Mittwoch, 29. Juni 2022

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Trio con Brio Copenhagen
Grund zum Jubeln!

Überpünktlich zum Beethoven-Jubiläumsjahr vollendet das Trio con Brio seine Einspielung aller Klaviertrios des Komponisten. Damit gratuliert es nicht nur dem alten Meister. Zum 20. Ensemble-Geburtstag beschenkt sich das Trio selbst mit dieser brillanten Aufnahme.

Am Mikrofon: Johannes Jansen | 08.12.2019

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Erhielt im vergangenen Monat den Preis der Carl- und Anne Marie Carl-Nielsen-Stiftung: Das Trio con Brio Copenhagen, v.l. Jens Elvekjær (Kl), Soo-Kyung Hong (Vc) und Soo-Jin Hong (Vl) (Nikolaj Lund)
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio B-Dur op. 97, 3. Satz: Andante cantabile ma però con moto
Nachdem sie sich zum Trio zusammengefunden hatten, reihte sich Erfolg an Erfolg, bis es für die beiden koreanischen Schwestern und den dänischen Pianisten bei den einschlägigen Kammermusikwettbewerben nichts mehr zu gewinnen gab. Nach zwanzig Jahren kehren sie nun noch einmal an den Anfang zurück, nach Wien, wo sie sich kennenlernten, und zu jenen Werken, die zum Brot-und-Butter-Repertoire eines jeden Ensembles ihrer Art gehören: den großen Klaviertrios von Ludwig van Beethoven.
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio B-Dur op. 97, 3. Satz: Andante cantabile ma però con moto
Am Vorabend des Beethoven-Jubiläumsjahres bringt das Trio con Brio Copenhagen die abschließende dritte Folge einer Gesamteinspielung auf den Markt. Die beiden vorherigen haben wir im Deutschlandfunk bereits vorgestellt. Willkommen nun zum Finale.
Süchtig nach Beethoven
Die Freizeitdroge der Wiener Aristokratie um 1800 hieß Musik, und Ludwig van Beethoven war ihr begehrtester Lieferant. Hochmögende Herrschaften wie die Fürsten Kinsky und Lobkowitz ließen es sich etwas kosten, ihren Favoriten in Wien und bei Laune zu halten. Eine Leibrente wurde ausgesetzt, deren Wert infolge kriegsbedingter Inflation jedoch rasch verfiel. Die Geldgeber gerieten selber in die Klemme.
Großzügiger Schüler
Nur auf einen war Verlass: Erzherzog Rudolph von Österreich. Der Bruder des Kaisers, nachmalige Kardinal und Erzbischof betrachtete es als Ehre, nicht nur Beethovens Gönner zu sein, sondern auch sein letzter Schüler als Klavierspieler und Komponist. Aber auch der Meister wusste, was er an diesem Schüler hatte und widmete ihm eine Reihe bedeutender Werke, darunter das vierte und fünfte Klavierkonzert, die Klaviersonate "Les Adieux" und nicht zuletzt das als "Erzherzog-Trio" bekannte B-Dur-Trio op. 97.
Gutes Handwerk benötigt Zeit
Beethoven zeigt sich darin von der freundlichsten Seite und geht im dritten Satz einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nach: Variationen zu ersinnen. Ihnen zugrunde liegt hier wie in den meisten Fällen ein auf unspektakuläre Weise schönes und eingängiges Thema, das gemäß der Satzbezeichnung sanglich, aber auch nicht zu gemächlich vorgetragen werden sollte: Andante cantabile ma però con moto.
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio B-Dur op. 97, 3. Satz: Andante cantabile ma però con moto
Ohne Hast geht es an die Verarbeitung des Themas, als wäre es ein Teig, der vorm Durchkneten und Walken noch einmal aufgehen soll, ehe sich daraus auf fast spielerische Weise etwas Neues formt. Gelernt ist gelernt. Schon während seiner Gesellenzeit bei Joseph Haydn hat Beethoven sich in der Kunst der Variation von niemandem übertreffen lassen. Bestes Beispiel: das Trio in c-Moll, das letzte der drei Trios op. 1, bei dem das Andante in der Satzfolge allerdings noch ganz schulmäßig an zweiter und nicht an dritter Stelle steht.
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3, 2. Satz: Andante cantabile von variazioni
Ein Variationsthema zeichne sich durch "schönen Gesang, wenig Modulationen, gleiche zwei Theyle und einen verständlichen Rhythmus" aus, schrieb sein Schüler Carl Czerny, doch Beethoven selbst folgt dieser Maxime nur zum Schein, denn hier ist der Keim der Veränderung in Melodie und Metrum bereits angelegt.
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3, 2. Satz: Andante cantabile von variazioni
Entscheidende Nuancen
Das Trio con Brio aus Kopenhagen verinnerlicht das Variationsprinzip auf seine Weise, indem es die zahlreichen Wiederholungsteile unterschiedlich nuanciert. Oft ist es nur ein winziger Dreh, doch jeweils genug, dass es nicht nach bloßer Wiederholung klingt. Was an Spielraum zwischen den Noten und auch in den Vortragszeichen liegt, wird raffiniert genutzt, etwa wenn der Pianist mit geräuschvoller Dämpferaufhebung in der dritten Variation ein Vor-Echo der Streicher-Pizzicati erzeugt.
