Freitag, 19. August 2022

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Terroralarmstufe rot

Innerhalb von zwei Wochen wurde der Eiffelturm gestern Nachmittag nach einer telephonischen Bombendohung geräumt. Die Terrorgefahr wird in Frankreich erst genommen. Aus Sicherheitskreisen erging die Warnung: Anschläge stünden möglicherweise kurz bevor.

Von Burkhard Birke | 30.09.2010

    Sicherheitskräfte mit Maschinenpistolen unter dem Eiffelturm, auf großen Bahnhöfen, vor Ministerien und Szenen wie diese: Ein verdächtiges Paket wird gesprengt am Terminal 2 des Flughafens Charles de Gaulle. In Frankreich herrscht Terroralarmstufe rot, Vigipirate rouge, die zweithöchste auf einer Skala von vier, denn die Bedrohung ist real, wie Innenminister Brice Hortefeux bekräftigte.

    "Die Sicherheitsvorkehrungen sind verstärkt worden. Aufmerksamkeit ist geboten – das ist meine Botschaft, aber gleichzeitig möchte ich die Franzosen beruhigen: Wir haben alle notwendigen Vorkehrungen getroffen."

    Im Alarmfall reagieren die Sicherheitskräfte ohne Umschweife: Zwei Mal bereits wurde der Eiffelturm komplett geräumt, ebenso die S-Bahnstation St. Michel und der Bahnhof Saint Lazare in Paris. Die telefonischen Bombendrohungen erwiesen sich als falsch, aber:

    "Aus seriösen Quellen wissen wir, dass es ein hohes Risiko für einen Terroranschlag gibt. Dieser würde wohl für einen Ort geplant, an dem sich viele Menschen aufhalten: in einem Verkehrsmittel, einem großen Kaufhaus oder bei einer Versammlung!"

    Bekräftigte Anfang dieser Woche Frankreichs oberster Polizeichef Frederic Pechenard im Radio. Die Hinweise stammten offensichtlich nicht aus Pakistan, sondern aus Algerien, dem Maghreb generell.

    Die Unterstützung beim Kampf gegen Al Qaida in den Maghrebstaaten, das Afghanistan Engagement und das gerade kürzlich verabschiedete Burkaverbot, haben Frankreich offensichtlich ins Visier radikalislamischer Terrorgruppen gerückt.

    Französische Truppen waren unlängst an einem vergeblichen Befreiungsversuch einer Geisel beteiligt, die später hingerichtet wurde. Weshalb Al Qaida im Maghreb Rache geschworen und mit Vergeltung gedroht hatte. Zur Zeit befinden sich fünf aus dem Niger verschleppte Franzosen in der Gewalt von Al Qaida im Maghreb.

    Die Bedrohung auch im eigenen Land ist also nicht von der Hand zu weisen. Dennoch musste sich die Regierung ob ihrer Kommunikation Kritik anhören:
    Will sie nur von innenpolitischen Problemen ablenken? Es sei auf alle Fälle schwierig zu kommunizieren, wenn man keine konkreten Elemente besäße,
    erläutert der frühere Direktor der Zivilschutzbehörde DST Louis Caprioli:

    "Wenn Sie konkrete Elemente haben, dann vereiteln Sie den Anschlag und informieren die Medien erst im Nachhinein."

    Wenn überhaupt! Denn niemand will Panik verbreiten. Die Bevölkerung ist sensibilisiert, bleibt aber gelassen – sicher auch weil die letzten Anschläge immerhin 15 Jahre zurückliegen.