Der alternde König holt sich Rat bei seinem Hofnarren. Er scheint der einzige, der dem hohen Herrn noch zu helfen weiß in der akuten Ehekrise: Madame blieb bislang ohne Nachkommen und schwächelt auffällig. Das Netherlands Philharmonic Orchestra entwickelt den tonalen Sog zu einer wohl immer wieder und recht häufig aktuellen Geschichte. Die wurde vom Dichterkomponisten Franz Schreker in legendäre Zeiten projiziert und zugleich mit kräftigem Aroma des Wiener fin de Siècle auf den Weg geschickt.
Es war zu ahnen: Das Geschmeide mit seinen wundersamen Nebenwirkungen, dessen Verlust die Königin depressiv, hässlich und bezüglich der Vorbereitungen für die dynastische Hauptaufgabe lustlos werden lässt, erweist sich als tiefgründiges Symbol. Schreker sorgte dafür, dass es hochrangig traditionsgenährt erscheint. Marc Albrecht lässt mit energischer Zeichengebung dass spättonale Gold funkeln und reiztönige Dissonanzen glitzern, ermöglicht insgesamt einen dynamischen Fluss und ein in den Klangfarbnuancen weit aufgefächertes Triebleben der Orchesterklänge. Das umspült und trägt das Sängerensemble, aus dem Graham Clark als Narr mit scharf gestochener Diktion und Anflügen von britischem Darstellerhumor hervorsticht.
Von der "Magic Flute" zur "Magic Lute": Bei Schreker ist es keine Spezialflöte, die den Weg zum Glück herbei pfeift, sondern eine Laute, die verborgene Kostbarkeiten zu orten versteht. Es bedarf keines Studiums der Psychologie, um zu ahnen, dass die in Edelmetall gefassten Steine nur Schlüssel zu den "eigentlichen" Preziosen sind, nach denen Franz Schrekers Oper aus der Zeit des ersten Weltkriegs und der ersten Nachkriegsdepression schürfte. Die wahren "Schätze" – und hier berührt sich eine moderne Sichtweise mit mittelalterlicher Selbstverständlichkeit – liegen im Bereich der menschlichen Eigenschaften (und speziell weiblichen). Das Diadem sollte der Gattin des Herrschers als Aphrodisiakum dienen und sie für das Staatsoberhaupt fortdauernd attraktiv machen.
Doch mit diesem Glück ist es vorerst vorbei. Das teure Teil ist spurlos verschwunden. Es taucht fernab des Hofes bei Els auf, einer Schönheit vom Lande. Die hat eine schwere Jugend verlebt. Die Filmeinblendung zur Amsterdamer "Schatzgräber"-Inszenierung legen nahe, dass sie missbraucht wurde und dies ihr späteres Verhalten gegenüber den vom Stiefvater für sie ins Spiel gebrachten Bewerbern bestimmte. Sie lässt die ihr zugedachten Männer allemal aus dem Verkehr ziehen. Dass und wie sie vorzugsweise mit sich selbst beschäftigt ist, zeigt Manuela Uhl nachdrücklich. Und sie nutzt natürlich für die Demonstration der kühlen Attraktivität ihren Sopran.
Ivo van Hove wollte Schrekers zwiespältige Oper als "fairy tale for adults" zeigen und tat es vor einer Bretterwand, aus der die Umrisse von zwei Häuschen ausgeschnitten wurden. In diese Hohlstellen rücken dann immer wieder Hütten oder Räume. Zum Beispiel auch ein Exekutions-Saal mit Zuschauertribüne, in dem der zeitweise als Juwelendieb verdächtige Elis gehenkt werden soll. Doch offensichtlich hat die holländische Vollstreckungsbehörde die Lage nicht richtig im Griff – unterm Strang herrscht ein fröhliches Kommen und Gehen (und der Künstler kann tatsächlich dauerhaft ausbüchsen, nachdem er sich in der Mitte der Schaulustigen ausgesungen hat). Indem aber Els entdeckt, dass sie doch liebesfähig ist, lässt van Hove einen Soft-Porno einblenden. Zum Liebeserkältungstod der Protagonistin eskaliert der schwelende Kitsch der Bebilderung: Ein Kurzfilm zeigt das zuvor missbrauchte Mädchen glücklich in Waldeinsamkeit am plätschernden Bach mit einem weißen Schimmel in einem noch weißeren Nachthemdchen. Da entstellt sich van Hoves Fairytalien zur bieder-obszönen Kenntlichkeit.
