
Was ist über das Abkommen bekannt?
Der genaue Wortlaut des Rahmenabkommens ist noch nicht bekannt; er wurde zunächst nicht veröffentlicht. Pakistans Ministerpräsident Sharif erklärte, beide Seiten hätten die sofortige und endgültige Beendigung der Militäroperationen an allen Fronten vereinbart. Das gelte auch für den Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon.
Im Zentrum der Verhandlungen stand darüber hinaus die Straße von Hormus. Die für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtige Meerenge soll erst nach der Unterzeichnung des Abkommens am Freitag wieder für den Schiffsverkehr geöffnet werden, wie Trump mitteilte. Als Grund nannte der US-Präsident notwendige Arbeiten zur Minenräumung.
Im Gegenzug für das Einlenken des Irans in der Straße von Hormus ordnete Trump nach eigenen Angaben an, die US-Seeblockade iranischer Häfen umgehend aufzuheben. Mit ihr wollten die USA Teheran von wichtigen Einnahmen aus dem Ölexport abschneiden - der wirtschaftlich wichtigsten Stütze des islamistischen Machtapparats. Damit wurde eine der Hauptforderungen der Iraner erfüllt, während die USA bis Freitag auf die Öffnung der Straße von Hormus warten müssen.
Wer wird die Einigung unterzeichnen?
Die Vereinbarung soll am Freitag in Genf in der Schweiz unterzeichnet werden. Die US-Regierung plant damit, bei der Unterzeichnung in der Schweiz auf höchster Ebene vertreten zu sein. Vizepräsident Vance kündigte seine mögliche Anwesenheit bereits an. Seinen Angaben zufolge könnte auch Trump anreisen. Dass beide vor Ort sein werden, gilt aufgrund der üblichen Sicherheitsvorkehrungen als unwahrscheinlich.
Wer von iranischer Seite anwesend sein wird, ist noch nicht bekannt. Experten rechnen entweder mit dem Parlamentspräsidenten und Chefunterhändler Ghalibaf oder mit Außenminister Araghtschi.
Woran kann ein Frieden noch scheitern?
Experten warnen vor verfrühtem Optimismus. Die Einigung sei nur ein Zwischenschritt in einem diplomatischen Prozess, der seine größten Hürden noch vor sich habe. Denn das Abkommen soll nur der Grundstein sein für weitere Verhandlungen etwa über Teherans Atomprogramm, den aus Sicht der US-Regierung und ihres Verbündeten Israels wohl wichtigsten Punkt.
Und selbst wenn es Bestand haben sollte, bleiben die schwierigsten Fragen offen, wie Richard Fontaine von der Denkfabrik Center for a New American Security zu bedenken gab. Dazu gehörten neben dem Atomprogramm auch die Unterstützung von iranischen Verbündeten in der Region oder der Umgang mit dem iranischen Raketen- und Drohnenarsenal. Die im Rahmenabkommen ausgesparten Punkte seien damit genau die, die erst zum Krieg geführt hätten.
Was ist mit Israel?
Unser Korrespondent in Israel, Jan-Christoph Kitzler, richtet das Augenmerk auf die Rolle Israels. "Was aktuell passiere, das gehe aus israelischer Sicht über den Kopf von Ministerpräsident Netanjahu hinweg", sagte Kitzler im Deutschlandfunk. Israel sei nicht direkt an den Verhandlungen beteiligt gewesen.
Die israelische Regierung sei alles andere als zufrieden mit dem, was sich abzeichne. Israel habe eigentlich verlangt, dass das Abkommen nicht nur das Atomprogramm sondern auch das iranische Raketenprogramm umfassen müsse. Außerdem müsse es die Unterstützung für Stellvertretermilizen, wie eben die Hisbollah, umschließen.
Es könne sein, dass Israel auch noch bis Freitag etwas unternehmen wolle, um das Abkommen tatsächlich in letzter Sekunde noch auszubremsen, so Kitzler.
Wie ordnen andere Korrespondenten das Abkommen ein?
Deutschlandfunk-Korrespondentin Anne Raith in Washington sprach von einem diplomatischen Erfolg. Zugleich räumt sie ein, dass sich die Verbindlichkeit des Abkommens, erst in den nächsten Tagen herausstellen werde. Die wirklich heiklen Punkte seien noch nicht auf dem Tisch, berichtete sie im Deutschlandfunk. Beide Seiten begegneten sich mit Misstrauen. Erste Drohungen stünden schon wieder im Raum.
Der ARD-Korrespondent für den Iran, Benjamin Weber, der aus Istanbul berichtet, sieht die folgenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm als einen Knackpunkt. "Die Haltung der iranischen Führung ist eigentlich ein Hinauszögern", sagte Weber im Deutschlandfunk. Teheran sei in dem Punkt relativ widerständig. Nach dem Willen der USA sollen die 400 Kilogramm angereichertes Uran außer Landes geschafft werden. Das lehnten die Iraner aber ab und wollten es vielmehr verdünnen. "Offiziell oder öffentlich sind da keine großen entgegenkommenden Gesten bislang zu erkennen", meinte Weber.
Welche Rolle übernehmen die Europäer?
Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien erklärten sich infolge der Einigung bereit, die Wiederaufnahme der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu unterstützen. Das umfasse auch "eine rein defensiv ausgerichtete, unabhängige Mission, um die Handelsschifffahrt zu ermutigen und Minenräumung durchzuführen", erklärten Bundeskanzler Merz, Frankreichs Präsident Macron, der britische Premierminister Starmer und Italiens Ministerpräsidentin Meloni in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Wie reagieren die Börsen?
Die nach Kriegsbeginn Ende Februar in die Höhe geschossenen Ölpreise fielen schon kurz nach Bekanntwerden der Einigung deutlich. Auch an den Börsen in Japan, China und Südkorea zogen die Kurse nach der Öffnung am Morgen sofort an.
Diese Nachricht wurde am 15.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
