allem ein Eckpunktepapier von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für Diskussionen. Die Wissenschaftler sehen Licht und Schatten in den Vorschlägen zur Energiewende. Die Kontroverse dreht sich beispielsweise um die künftige Kohlepolitik in Deutschland, oder auch um den Ausbau zusätzlicher Kapazitäten - Stichwort: Justus Haucap plädiert auch hier für eine bessere europäische Einbindung.

"Wie zum Beispiel, dass jetzt nicht überhastet in Kapazitätsmechanismen investiert wird. Das würde ein zusätzliches Subventionselement auslösen und die Energie in Deutschland noch mehr verteuern. Ein eher weniger erfreuliches Element dieser Vorschläge sind die zusätzlichen Belastungen für die Kohlekraftwerke - weil man hier weiter national denkt und weniger europäisch. Wir haben ja den Emissionshandel und da lässt sich möglicherweise eine Tonne CO2  woanders viel günstiger einsparen. Und wenn man es günstiger einsparen kann, dann heißt das, man kann generell auch mehr einsparen."

Fazit der Wissenschaftler: Mehr Europa denken - auch weil ein größerer, integrierter europäischer Energiemarkt langfristig eine kostengünstigere Variante wäre.

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