Mittwoch, 18. Mai 2022

Wimbledon-Ausschluss russischer Spieler*innen
"Tennis sollte eine gemeinsame Antwort haben"

Russische und belarussiche Spielerinnen und Spieler dürfen aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine in diesem Jahr nicht am Tennisturnier in Wimbledon teilnehmen. Dirk Hordorff, Vizepräsident des Deutschen Tennis-Bundes, kritisierte im Dlf den Alleingang der Organisatoren.

Dirk Hordorff im Gespräch mit Matthias Friebe | 24.04.2022

Das Foto zeigt den Tennisprofi Daniil Medwedew bei den Australian Open im Februar 2021.
Das Foto zeigt den Tennisprofi Daniil Medwedew bei den Australian Open im Februar 2021. (imago / Shutterstock)
Tennis-Spielerinnen und -Spieler aus Russland und Belarus dürfen in diesem Jahr nicht am Grand-Slam-Turnier in Wimbledon teilnehmen. Das haben die Organisatoren aufgrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine beschlossen. Topspieler wie Daniil Medvedev oder Andrey Rublev dürfen somit nicht in London antreten, obwohl sie sich bereits aktiv gegen den Krieg ausgesprochen hatten.
Bildnummer: 13595156  Datum: 03.05.2013  Copyright: imago/LackovicDirk Hordorff, Trainer von Janko Tipsarevic / Tennis / BMW Open 2013 / München / 03.05.2013 / ; Tennis xsp x1x 2013 quer Tennis Dirk Hordorff Aumeister Iphitos ATP Tennisturnier BMW Open 2013 München Dirk Hordorff Trainer Janko Tipsarevic Porträt Image number 13595156 date 03 05 2013 Copyright imago Lackovic Dirk Hordorff team manager from Janko Tipsarevic Tennis BMW Open 2013 Munich 03 05 2013 Tennis  x1x 2013 horizontal Tennis Dirk Hordorff Aumeister Iphitos ATP Tennis tournament BMW Open 2013 Munich Dirk Hordorff team manager Janko Tipsarevic Portrait
Bildnummer: 13595156 Datum: 03.05.2013 Copyright: imago/LackovicDirk Hordorff, Trainer von Janko Tipsarevic / Tennis / BMW Open 2013 / München / 03.05.2013 / ; Tennis xsp x1x 2013 quer Tennis Dirk Hordorff Aumeister Iphitos ATP Tennisturnier BMW Open 2013 München Dirk Hordorff Trainer Janko Tipsarevic Porträt Image number 13595156 date 03 05 2013 Copyright imago Lackovic Dirk Hordorff team manager from Janko Tipsarevic Tennis BMW Open 2013 Munich 03 05 2013 Tennis x1x 2013 horizontal Tennis Dirk Hordorff Aumeister Iphitos ATP Tennis tournament BMW Open 2013 Munich Dirk Hordorff team manager Janko Tipsarevic Portrait (imago sportfotodienst)
Dirk Hordorff, Vizepräsident des Deutschen Tennis-Bundes kritisierte im Deutschlandfunk den Alleingang der Wimbledon-Veranstalter. Bei anderen Tennisturnieren dürfen russische und belarussische Spielerinnen und Spieler nämlich noch antreten. "Es ist äußerst bedauerlich für, dass Tennis nicht mit einer Stimme spricht. Vor ein paar Wochen hat Wimbledon unter anderem mit den anderen Grand-Slam-Turnieren, der ITF, der WTA und der ATP ein Statement abgegeben, wie sie die Sache handeln wollen. Die sieben Beteiligten haben sich auf eine Lösung geeinigt und jetzt hat Wimbledon das im Alleingang aufgelöst", so Hordorff.

Handeln müsse Konsequenzen haben

Das Handeln der Wimbledon-Verantwortlichen müsse deshalb Konsequenzen haben, so Hordorff. Zum Beispiel könnten in Wimbledon keine Weltranglistenpunkte vergeben werden", weil ja nicht jeder da spielen kann. Und das wäre ja ungerecht, wenn manche Weltranglistenpunkte sammeln könnten und andere nicht."
Die Situation wäre eine andere, hätte sich die Tenniswelt insgesamt für einen Ausschluss russischer und belarussischer Sportlerinnen und Sportler entschieden, so Hordorff. "Dann könnte man Wimbledon nicht kritisieren. Wobei ich sehr vorsichtig bin. Ich bin damit aufgewachsen, dass man keinen für seine Herkunft, seine Religion, seinen Glauben bestrafen sollte. Und man muss von sich aus überlegen, bevor man ganze Bevölkerungsgruppen bestraft, ob das richtig ist. Ungeachtet dessen gibt es halt Grenzen."
Hordorff sei "durchaus" der Meinung, dass Sport keine politischen Probleme lösen könne. Dennoch müsse sich der Sport "bewusst sein, was er macht, wo er es macht und dass er eine Verantwortung hat. Aber man kann ihm nicht die Lösungs-Verantwortung zuschieben."

Sport muss "eine Haltung haben"

Tennis und der Sport würden den Krieg nicht beenden, sage Hordorff. "Aber er muss eine Haltung haben, aber die hat er ja auch." Dass der Sport den Angriffskrieg verurteile, darüber gebe es keinen Streit. "Nur die Frage ist, sollen Leute, die damit nichts zu tun haben, die wie Rublev den Krieg sogar verurteilen, ein Berufsverbot bekommen und sollten die bestraft werden. Da kann man verschiedener Meinung sein und ich akzeptiere jeden Standpunkt. Aber ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn das jeder separat händelt, sondern da sollte Tennis eine gemeinsame Antwort haben."
Dass der Weltverband ITF sich noch nicht geäußert habe, sei ein "Witz. Die haben das Statement gemacht und seitdem haben die sich nicht mehr geäußert nach dem Statement von Wimbledon. Das muss aber doch der Weltverband vorweggehen."