Strategie im Krieg gegen Russland
Warum die Ukraine verstärkt die Krim angreift

Auf der Krim ist der Ausnahmezustand verhängt worden – aufgrund der ukrainischen Luftangriffe auf die von Russland besetzte Halbinsel. Welche Strategie verfolgt Kiew und welche Folgen hat das für Russland?

    Ein klassizistisches Gebäude, davor ein Feuerwehrauto und Feuerwehrleute.
    Bei den jüngsten ukrainischen Drohnenangriffen auf die Krim wurde auch ein Museum in Sewastopol getroffen. (IMAGO / SNA / IMAGO / Konstantin Mihalchevskiy)
    Auf der Krim verschärft sich die Lage. Die von Moskau eingesetzten Behörden haben einen regionalen Notstand ausgerufen. Das soll dem eingesetzten Krim-Chef Sergej Aksjonow zufolge dazu dienen, den Betrieb "wesentlicher Bereiche" aufrechtzuerhalten.

    In den vergangenen Monaten hat Kiew seine Angriffe auf der Krim stark ausgeweitet. Die Schwarzmeer-Halbinsel Krim wurde 2014 von Russland annektiert.

    Inhalt

    Die Lage auf der Krim wird zunehmend kritisch

    Die Ukraine hat in jüngster Zeit verstärkt russische Raffinerien, Ölpipelines und Treibstofflager angegriffen. Zudem gibt es immer wieder Angriffe auf strategisch wichtige Straßen- und Bahnverbindungen zur Krim. Das führt auf der Halbinsel zu Treibstoffknappheit. Tankstellen auf der Krim haben den Verkauf von Treibstoff an Privatpersonen schon seit Längerem eingestellt.
    Kürzlich hat Krim-Chef Aksjonow zudem Stromabschaltungen angekündigt - wegen der Schäden an der Energie-Infrastruktur durch ukrainische Drohnen. Alle Sommerlager für Kinder und Jugendliche wurden abgesagt. Darunter auch das schon zu Sowjetzeiten bekannte Ferienlager Artek, heute, laut Dlf-Osteuropaexpertin Sabine Adler, berüchtigt für seine militärische Ausbildung von russischen Jugendlichen. Nicht nur für die russische Armee, auch für die Bevölkerung auf der Krim werden die Folgen des Krieges damit deutlich spürbar.

    Die Strategie der Ukraine: Die Krim isolieren

    Die Ukraine will die Krim von der Versorgung abschneiden, indem sie Straßen und Brücken unbrauchbar macht. Insbesondere zielt Kiew darauf ab, die Treibstoffversorgung der russischen Armee zu stören. Die Folge: Die russische Armee verfügt zwar weiterhin über mehrere Stützpunkte auf der Krim, kann diese aber kaum noch für Angriffe nutzen.
    Damit soll der „Wert“ der Krim für die russische Armee zunichtegemacht werden, erklärt Militäranalyst Stéphane Audrand vom Französischen Institut für Internationale Beziehungen (Ifri). Dazu tragen auch ukrainische Angriffe auf Raffinerien und Ölpipelines sowohl auf der Krim als auch in Russland bei, die zu einer Verknappung von Produktionskapazitäten und Treibstoff geführt haben. Das verringert Russlands Einnahmen aus dem Energiegeschäft, die für Moskau wichtig zur Finanzierung seines Angriffskriegs sind.

    Rückschlag für Putin - mit weitreichenden Folgen

    Die kritische Lage auf der Krim bedeutet für die Menschen vor Ort ein Leben unter Kriegsbedingungen. Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin bedeutet sie einen Rückschlag. Putin hat die Halbinsel als unverzichtbaren Teil Russlands bezeichnet, der unter keinen Umständen an die Ukraine zurückgegeben werden könne.
    Neben den unmittelbaren militärischen und wirtschaftlichen Problemen für Russland könnte die Entwicklung auf der Krim weit darüber hinausgehende Folgen haben: Sollte sich die Lage für die russische Armee dort verschlechtern oder ginge die Krim gar verloren, bräche damit auch der Mythos vom „unfehlbaren Anführer“ zusammen, so analysieren kritische Militärblogger. Ein Militärblogger kommt gar zu dem Schluss: Das könne den Anfang vom Ende Putins bedeuten.

    Online-Text: Catherine Shelton