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TU-Berlin im Gründerfieber

IT-Wirtschaft.- Vor etwa einem Monat wurde der Internettelefonie-Dienst Skype von Microsoft gekauft. Niklas Zennström, Mitbegründer von Skype, geht nun mit dem gewonnen Geld ebenfalls einkaufen. Er ist auf der Suche nach vielversprechenden jungen Unternehmen, nach Ideen und Talenten – auch an der TU Berlin.

Von Jan Rähm | 19.11.2011

Ja, natürlich habe er ein Unternehmen zum investieren gefundenen, sagt der Skype-Mitgründer Niklas Zennström. Er habe sich mehrere Unternehmen angeschaut. Ganz besonders interessant fand er die Neugründungen in der deutschen Hauptstadt Berlin.

"Berlin ist für Unternehmer eine sehr interessante Stadt. Das Ambiente ist ideal für die Gründung neuer Technikfirmen. Dazu trägt auch die Technische Universität mit ihrem 'Inkubations'-Programm bei, wo Studierende direkt zur Firmengründung geführt werden."

Der Skype-Mitbegründer fing klein an. Es ging um den Austausch von Daten, also eine Tauschbörse. Kazaa hieß sie und war nicht unumstritten. Denn der Tausch von Daten ist nicht immer legal und auch die Software selbst hatte so einige Probleme. Sie erschien 2001. Die Mitarbeiter der Firma hinter Kazaa ärgerten sich allerdings über ganz andere Probleme.

"Unsere Mitarbeiter waren damals über mehrere Städte und Länder verstreut, und wir wollten das Internet zum Telefonieren nutzen, um uns in Konferenzen zusammenzuschalten. Mit den verfügbaren Voice-Over-IP-Lösungen funktionierte das nicht so recht. Also haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Es passte auch gut in die Zeit, denn vor zehn Jahren wurde das Internet weltweit breitbandig."

Damit war die Idee geboren. 2002 startete Skype, kostenlose Telefonie übers Internet, ein Welterfolg – aber anfangs mit argen finanziellen Schwierigkeiten.

"Wir waren mehrmals beinahe bankrott. Es dauerte ein Jahr, bis wir genügend Geld hatten, weiterzumachen. Bis dahin entwickelten wir zwar Skype weiter, stellten neue Leute an, ich konnte aber am Ende des Monats oft keine Gehälter mehr zahlen. Dass wir nicht einpackten, lag an Freunden und Bekannten, die uns aushalfen."

Kein Investor war bereit, das Risiko der noch neuen Idee einzugehen. Telefonieren über das Internet, soll das ein Witz sein? Auch technisch vorstellen konnten sich das nur wenige, erzählt Niklas Zennström. Nach etwas über einem Jahr – Skype war in den Probebetrieb gestartet - fand sich dann aber doch jemand, der Willens war, Geld in Skype zu investieren.

"Mit der offiziellen Veröffentlichung von Skype kamen die Investoren, und es lief dann finanziell eigentlich ganz gut über die Jahre."

Skype verdient an Telefonminuten, Flatrates und Zusatzoptionen. Sei es der Anrufbeantworter oder die Festnetznummer für den Internettelefonieanschluss: Monatlich zahlen die Nutzer. Mit der Zeit rentierte sich die Idee. Heute hätten es Gründer aber deutlich einfacher.

"Heute gibt es viel bessere Bedingungen für Firmengründer in Europa, und es wimmelt in London und Stockholm von kleinen IT-Firmen. Wichtig ist, dass sich die erfolgreichen Gründer neue Firmen und Ideen ansehen und da hinein investieren. Dieser Außenblick ist wichtig."

Niklas Zennström ist jedoch nicht nach Berlin gekommen, um in alten Geschichten zu schwelgen. Neben der Finanzspritze für ein ausgewähltes Unternehmen will der Investor Jungunternehmern auch ideell zu Seite stehen. Sein Rat an alle zukünftigen Gründer:

"Am wichtigsten ist es, ein Geschäftsmodell, eine Idee zu haben, die es so noch nicht gibt. Dabei muss man auf den Weltmarkt blicken und nicht nur auf Deutschland. Zweitens sind die Mitstreiter wichtig – ein Kompagnon mit Fachkenntnissen, und Investoren, die Leute einstellen und dabei mit einem am selben Strang ziehen."

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