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3, 2. Satz: Andante cantabile von variazioni
Fast zwanzig Jahre und beinahe hundert Opuszahlen liegen zwischen Beethovens frühen Wiener Trios und jenem aus dem Jahr 1811. Da steht die Tür zum Spätwerk mit den fünf letzten Klaviersonaten, den Diabelli-Variationen und der Großen Fuge schon mehr als einen Spaltbreit offen. Für das dänisch-koreanische Familientrio gehören Beethovens Trios zum eisernen Bestand. Doch obwohl es Werke sind, die sie auch im Schlaf noch rückwärts buchstabieren könnten, klingt beim Geschwisterpaar Soo-Jin und Soo-Kyung Hong und Jens Elvekjaer, dem Ehegatten der Cellistin, nichts nach Routine, geschweige denn nach kalter Perfektion. Das ist Musikhandwerk mit Herz und Leidenschaft, nah am Text, aber eben "con brio"; auch dort, wo es nicht ausdrücklich steht – kleinere Streicher-Freiheiten inbegriffen, wie sie sich vor allem die Cellistin nimmt. Angedeutete Schleifer und Schluchzer sind zu hören, Bebungen, zuweilen lebhaftes Vibrato und durchaus grenzwertige Tempi, doch es ist eine Freude, sich diesem bewegten Trio-Treiben zu überlassen. Gerade auch dort, wo es etwas hemdsärmeliger zugeht, im B-Dur Trio etwa, wenn sich die schwelgerische Schönheit des Variationssatzes, der eingangs bereits kurz zu hören war, mit ruppiger Geste ins Dorfmusikantische verkehrt.
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio B-Dur op. 97, 4. Satz: Allegro moderato
Bei der Uraufführung des B-Dur Trios am 11. April 1814 war übrigens Beethoven, der sich rapide dem Zustand völliger Taubheit näherte, zum letzten Mal öffentlich als Pianist zu hören. Es war eine Herausforderung nicht nur für ihn selbst, sondern auch für seine Mitspieler, was erklären mag, dass das Echo gemischt ausfiel. Ignaz Moscheles, einer der größten Pianisten seiner Zeit, vermisste Reinheit und Präzision in Beethovens Spiel, während der Rezensent einer Wiener Zeitung meinte, wer kein Kunstkenner sei, werde von der Menge der Schönheiten beinahe erdrückt.
Jens Elvekjaer glänzt beim Tastensprint
Angesichts dieser historischen Ausgangslage stehen bei Aufführungen und Aufnahmen des Trios die Klavierspieler besonders im Rampenlicht. Hier ist es Jens Elvekjaer, der sich nicht zweimal bitten lässt, wenn es presto beziehungsweise più presto heißt bei diesem, so das CD-Beiheft, "letzten Gruß" des Pianisten Beethoven. Die sportliche Höchstleistung im Tastensprint und Dauertrillern vollbringt Elvekjaer natürlich nicht allein, denn seine Mitspielerinnen gehen das Tempo ohne Mühe mit.
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio B-Dur op. 97, 4. Satz: Allegro moderato
An Anerkennung für den künstlerischen Elan und die Beständigkeit des Trios con Brio Copenhagen fehlt es nicht. Erst im vergangenen Monat hat es den Preis der Carl- und Anne Marie Carl-Nielsen-Stiftung erhalten, eine der höchsten Ehrungen auf dem Gebiet von Kunst und Kultur in Dänemark, und es war nicht die erste Auszeichnung dieser Art.
Intelligente Präsente
Das schönste Geschenk hat sich das Ensemble freilich selbst gemacht mit der nun vollendeten, hinsichtlich der Zusammenstellung der Werke klug konzipierten Gesamteinspielung. Sie lädt ein, zwischen den drei CDs auch einmal hin und her zu springen, beispielsweise um den Aufwallungen des "Geistertrios" (op. 70 Nr. 1) im Scherzo des "Erzherzog-Trios" noch einmal auf den Grund zu gehen. Nebenbei dreht es sich in diesem Scherzo auch um Geld, klingt doch vernehmlich "Die Wut über den verlorenen Groschen" darin an. Dieser zweite Satz, hin und her wogend zwischen Ernst und Ausgelassenheit, Walzerstimmung und gelehrtem Kontrapunkt ist eine gestalterische Herausforderung. Auch sie bewältigt das Trio con Brio Copenhagen mit Bravour.
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio B-Dur op. 97, 2. Satz: Scherzo. Allegro
Das war das Scherzo aus dem Klaviertrio in B-Dur op. 97 – nicht Es-Dur, wie es fälschlicherweise auf der Hülle und im Beiheft dieser ansonsten brillant gelungenen Neuaufnahme steht. Erschienen ist sie beim Label Orchid im Vertrieb von Naxos. Soo-Jin Hong (Violine), Soo-Kyung Hong (Violoncello) und Jens Elvekjær (Klavier) feiern mit der dritten und letzten Folge der Gesamteinspielung der Beethoven’schen Klaviertrios ihren 20. Ensemblegeburtstag als Trio con Brio Copenhagen. Dazu kann man nur gratulieren: tillykke med fødselsdagen!
Musik: Ludwig van Beethoven, Klaviertrio B-Dur op. 97, 2. Satz: Scherzo. Allegro
Beethoven - Piano Trios Volume III

Ludwig van Beethoven
Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3
Klaviertrio B-Dur op. 97 ("Erzherzog-Trio")

Trio con Brio Copenhagen:
Soo-Jin Hong, Violine
Soo-Kyung Hong, Violoncello
Jens Elvekjaer, Klavier

Orchid Classics / LC: 20037 / EAN: 5060189561018