Montag, 26. September 2022

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USA und Nordkorea
Wettstreit um das Gipfeltreffen

Auf einmal sind alle wieder optimistisch, dass das für den 12. Juni geplante Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un doch stattfinden wird. Im Hintergrund ist ein diplomatisches Wettrennen gegen die Zeit im Gang.

Von Thilo Kößler | 28.05.2018

    Zu sehen ist eine Gedenkmünze mit den Köpfen von US-Präsident Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim.
    Für das Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim wurden sogar bereits Gedenkmünzen geprägt (AFP / STR)
    Im Wettstreit um möglichst positive Prognosen für ein Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un hat jetzt der amerikanische Präsident wieder klar die Nase vorn. "Ich glaube wirklich, dass Nordkorea ein brillantes Potenzial hat und eines Tages eine bedeutende Wirtschaftsnation sein wird", schmeichelte Trump dem Regime in Pjöngjang via Kurznachrichtendienst Twitter und fügte hinzu: "Kim Jong Un ist derselben Ansicht wie ich."
    Bereits am Samstagabend hatte sich Donald Trump ausgesprochen optimistisch geäußert, dass das Gipfeltreffen doch noch zustandekommen werde – womöglich sogar zum ursprünglich angepeilten Termin am 12. Juni in Singapur. Erst am vergangenen Donnerstag hatte Trump den geplanten Gipfel in einem Brief an Kim Jong Un überraschend abgesagt, ohne Südkorea, China oder Japan vorher in Kenntnis zu setzen. Jetzt machten die Vorbereitungen Fortschritte, korrigierte sich Trump, man müsse abwarten.
    Unterschiedliche Interpretation von "Denuklearisierung"
    Tatsächlich hatten Südkoreas Staatspräsident Moon und Nordkoreas Staatschef Kim den amerikanischen Präsidenten unter Zugzwang gesetzt, nachdem sie sich am Samstag ein weiteres Mal getroffen und die Notwendigkeit eines Gipfeltreffens unterstrichen hatten. Daraufhin schickten die USA ein Verhandlungsteam an die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea, um dort direkte Gespräche mit Vertretern der Regierung in Pjöngjang zu führen, berichtete die "Washington Post". Die US-Delegation werde von dem erfahrenen Korea-Experten und früheren Atom-Unterhändler Sung Kim geleitet – der ehemalige US-Botschafter in Seoul wurde dafür eigens von den Philippinen abgezogen, wo er derzeit Botschafter Washingtons ist.
    Allerdings ist die Frage, ob und wie es dem erfahrenen Spitzendiplomaten in der Kürze der Zeit gelingen kann, das gegenseitige Misstrauen zwischen Nordkorea und der amerikanischen Führung abzubauen und einigermaßen realistische Gipfelziele zu definieren. Im Zentrum der Bemühungen steht demnach die schwammige Formulierung der "Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel, die beide Seiten mit gänzlich unterschiedlichen Inhalten verbinden. Die USA bestehen bis dato auf einer Sofortlösung, bei der Nordkorea sein gesamtes Atomprogramm "komplett, nachprüfbar und unumkehrbar", wie es heißt, in einem einzigen Kraftakt vernichten soll. Nordkorea hingegen setzt auf einen synchronisierten Prozess, bei dem jedem einzelnen Schritt Nordkoreas Schritte der Vereinigten Staaten folgen sollen.
    Kritik am Zickzack-Kurs des US-Präsidenten
    Unterdessen sieht sich der amerikanische Präsident weiterhin scharfer Kritik von Experten und ehemaligen Diplomaten ausgesetzt. Der abenteuerliche Zickzack-Kurs Donald Trumps habe die Glaubwürdigkeit der US-Administration in Zweifel gezogen und das Prestige des nordkoreanischen Diktators massiv aufgewertet, heißt es in Kommentaren. Der ehemalige US-Botschafter bei den Vereinten Nationen und Ex-Sondergesandte für Nordkorea, Bill Richardson, kritisierte zudem die Disziplinlosigkeit in Trumps Beraterteam – die vielen unterschiedlichen Einschätzungen und teilweise provozierenden Äußerungen legten den Schluss nahe, dass das Weiße Haus viel weniger an einem Gipfeltreffen interessiert sei als das State Department, sagte er in CNN.
    Trotz aller optimistischen Äußerungen beider Seiten, das Gipfeltreffen doch noch am 12. Juni stattfinden zu lassen, überwiegen doch die Zweifel. Die Zeit sei schlicht zu knapp, heißt es, um sich bis dahin auf eine gemeinsame Agenda und auf realistische Ziele zu verständigen.