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US-Präsidentschaft
"Das Amt ist größer als die Person"

Donald Trump sei etwas "zwischen Genie und verrückt", sagte Kerry Reddington, Mitglied der Republicans Overseas, im Deutschlandfunk. Manchen seiner Kritikpunkte kann er nachvollziehen, etwa die an der NATO. Seine Regierungsmannschaft werde aber sehr viel diplomatischer auftreten - und Reddington hofft dabei auch auf die Autorität des Amtes.

Kerry Reddington im Gespräch mit Rainer Brandes | 16.01.2017
    Trump steht vor einer dunklen Wand und deutet mit dem Zeigerfinger nach vorne.
    Der designierte US-Präsident Trump bei einer Pressekoferenz in der Lobby des Trump Towers in New York am 13.1.2017. (Albin Lohr-Jones / Consolidated / dpa)
    Rainer Brandes: Kerry Reddington ist Mitglied der Republicans Overseas. Das ist die Vertretung der amerikanischen Republikaner in Deutschland. Kerry Reddington ist Unternehmer in Frankfurt am Main und kurz vor der Sendung konnte ich mit ihm sprechen.
    - Herr Reddington, man könnte annehmen, die künftige Regierungspartei hat ein Interesse daran, dass nicht schon vor Amtsantritt die Beziehungen zu den wichtigsten Partnern zerstört werden. Warum kommen dann solche Vorwürfe von Trump an Merkel?
    Kerry Reddington: Ich würde erst mal sagen, wir zerstören gar nichts. Ich würde sagen, das ist eine neue Regierung und die überlegen, neue Wege zu gehen. Aber Zerstörung macht man nicht mit seinen Partnern seit so langer Zeit. Macht man nicht!
    Brandes: Na ja. Aber es sind ja nicht gerade diplomatische Töne, die Trump da angeschlagen hat, wenn er zum Beispiel sagt, es war ein Riesenfehler von Angela Merkel, eine Million Flüchtlinge ins Land zu lassen. Das wäre ein riesiges Sicherheitsproblem. Das ist ja nicht diplomatisch.
    Reddington: Auf jeden Fall ist das nicht diplomatisch. Er hat nur gemeint, dass man eine Million Leute nicht ohne Dokumentation nicht in sein Land bringen sollte. Das hat er dann auch gesagt, ohne Ausweis einfach in ihr Land zu bringen.
    "Wir müssen kontrollieren, wer in unser Land reinkommt"
    Brandes: Diese Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik, die erleben Sie ja von beiden Seiten. Sie sind einerseits Amerikaner, andererseits leben Sie hier in Deutschland, kennen die Situation hier. Sehen Sie das auch so? Hat Merkel ungehindert Terroristen zu uns ins Land gelassen?
    Reddington: Das ist eine schwierige Frage. Ich kenne mich nicht genug aus mit dem Thema. Aber ich glaube, Deutschland ist genau wie Amerika. Unser Land ist gebaut auf meinen Vorfahren, von Flüchtlingen. Ich weiß nicht, ob meine Vorfahren Ausweise dabei gehabt hatten, aber ich bin froh, dass Deutschland offene Türen hat. Aber auf der anderen Seite muss man natürlich gucken, wen man in das Land reinlässt.
    Brandes: Das heißt dann aber, diese Pauschalkritik, wie sie von Trump kommt, die würden Sie nicht unterstützen?
    Reddington: Nein, auf gar keinen Fall. Man muss natürlich Leute reinlassen, die Hilfe brauchen. Auf jeden Fall. Aber wir müssen natürlich kontrollieren, wer in unser Land reinkommt, um besser miteinander natürlich zu kommunizieren in verschiedenen Ländern.
    Brandes: Genau. Aber Donald Trump sagt ja einfach, wir werden keine Syrer in die USA lassen, denn dann handeln wir uns nur Terroristen ein. Aber viele Syrer sind ja tatsächlich schutzbedürftig.
    Reddington: Auf jeden Fall. Erst mal ist er noch nicht im Amt und erst mal muss man abwarten, bis er überhaupt im Amt ist.
    Brandes: Glauben Sie, wenn er im Amt ist, dass sich dann seine Töne etwas diplomatischer anhören werden?
    Reddington: Ich hoffe. Er muss das auch machen. Auf jeden Fall. Ich hoffe es.
    Brandes: Woher kommt es denn dann, dass Donald Trump so undiplomatisch auftritt? Ist er einfach unerfahren? Hat er schlechte Berater?
    "Seine Mannschaft wird viel diplomatischer sein"
    Reddington: Ich glaube, Donald Trump ist zwischen Genie und verrückt. Und ich hoffe, dass er mehr Richtung Genie ist. Und was er sagt? Ich habe ihn persönlich noch nicht kennengelernt und man muss erst mal abwarten. Aber seine Mannschaft, die wird natürlich viel diplomatischer sein.
