Samstag, 13. August 2022

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Theologe Mouhanad Khorchide zum Ramadan
"Gesundheit geht vor Moschee"

Der islamische Theologe Mouhanad Khorchide hat die Muslime in Deutschland dazu aufgerufen, mit ihren Hausärzten abzusprechen, ob das Fasten während des Ramadans sinnvoll für sie ist. "Das haben nicht Imame oder Theologen zu entscheiden", sagte Khorchide im Dlf.

Mouhanad Khorchide im Gespräch mit Jan Drees | 23.04.2020

Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster, spricht im Neuen Schloss beim gemeinsamen Fastenbrechen im Ramadan.
Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster (picture-alliance/dpa/Fabian Sommer)
Wer jung und gesund sei, könne mit Gewinn fasten. Risikokandidaten sollten darauf unbedingt verzichten. Der Fastenmonat Ramadan sei durch die Corona-Krise zwar massiv eingeschränkt, das biete aber auch eine "einmalige Chance": Da "kollektive Rituale" wie das Fastenbrechen im großen Stil ausfallen, könne die "individuelle Spiritualität gestärkt werden".
"Fastenbrechen kein integraler Bestandteil des Islam"
Gemeinsames Fastenbrechen sei durchaus identitätsstiftend, aber anders als das Fasten selbst kein integraler Bestandteil des Islam. Dennoch gebe es Widerstände dagegen, dass diese Gemeinschaftsveranstaltungen in Moscheen nicht erlaubt seien. Aber das seien Minderheiten, etwa im salafistischen Milieu.
Mouhanad Khorchide rief die Muslime in Deutschland zur Besonnenheit auf: "Gesundheit geht vor den Besuch der Moschee." Khorchide ist einer der prominentesten islamischen Theologen in Deutschland. Er ist ist Professor für islamische Religionspädagogik und leitet das Zentrum für Islamische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.