Sonntag, 05. Februar 2023

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US-Sport
Gewerkschafts-Revolution im College-Sport

Erstmals ist es Sportlern der US-College-Ligen gestattet, eine Gewerkschaft zu gründen. Das kommt einer Revolution gleich.

Von Heiko Oldörp | 28.03.2014

    Es war immer Jeff Yarbroughs Traum, an einem College American Football zu spielen. Yarbrough erfüllte sich diesen Traum an der Northwestern University im Großraum Chicago. Doch mittlerweile ist die Zeit im Team der Wildcats für ihn zum Alptraum geworden. Yarbrough brach sie beide Beine, hat heute noch Eisenstangen in seinen Waden, die so sehr schmerzen, dass sie entfernt werden müssten. Er könne nicht mehr laufen, sagt der einstige Runningback, und er versuche, nicht zu sehr daran zu denken, denn das bedrücke ihn schon sehr.Ein Eingriff würde mehr als Dollar kosten – Geld, das er nicht hat. Denn eine finanzielle Unterstützung für ehemalige College-Athleten gibt es nicht.
    Die Rahmenbedingungen für Sportler an den US-Colleges sind seit Jahrzehnten verankert: die Athleten bekommen Stipendien und eine Bühne, auf der sie sich mitunter sogar für eine Profiliga empfehlen können – eine Aufwandsentschädigung gibt es hingegen nicht – und die medizinische Versorgung ist oft ungenügend. Der College-Dachverband, die NCAA, wiederum, streicht allein durch die Fernseh-Verträge für Football- und Basketball-Spiele Milliarden ein. Kain Colter, ehemaliger Quarterback der Northwestern University betont, dass das aktuelle Modell einer Diktatur gleichkomme. Und deshalb zogen er und andere Spieler des Teams vors staatliche Amt für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen. Der Fernsehsender CNN nannte es einen "unglaublich mutigen Schritt" - denn so drastisch hatte sich noch niemand gegen die scharfe Kontrolle der NCAA zur Wehr gesetzt.
    Es ging um die Frage, ob College-Athleten Angestellte der Bildungseinrichtungen seien – schließlich würden sie für Training und Wettkampf mitunter bis zu 50 Stunden in ihren Sport investieren. Die staatliche Instanz gab den Footballern Recht. Er könne nicht erkennen, dass die Athleten in erster Linie Studenten seien, begründete Richter Peter Ohr – und erlaubte den Sportlern mit seinem Urteil, eine Gewerkschaft zu gründen. Dies wiederum wurde von den Medien als Revolution aufgefasst.
    Die NCAA ließ wissen, dass die Teilnahme am College-Sport freiwillig sei – und legte Berufung gegen das Urteil ein. Es könnte ein monatelanger Gerichts-Marathon werden. Doch der Anfang ist gemacht – das Konstrukt des College-Dachverbandes droht zu bröckeln.