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Umweltfolgen eines Irakkrieges

Bilder, die an den niederländischen Maler Hieronymus Bosch erinnern, der die Todsünden und die Höllenstrafen darstellte. Die Folgen des Irakkriegs sind bis heute noch nicht beseitigt. Und nun droht eine neue, zusätzliche Zerstörung der Umwelt durch den Angriff der US-Amerikaner gegen den Irak.

Von Meena Janardhan | 20.03.2003
    Am Ende des Golfkriegs im Jahre 1991 verschwand die Sonne hinter riesigen Schwaden von Ruß und Rauch, als irakische Truppen Kuwaits Ölfelder anzündeten. Millionen Barrel Erdöl gingen in Kuwait täglich in Flammen auf und verdunkelten den Himmel noch Monate später. Riesige Ölmengen verseuchten auch den indischen Ozean oder versickerten im kuwaitischen Sand. Noch in zweitausend Kilometern Entfernung ließen sich Spuren von Erdöl, Ruß und Schadstoffen in Bodenproben nachweisen. Auch heute, zwölf Jahre später sind die Schäden dieser Umweltkatastrophe noch nicht beseitigt.

    Experten befürchten nun, dass die Umweltschäden bei einem erneuten Militärschlag gegen den Irak weitaus verheerender sein könnten als beim ersten Golfkrieg. Zwar beteuerte Staatschef Saddam Hussein in Interviews, dass der Irak im Kriegsfall weder seinen Reichtum noch seine Staudämme zerstören wolle. Sollte der Dikator entgegen seiner Ankündigung doch auf eine Politik der verbrannten Erde setzen, würde er auch die rund 1.000 irakischen Ölfelder anzünden. Auch die im Irak möglicherweise vorhandenen Lager mit biologischen und chemischen Waffen könnten gezielt zerstört werden. Die frei werdenden Gifte würden selbst die Menschen in benachbarten Regionen gefährden.

    Doch nicht nur die Gesundheit der Menschen in der Golf-Region steht auf dem Spiel. Ein neuer Militärschlag bedroht insbesondere auch die Artenvielfalt der Region: 1991 erstickten fünfundzwanzig Tausend Vögel im Ölschlamm. Der Ölfilm zerstörte das empfindliche Ökosystem des Meeres und der Küstenregionen und machte das angrenzende Ackerland für viele Jahrzehnte unbrauchbar. Experten fürchten vor allem eine enorme Luftverschmutzung durch brennende Ölfelder, die auch das Klima verändern kann. So war 1991 nach den Bränden die Lufttemperatur kurzfristig um zehn Grad Celsius gesunken, die Wassertemperatur war sieben Grad niedriger. Auch die Temperaturen im Winter waren nach dem Golfkrieg unmittelbar angestiegen. Das sei ein eindeutiges Indiz dafür, wie sehr sich die Bombardierung auf die Umwelt auswirke, erklärte Inad Khairallah vom Forschungszentrum in Sharjah, einem der Scheichtümer der Vereinigten Arabischen Emirate. Die alliierten Streitkräfte hätten im vergangenen Golfkrieg mehr Munition eingesetzt als in beiden Weltkriegen zusammengenommen. Ein neuer Golf-Krieg würde die Erfolge der vergangenen Bemühungen vernichten, die Wüsten der Region grüner und damit bewohnbarer zu machen, warnt der Wissenschaftler.