Montag, 08. August 2022

Türkei
"Hexenjagd" gegen unliebsame Medien

Nach dem gescheiterten Putsch gehen die türkischen Behörden nach der Verhaftungswelle gegen Soldaten, Richter und Hochschullehrer jetzt gegen die Medien des Landes vor. Zahlreiche Zeitungsredaktionen, Fernseh- und Radiostationen mussten schließen. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" spricht von einer "Hexenjagd".

28.07.2016

    Die Titelseite einer Ausgabe der türkischen Tageszeitung Zaman
    Die türkische Tageszeitung Zaman (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
    Die lange Liste der geschlossenen Medien macht das Ausmaß des Vorgehens der türkischen Behörden deutlich: Drei Nachrichtenagenturen, 16 Fernseh-Sender, 23 Radio-Stationen, 45 Zeitungen, 15 Magazine und 29 Verlagshäuser wurden geschlossen. Das meldete die staatliche Agentur Anadolu. Unter ihnen sollen sich sowohl landesweite als auch lokale Medien befinden, darunter die Tageszeitung "Taraf" und der kurdische Fernsehsender IMC TV.
    Zudem ordnete ein Staatsanwalt gestern an, 47 ehemalige Mitarbeiter der Tageszeitung "Zaman" in Gewahrsam zu nehmen. Die Zeitung war im März wegen Verbindungen zum Netzwerk des Predigers Fetullah Gülen unter Zwangsverwaltung gestellt worden. Staatschef Recep Tayyip Erdogan macht die Bewegung für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich. Die Festgenommenen sollen offenbar zu Interna über die Gülen-Bewegung ausgefragt werden.
    "Versprechen der Türkei keinen Pfifferling wert"
    Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) kritisierte, es sei offensichtlich, dass es der Regierung darum gehe, unbequeme Journalisten mundtot zu machen. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr sagte in Berlin: "Das Versprechen der Regierung in Ankara, Grundrechte wie die Pressefreiheit zu achten, ist offensichtlich keinen Pfifferling wert. Die Hexenjagd auf kritische Journalisten in der Türkei muss sofort aufhören."
    Seit dem Umsturzversuch hat die türkische Polizei nach Angaben des Innenministeriums insgesamt fast 15.850 Menschen festgenommen. Unter ihnen seien rund 10.000 Militärangehörige, davon 178 Generäle. Heute kommt in Ankara der Oberste Militärrat zusammen, um über die weitere Entwicklung zu beraten.