Dienstag, 23. April 2024

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Zusammenbruch der "Silicon Valley Bank"
US-Finanzministerium plant keine große Rettungsaktion

US-Finanzministerin Yellen hat eine staatliche Rettung der "Silicon Valley Bank" ausgeschlossen. Der Staat werde sich vielmehr um Konteninhaber kümmern, sagte Yellen dem Sender CBS. Die Bank war am Freitag von den Aufsichtsbehörden geschlossen worden, nachdem eine Notkapitalerhöhung gescheitert war.

12.03.2023
    Menschen schauen auf Schilder vor dem Eingang der Silicon Valley Bank in Santa Clara, Kalifornien
    In den USA ist die Silicon Valley Bank vorübergehend geschlossen worden. (AP / Jeff Chiu)
    Yellen betonte, während der Finanzkrise sei der Staat Investoren und Anteilseignern von systemrelevanten Großbanken zur Seite gesprungen. Die seitdem in Kraft gesetzten Reformen bedeuteten jedoch, dass ein solcher Schritt nicht wiederholt werde. "Aber wir sorgen uns um die Einleger und konzentrieren uns darauf, deren Bedürfnisse zu erfüllen." Yellen erklärte zudem, das US-Bankensystem sei sicher, besser mit Kapital ausgestattet und widerstandsfähiger als bei der globalen Finanzkrise 2008. Die Behörden würden versuchen, sicherzustellen, dass sich "gesunde Banken nicht ansteckten".
    Die Notenbank Fed und die Einlagensicherung FDIC erörtern einem Bericht der Agentur Bloomberg zufolge eine Auffanglösung für Institute, die nun auch unter Druck geraten könnten. Einzelheiten wurden bislang nicht genannt.

    Mehrere Länder kündigen Hilfen an

    Großbritanniens Finanzminister Hunt stellte indirekt finanzielle Hilfen in Aussicht, damit Kunden der "Silicon Valley Bank" nicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Konkrete Angaben machte der Finanzminister nicht. Die "Bank of England" hatte am Freitag mitgeteilt, dass sie beabsichtige, ein Insolvenzverfahren für die britische Niederlassung der "Silicon Valley Bank" zu beantragen. In der Zwischenzeit werde das Unternehmen keine Zahlungen mehr leisten und keinerlei Gelder mehr entgegennehmen.
    Auch Israels Ministerpräsident Netanjahu kündigte Maßnahmen an. Er habe nach dem Zusammenbruch der "Silicon Valley Bank" Kontakt zu führenden israelischen Vertretern der Technologiebranche aufgenommen, erklärte Netanjahu. Wie die Zeitung "The Times of Israel" weiter berichtet, will Netanjahu notfalls auch den Technologie-Unternehmen und Arbeitnehmern in Israel helfen, damit sie die Liquiditätskrise überstehen.
    In Deutschland gelten Auswirkungen derzeit als begrenzt, auch weil die SVB dort keine Tochtergesellschaft hat. Es gibt nur eine vergleichsweise kleine Zweigstelle.
    Die "Silicon Valley Bank" war am Freitag von den Aufsichtbehörden geschlossen worden, nachdem eine Notkapitalerhöhung gescheitert war. Wegen Liquiditätssorgen hatten Kunden in den letzten Tagen massiv Gelder abgezogen. An nur einem Tag waren es 42 Milliarden Dollar.

    Zusammenbruch setzt auch Startups unter Druck

    Die SVB mit Sitz im kalifornischen Santa Clara zählt zu den größten Instituten in den USA. Sie hatte Ende 2022 Vermögenswerte von 209 Milliarden Dollar in der Bilanz. Die Bank ist spezialisiert auf die Finanzierung von Unternehmensgründungen. Der Zusammenbruch setzt deshalb auch Startups unter Druck, die nun Probleme haben, ihre Mitarbeiter zu bezahlen. Ende Dezember verfügte das Institut über Kundeneinlagen in Höhe von 175 Milliarden Dollar.
    Experten machen die starken Zinserhöhungen in den USA mitverantwortlich für die Probleme der SVB. Die US-Notenbank Fed hatte die Zinsen so stark angehoben wie seit den frühen 1980er Jahren nicht mehr. Als Nebenwirkungen davon gelten ein Ausverkauf bei Technologieaktien, Turbulenzen bei Kryptowährungen sowie Druck auf amerikanische und britische Immobilienfonds. Mit den Zinserhöhungen hatten zuletzt Zentralbanken weltweit versucht, die gestiegene Inflation einzudämmen.
    Diese Nachricht wurde am 12.03.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.