Washington
USA und Saudi-Arabien unterzeichnen Atomabkommen - Steinberg: "Katastrophe für die Region"

Die USA unterstützen Saudi-Arabien beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms. Die Energieminister beider Länder unterzeichneten in Washington nach Angaben der US-Regierung zwei Verträge.

    Washington: US-Präsident Donald Trump trifft den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman im Oval Office des Weißen Hauses. Sie sitzen nebeneinander.
    US-Präsident Trump und Saudi-Arabiens Kronprinz bin Salman bei einem Treffen in Washington im vergangenen Jahr (Evan Vucci / AP / dpa / Evan Vucci)
    In der Pressemitteilung heißt es, die Vereinbarungen bildeten die rechtliche Grundlage für eine jahrzehntelange Partnerschaft mit einem Volumen von mehreren Milliarden Dollar. Das Abkommen soll eine Laufzeit von 30 Jahren haben und US-Unternehmen an der Entwicklung des saudischen Atomprogramms beteiligen. Der amerikanische Energieminister Wright sagte, die Verträge gewährleisteten höchste Standards in Bezug auf nukleare Sicherheit und beinhalteten, dass keine Atomwaffen verbreitet würden. Die Vereinbarungen werden nun dem US-Kongress zur Prüfung vorgelegt.

    US-Abgeordnete und Israel machen Bedenken geltend

    Über ein Nuklearabkommen zwischen den USA und Saudi-Arabien wird seit längerem diskutiert. Präsident Trump verspricht sich davon Aufträge für die amerikanische Atomindustrie in Milliardenhöhe. Einige US-Abgeordnete und Israel hatten Bedenken geäußert. Sie machen geltend, dass Saudi-Arabien ein ziviles Atomprogramm unter Umständen zur Entwicklung von Atomwaffen nutzen könnte.
    Der Nahostexperte Guido Steinberg kritisierte das Abkommen. Steinberg sagte im Deutschlandfunk, Saudi-Arabien habe sich mit der Erlaubnis zur Anreicherung von Uran und der fehlenden Verpflichtung zu internationalen Kontrollen entscheidende Schlupflöcher gesichert. Das wecke den Verdacht, dass sich das Königreich die Tür zu einem militärischen Atomprogramm offen halten wolle. Vor allem werde aber der Iran bei allen künftigen Verhandlungen über dessen Atomprogramm auf ähnlichen Rechten bestehen. Das sei eine "Katastrophe für die Nicht-Verbreitung" von Nuklearwaffen in der Region, warnte Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

    US-Außenminister weist Kritik zurück

    Der amerikanische Außenminister Rubio versuchte, aufkommende Kritik an der Entscheidung zu entkräften. Auf Fragen von Journalisten zu der Gefahr, das Abkommen könne ein neues nukleares Wettrüsten in der ohnehin instabilen Region auslösen, sagte er: "Die Vereinigten Staaten werden mit keinem Land der Welt ein Abkommen schließen, das ein Risiko der Weiterverbreitung von Atomwaffen schafft."
    Wie aus Regierungskreisen verlautete, enthält das Abkommen allerdings nicht das Zusatzprotokoll der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), das weitergehende Überwachungs-, Inspektions- und Kontrollmöglichkeiten vorsieht.

    Saudi-Arabien treibt Nutzung von Kernkraft voran

    Saudi-Arabien hat kein Atomwaffenprogramm, pocht aber seit Jahren auf sein Recht, ein ziviles Atomprogramm zu verfolgen. Kronprinz Mohammed bin Salman hat mehrfach erklärt, dass sein Land zwar nicht nach Atomwaffen strebe, aber "so schnell wie möglich" folgen werde, falls der Iran diesen Schritt gehen sollte.
    Diese Nachricht wurde am 23.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.