Doktorarbeit
Uni Bayreuth prüft Plagiatsvorwurf gegen AfD-Chefin - Weidel: abwegig, sehe weiterer Entwicklung gelassen entgegen

AfD-Bundeschefin Alice Weidel sieht sich Vorwürfen im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit ausgesetzt. Die Universität Bayreuth teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, sie prüfe einen "Plagiatsverdacht". Weidel wies die Vorwürfe zurück.

16.12.2023
    Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, gibt eine Pressekonferenz im Bundestag
    Alice Weidel, AfD-Bundeschefin un Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion (Archivbild). (IMAGO / Christian Spicker)
    Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, zwei Plagiatesucher hätten sich an die Hochschule gewandt. Demnach werfen sie Weidel vor, in ihrer mit "Summa cum laude" ausgezeichneten Doktorarbeit aus dem Jahr 2011 bei übernommenen einzelnen Passagen, zusammenhängenden Sätzen oder auch Satzfragmenten die Quellen nicht oder nicht ausreichend gekennzeichnet zu haben. Der Zeitung liegt nach eigenen Angaben der eingereichte Text vor.

    Uni-Kommission für wissenschaftliche Integrität liegt Plagiatsverdachtsgutachten vor

    Die Universität Bayreuth teilte mit: "Das Plagiatsverdachtsgutachten wurde mittlerweile der Kommission für wissenschaftliche Integrität der Universität Bayreuth vorgelegt." Sie entscheide, ob es zu einem förmlichen Untersuchungsverfahren komme. Mit dieser Entscheidung sei nicht vor Ende Januar zu rechnen.
    Die "SZ" zitierte den federführenden Autor des bei der Universität eingereichten Textes: "Wir sehen in der Dissertation von Frau Weidel zwar keine großflächigen Plagiate, aber viele kleine Plagiatsfragmente. Hier besteht ein Plagiatsverdacht." Beide Autoren wollen laut Zeitung anonym bleiben - aus Angst vor möglichen Gefahren für sich und ihre Angehörigen. Sie seien der Zeitung aber bekannt, hieß es.

    Weidel: Abwegige Vorwürfe, "politische Motivation" offensichtlich

    Weidel selbst sprach im Onlinedienst X von abwegigen Vorwürfen. Sie erklärte in einem Video: "Meine Doktorarbeit dürfte schon von Dutzenden von Plagiatsprüfern ebenso detailreich und aufmerksam wie ergebnislos geprüft worden sein." Nun hätten aber Unbekannte der Zeitung ein anonymes Gutachten zukommen lassen, in dem zwar auch keine klassischen Plagiate, wohl aber Zitierfehler entdeckt worden sein sollten. Weidel bat demnach um eine unabhängige Stellungnahme eines Wisseschaftlers, der zu dem Schluss gekommen sei, dass die Vorwürfe als "abwegig" zurückgewiesen und die Plagiatsvorwürfe als "haltlos" erachtet würden. Bei dem Wissenschaftler handelt es sich laut "SZ" um einen der Autoren, bei denen Weidel sich regelwidrig bedient haben soll.
    Die AfD-Bundeschefin betonte, sie sehe der weiteren Entwicklung gelassen entgegen. Die "politische Motivation" sei offensichtlich. Weidel sprach von einer Kampagne gegen sie. Die 44-Jährige ist auch Co-Vorsitzende der AfD im Bundestag. In bundesweiten Umfragen steht die Partei derzeit bei 20 bis 23 Prozent und damit an zweiter Stelle nach der Union und vor der SPD und den Grünen.
    Diese Nachricht wurde am 16.12.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.