    Brandes: Donald Trump hat ja auch deutsche Unternehmen gewarnt in diesem Interview. Er sagt, die können gerne in den USA ihre Produkte verkaufen, aber nur dann, wenn sie dort auch produzieren. Sonst gibt es Strafzölle von 35 Prozent. Sie selbst sind ja Unternehmer. Sie profitieren vom Freihandel. Können Sie so was unterstützen?
    Reddington: Ich selbst unterstütze keine Strafzölle. Aber nicht vergessen: Die EU macht das seit Jahren wegen dem russischen Stahl und wegen dem chinesischen Stahl. Die EU macht das sowieso mit verschiedenen Unternehmen. Das wissen Sie selbst. Ich bin selbst kein Fan von Strafzöllen und diese 35 Prozent, das hat natürlich nichts mit Deutschland zu tun, das hat mit dem Werk zu tun in Mexiko. Das hat nichts mit den Werken zu tun in Deutschland. Das ist nur das Werk in Mexiko.
    Brandes: Aber ist das nicht etwas kurzfristig gedacht, denn viele Unternehmen, auch deutsche Unternehmen, die lassen zwar vielleicht ihre Autos in Mexiko zusammenbauen, aber Bauteile dafür produzieren sie auch in den USA.
    Reddington: In China. Auf jeden Fall auch in China.
    Brandes: Und in den USA.
    Reddington: Ja, aber erst mal muss man abwarten. Das sind nur Sprüche und auf jeden Fall, nehme ich an, Donald Trump sucht gerade. Er muss viel aufräumen von dem Schaden, was Obama gemacht hat. Natürlich erst mal muss er klar kommen, was er überhaupt zu tun hat. Zum Beispiel diese Sprüche wegen der NATO. Die NATO hat nichts gemacht wegen Terrorismus. Null! Deswegen muss die NATO auch ein bisschen was ändern.
    Brandes: Das heißt, Donald Trump hat Recht, wenn er sagt, wenn die NATO noch eine Rolle spielen will, dann muss sie sich völlig neu aufstellen?
    Reddington: Auf jeden Fall, ja. Seit Jahren haben die nichts geändert. Sie ist obsolet.
    Brandes: Ich würde trotzdem gerne noch mal zurück auf den Welthandel kommen. Ihre Partei, die Republikaner, die waren immer Freunde des Welthandels. Wird die Republikanische Partei so einen Abschottungskurs, wie er jetzt von Trump skizziert wird, mitmachen?
    Reddington: Das weiß ich nicht genau. Ich lebe in Deutschland. Ich bin ein unglaublicher Fan von Deutschland und dazu kann ich mich nicht äußern. Aber dieses Freihandelsabkommen wie TTIP, viele in Deutschland sind komplett dagegen. Ich kenne mich nicht genug aus mit TTIP, aber scheinbar ist Trump nicht für diesen Freihandel. Es sieht so aus am Anfang.
    Brandes: Und sehen Sie das als Fehler?
    "Wir haben richtig Probleme in unseren Großstädten"
    Reddington: Ich kann das nicht beurteilen. Erst mal muss er sich angucken, was überhaupt los ist. Momentan haben wir in Amerika 42 Millionen Leute, die essen auf Essen-Coupons. Wir haben richtig Probleme in unseren Großstädten in Amerika. In Chicago zum Beispiel werden drei Leute getötet jeden Abend. Drei! Wir haben so viele Probleme, innere Probleme, dass eins nach dem anderen gelöst werden muss. Aber was Sie gar nicht angesprochen haben: Zwei Stunden entfernt von Frankfurt fallen Bomben und wird ein Krieg geführt in der Ukraine. Und das geht nicht. Wir dürfen keinen Krieg mehr haben. Da müssen wir aufhören damit.
    Brandes: Da würden Sie sagen, da muss man Donald Trump unterstützen, der sagt, Frieden wird es nur geben, wenn wir uns an Russland annähern?
    Reddington: Ich glaube, man muss mit Putin eine Freundschaft aufbauen und gucken, wie man sich einigt. Es ist nicht korrekt, dass wir innerhalb von zwei Stunden entfernt einen Krieg haben. Sorry, das geht nicht.
    Brandes: Glauben Sie eigentlich, dass wir hier in Deutschland oder auch in ganz Europa ein falsches Bild von Donald Trump haben? Sehen wir ihn zu kritisch? Geben wir ihm nicht die richtige Chance, erst einmal ins Amt zu kommen?
    Reddington: Auf jeden Fall. Das sehe ich auf jeden Fall. Seine Sprüche sind natürlich auch nicht so. Jeder pickt raus, was man hören möchte. Ein paar von seinen Sprüchen waren schon heftig und man kann alle seine Sprüche natürlich nicht unterstützen. Aber das Amt ist größer als die Person. Das sollte man nie vergessen. Und die Freundschaft zwischen Deutschland und Amerika, die kann nicht zerstört werden wegen eines Donald Trump. No Way!
    Brandes: Das sagt Kerry Reddington von der Vertretung der amerikanischen Republikanischen Partei in Deutschland.
    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.