Es war zu ahnen: Das Geschmeide mit seinen wundersamen Nebenwirkungen, dessen Verlust die Königin depressiv, hässlich und bezüglich der Vorbereitungen für die dynastische Hauptaufgabe lustlos werden lässt, erweist sich als tiefgründiges Symbol. Schreker sorgte dafür, dass es hochrangig traditionsgenährt erscheint. Marc Albrecht lässt mit energischer Zeichengebung dass spättonale Gold funkeln und reiztönige Dissonanzen glitzern, ermöglicht insgesamt einen dynamischen Fluss und ein in den Klangfarbnuancen weit aufgefächertes Triebleben der Orchesterklänge. Das umspült und trägt das Sängerensemble, aus dem Graham Clark als Narr mit scharf gestochener Diktion und Anflügen von britischem Darstellerhumor hervorsticht.
Von der "Magic Flute" zur "Magic Lute": Bei Schreker ist es keine Spezialflöte, die den Weg zum Glück herbei pfeift, sondern eine Laute, die verborgene Kostbarkeiten zu orten versteht. Es bedarf keines Studiums der Psychologie, um zu ahnen, dass die in Edelmetall gefassten Steine nur Schlüssel zu den "eigentlichen" Preziosen sind, nach denen Franz Schrekers Oper aus der Zeit des ersten Weltkriegs und der ersten Nachkriegsdepression schürfte. Die wahren "Schätze" – und hier berührt sich eine moderne Sichtweise mit mittelalterlicher Selbstverständlichkeit – liegen im Bereich der menschlichen Eigenschaften (und speziell weiblichen). Das Diadem sollte der Gattin des Herrschers als Aphrodisiakum dienen und sie für das Staatsoberhaupt fortdauernd attraktiv machen.
Doch mit diesem Glück ist es vorerst vorbei. Das teure Teil ist spurlos verschwunden. Es taucht fernab des Hofes bei Els auf, einer Schönheit vom Lande. Die hat eine schwere Jugend verlebt. Die Filmeinblendung zur Amsterdamer "Schatzgräber"-Inszenierung legen nahe, dass sie missbraucht wurde und dies ihr späteres Verhalten gegenüber den vom Stiefvater für sie ins Spiel gebrachten Bewerbern bestimmte. Sie lässt die ihr zugedachten Männer allemal aus dem Verkehr ziehen. Dass und wie sie vorzugsweise mit sich selbst beschäftigt ist, zeigt Manuela Uhl nachdrücklich. Und sie nutzt natürlich für die Demonstration der kühlen Attraktivität ihren Sopran.
Ivo van Hove wollte Schrekers zwiespältige Oper als "fairy tale for adults" zeigen und tat es vor einer Bretterwand, aus der die Umrisse von zwei Häuschen ausgeschnitten wurden. In diese Hohlstellen rücken dann immer wieder Hütten oder Räume. Zum Beispiel auch ein Exekutions-Saal mit Zuschauertribüne, in dem der zeitweise als Juwelendieb verdächtige Elis gehenkt werden soll. Doch offensichtlich hat die holländische Vollstreckungsbehörde die Lage nicht richtig im Griff – unterm Strang herrscht ein fröhliches Kommen und Gehen (und der Künstler kann tatsächlich dauerhaft ausbüchsen, nachdem er sich in der Mitte der Schaulustigen ausgesungen hat). Indem aber Els entdeckt, dass sie doch liebesfähig ist, lässt van Hove einen Soft-Porno einblenden. Zum Liebeserkältungstod der Protagonistin eskaliert der schwelende Kitsch der Bebilderung: Ein Kurzfilm zeigt das zuvor missbrauchte Mädchen glücklich in Waldeinsamkeit am plätschernden Bach mit einem weißen Schimmel in einem noch weißeren Nachthemdchen. Da entstellt sich van Hoves Fairytalien zur bieder-obszönen Kenntlichkeit.