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Unter Pseudonym

Vergangene Woche hatte die Deutsche Presseagentur exklusiv vermeldet, dass der DDR-Vize-Sportchef Thomas Köhler in seinem am Folgetag auf den Markt gekommenen Buch, Kinderdoping im Schwimmen eingestanden habe. Dies sorgte für Schlagzeilen und sollte offenbar den Verkauf des Druckwerks ankurbeln. Mitautor des dpa-Beitrages, allerdings unter dem Pseudonym "Manfred Leopold", war ausgerechnet ein Journalist, der in der DDR nahezu zwanzig Jahre für die Stasi gearbeitet hatte.

Von Thomas Purschke | 23.09.2010

Der Berliner Journalist Manfred Hönel, einst langjähriger Stasi-IM und Vize-Sportchef der größten DDR-Tageszeitung "Junge Welt", hatte den Nachrichtenagentur-Text Beitrag zur Buchpremiere des einstigen Vize-Sportchefs Thomas Köhler mit dem dpa-Sportredakteur Frank Thomas verfasst.

Auf Nachfrage teilte nun der dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner mit, dass Herr Hönel mit Sicherheit künftig nicht mehr für dpa arbeiten wird. Man werde zudem die internen Abläufe dund Prozesse überprüfen, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederhole.

Manfred Hönel, der nach dem Untergang der DDR bei der "Bild"-Zeitung in der Sportredaktion unterkam, war 1999 vom Deutschlandfunk als Stasi-IM, Deckname "Harro" enttarnt worden. Woraufhin sich "Bild" offiziell von ihm trennte. Jedoch unter mehreren Pseudonymen schrieb er aber noch einige Jahre weiter für "Bild" und "Welt" seine Texte, zudem für den Sportinformationsdienst und etliche Regionalblätter. Sowohl in Ostdeutschland als auch im Westen konnte Hönel auf langjährige Verbündete und Sympathisanten in den Sportredaktionen bis in jüngste Zeit setzen, obwohl seine Stasi-Vita vor elf Jahren publik geworden war. Hönel hatte der Stasi unter anderem auch Berichte über die Republikflucht des DDR-Eiskunstläufers Günther Zöller geliefert.