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StartseiteKoran erklärt Warum Mohammed keinen Sohn haben durfte26.10.2018

Sure 33 Vers 40Warum Mohammed keinen Sohn haben durfte

Mohammed verliebte sich in die Frau seines Adoptivsohns Zaid, worauf hin der sich scheiden ließ und den Weg für seinen Vater frei machte. Und nicht nur das! Mohammed löste auch die Vater-Sohn-Verbindung wieder auf. Hätte er das nicht getan, hätte die Geschichte des Islams eine Wendung genommen, die den frühen Führer der muslimischen Gemeinde offenbar widerstrebte.

Von Prof. Dr. David Stephan Powers, Cornell University, Ithaca, USA

Weiterführende Information

Das Buch "Koran erklärt". (Suhrkamp)Zu unserer Sendereihe ist ein Buch "Koran erklärt" im Suhrkamp-Verlag Berlin erschienen. (Suhrkamp)

"Mohammed ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern der Gesandte Gottes und das Siegel der Propheten."

Vers 40 aus der Sure 33 ist das einzige textliche Zeugnis im Koran für den zentralen theologischen Anspruch, wonach Mohammed der letzte Prophet gewesen ist. Zugleich ist er einer von nur vier Versen, in denen der arabische Prophet mit Namen erwähnt wird.

Teaserbox zur Sendereihe "Koran erklärt" im Deutschlandfunk

Die Sendereihe Koran erklärt als Multimediapräsentation

Der Vers verbindet Mohammeds Status des letzten Propheten mit dem Umstand, dass er zum Zeitpunkt seines Todes keinen Sohn hinterlassen hat.

Porträt von David Stephan Powers  (priv.)Powers gilt als international ausgewiesener Experte für islamisches Erbrecht. (priv.)Den Koran-Kommentatoren zufolge lehrt Vers 40, dass Mohammed nicht der Vater eines Mannes namens Zaid gewesen ist; Zaid ist der einzige Gläubige, der neben dem Propheten namentlich im Koran genannt wird (33:37). Wer war dieser Mann, der Anlass für die Offenbarung von Vers 40 gewesen ist?

Um das Jahr 580 wurde Zaid Ibn Haritha im Alter von etwa zwanzig Jahren versklavt. Später wurde er an Mohammed verkauft. Etwa 605 ließ Mohammed Zaid die Wahl zwischen Freiheit und Sklaverei. Erstaunlicherweise wählte Zaid die Sklaverei. Daraufhin verfügte Mohammed Zaids Freilassung und nahm ihn als seinen Sohn an.

as gegenseitige Recht zur Vererbung zwischen Vater und Sohn wurde aufgestellt und Zaids Name geändert: Von nun an war er Zaid Ibn Mohammad - Zaid, Sohn des Mohammed.

Zaid war die dritte Person und der erste männliche Erwachsene, der sich der Gemeinschaft der Gläubigen anschloss - also Muslim wurde. Im Volk nannten sie ihn Liebling des Gesandten Gottes. In Mekka heiratete er Umm Aiman und in Medina heiratete er Zaynab bint Dschahsch. Umm Aiman gebar ihm einen Sohn namens Usâma, einer der Enkelsöhne des Propheten.

627 verliebte sich Mohammed in Zaynab. Zaid ließ sich von seiner Frau scheiden, damit sein Vater dessen bisherige Schwiegertochter heiraten konnte (33:37). Im Zusammenhang mit dieser Episode schaffte der Koran die Institution der Adoption ab (33:4-5).

Mohammed informierte Zaid, dass es fortan keinerlei Vater-Sohn-Beziehungen zwischen den beiden Männern mehr geben könne. Wie zu erwarten war, äußerte Zaid kein Bedauern über der Verlust seines Status als Sohn und Erbe des Propheten. Er kehrte wieder zu seinem Geburtsnamen Zaid Ibn Hâritha zurück. Die islamischen Quellen werden ihn später als mawlâ" beziehungsweise als Freund des Gesandten Gottes bezeichnen.

Im Jahr 629 ernannte Mohammed Zaid zum Kommandeur einer Militärexpedition ins südliche Jordanien. Nahe dem Ort Mu’ta starb er den Märtyrertod.

Im Moment seine Ablebens lief er eilends in den Paradiesgarten. So besagt es die Prophetenbiografie, die Sîra. Und weiter: Dort wartete eine wunderschöne Frau mit dunkelroten Lippen auf ihn.

'Â’ischa, die jüngste Frau Mohammeds, soll der Überlieferung zufolge gesagt haben: "Hätte Zaid den Propheten überlebt, wäre er sein Nachfolger geworden."

Einer der ersten Koran-Kommentatoren, der Gelehrte Muqâtil Ibn Sulaymân, schreibt zu Vers 40: "Wäre Zaid noch länger Mohammeds Sohn geblieben, wäre er ein Prophet gewesen."

Die Existenz eines Mannes namens "Zaid, Sohn des Mohammed" stellte somit offenkundig eine politische Gefahr für die frühen Führer der muslimischen Gemeinde dar. Und nicht nur das. Davon wäre auch eine theologische Gefahr ausgegangen - nämlich für die Doktrin vom Ende der Prophetie, von Mohammed als Siegel aller Propheten.

Diese Gefahren wurden durch die Offenbarung mehrerer Verse in Sure 33 eliminiert - darunter der Vers 40 sowie die Verse 4 un 5 und 37.

Bei der Audioversion handelt es sich um eine aus Gründen der Sendezeit leicht gekürzte Fassung dieses Textes.

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