Dienstag, 16. August 2022

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Thomas Kistner zur IOC-Entscheidung
"Dramatischer Glaubwürdigkeitsverlust"

Dass sich das IOC und sein Präsident Thomas Bach trotz der schweren Dopingvorwürfe nicht zu einem Komplett-Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen in Rio entschlossen haben, überrascht Thomas Kistner nicht wirklich: "Das ist Realpolitik", sagte der Sportredakteur der "Süddeutschen Zeitung" im DLF.

Thomas Kistner im Gespräch mit Matthias Friebe | 24.07.2016

    IOC-Präsident Thomas Bach und Russlands Präsident Wladimir Putin in Sotschi 2014.
    IOC-Präsident Thomas Bach und Russlands Präsident Wladimir Putin in Sotschi 2014. (dpa/picture alliance/Vladimir Astapkovich)
    Der Glaubwürdigkeitsverlust des IOC nach der Entscheidung gegen einen Komplett-Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen in Rio ist in den Augen von Thomas Kistner jedoch "dramatisch". Man müsse nun die Frage stellen "nach den dunklen Kräften, die IOC-Präsident Thomas Bach so an den russischen Kreml-Chef Putin binden."
    Stepanowa-Ausschluss: "Zynische Aktion"
    Die IOC-Entscheidung, dass die russische Leichtathletin Julia Stepanowa nicht in Rio starten darf, nannte Thomas Kistner im Sport am Sonntag eine "zynische Aktion ganz im Sinne Russlands". Julia Stepanowa hat selbst eine Dopingsperre abgesessen - jedoch als Whistleblowerin entscheidend dazu beigetragen, dass das - vom WADA-McLaren-Report kürzlich noch einmal bestätigte - russische Staatsdopingsystem aufgedeckt wurde.
    Abschreckung für potenzielle Whistleblower
    Dass die Mittelstreckenläuferin nun auch nicht unter neutraler Flagge an den Spielen in Rio teilnehmen darf, könnte potenzielle Whistleblower nach Ansicht von Thomas Kistner davon abschrecken, in Zukunft mit Informationen zu Doping und Doping-Vertuschung aus der Deckung zu kommen.
    Das vollständige Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.
    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.