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Verbesserungsbedarf bei E-Learning

Um die technische Hemmschwelle für Professoren zu senken, entwickelt der Osnabrücker Informatikprofessor Oliver Vornberger das sogenannte Opencast-Projekt, das den Vorgang des Aufzeichnens und das Erzeugen der verschiedenen Videoformate automatisieren soll.

Oliver Vornberger im Gespräch mit Regina Brinkmann | 18.08.2009
    Regina Brinkmann: Vor vier Monaten bekam er vom Stifterverband und der Hochschulrektorenkonferenz den Ars legendi-Preis für ausgezeichnete Lehre. Der Osnabrücker Informatikprofessor Oliver Vornberger hat sich darüber hinaus auch international einen Namen gemacht. So wurden die renommierten Hochschulen Berkley, Cambridge und die Technische Hochschule Zürich auf seinen innovativen Einsatz Neuer Medien in der Lehre aufmerksam. Gemeinsam mit der Uni Osnabrück wollen sie jetzt ein System entwickeln, das die Aufzeichnungen von Vorlesungen für das Internet erleichtern soll. Denn obwohl immer mehr Audio- und Video-Podcasts auf den Webseiten von Hochschulen abrufbar sind, gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Wie der genau aussieht, dazu habe ich Professor Oliver Vornberger vor dieser Sendung befragt.

    Oliver Vornberger: Aus der Sicht des einzelnen Dozenten ist es im Augenblick recht kompliziert, selber eine Vorlesungsaufzeichnung durchzuführen. Er hat relativ viele Komponenten im Auge zu behalten, er muss die gesamte Prozesskette überwachen, und das lässt ihn zurückschrecken vor diesem Aufwand. Und aus diesem Grunde sehen wir den großen Bedarf, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem sich die gesamte Aufzeichnungskette automatisieren lässt.

    Brinkmann: Und wie soll das aussehen?

    Vornberger: Wir entwickeln zusammen mit den Universitäten Berkley, ETH Zürich und Cambridge und weiteren das sogenannte Opencast-Projekt. Das besteht aus einer Sammlung von Softwarekomponenten, die dann, wenn sie einmal entwickelt sind, an den einzelnen Hochschulen installiert werden können, und dadurch werden der Vorgang des Aufzeichnens und das Erzeugen der verschiedenen Videoformate relativ einfach.

    Brinkmann: Wenn Sie diese neue Software entwickeln, welchen Vorteil bringt das den Studierenden?

    Vornberger: Die Studierenden haben an einem zentralen Portal, beispielsweise bei Apple iTunes U, die Möglichkeit, sich über die Vorlesungsangebote ihrer eigenen Universität zu informieren, aber auch von anderen beteiligten Hochschulen die Vorlesungen anzusehen. Das heißt, sie haben ein relativ großes Angebot von professionell aufgezeichneten Veranstaltungen.

    Brinkmann: Wie können dann die Hochschulen profitieren, wenn sie ihre Aufzeichnungsinstrumente international vereinfachen und auch angleichen?

    Vornberger: Ja, das ist natürlich so ein bisschen ein zweischneidiges Schwert, weil durch das Angebot anderer Hochschulen natürlich gleichzeitig der Student vor Ort von den Veranstaltungen abgelenkt wird, die dort selbst live angeboten werden. Das ist einfach jetzt im internationalen Wettbewerb nicht zu vermeiden, dass sich die Hochschulen auch quasi durch Fernstudienmaterial, durch Vorlesungsaufzeichnungen gegenseitig die Kunden wegnehmen. Aber aus der Sicht des Studenten ist das natürlich eine gute Angelegenheit, weil sich das Angebot vergrößert.

    Brinkmann: Das heißt, da entsteht ja so eine gewisse Konkurrenz, wenn ich das richtig verstehe. Sind denn da die Hochschulen überhaupt dran interessiert, von diesem System zu profitieren?

    Vornberger: Na ja, den Hochschulen bleibt natürlich nichts anderes übrig als mitzumachen, denn wer sich hier ausschließt, der bleibt natürlich komplett außen vor. Das heißt, hier entsteht so ein gewisser Druck, in dem Markt der Neuen Medien mitzumischen, und jede Universität, die etwas auf sich hält, wird dabei sein wollen, weil sie sonst überhaupt gar nicht mehr wahrgenommen wird.

    Brinkmann: Da sind wir bei der Frage, wie gängig bisher eigentlich solche Methoden eingesetzt werden an Hochschulen.

    Vornberger: Also im Augenblick sind es nur wenige Prozent der Dozenten, die von ihrer eigenen Vorlesung eine Aufzeichnung machen lassen. Das liegt eben daran, dass natürlich nicht jeder der geeignete Kandidat für so etwas ist. Jeder Versprecher, jeder misslungene Scherz wird quasi für die Ewigkeit in Stein gemeißelt, und das ist nicht jedermanns Sache. Aber in allen Disziplinen lässt sich feststellen, dass immer mehr Kollegen und Kolleginnen dieses Experiment wagen. Und man muss natürlich sagen, die Lehre profitiert davon, weil eine auf Video aufgezeichnete Vorlesung automatisch eine bessere Vorbereitung verlangt, weil ich natürlich jetzt nicht mehr so mitten im Satz die Veranstaltung beenden kann, so nach dem Motto, ach, die Zeit ist rum, sondern ich muss mir vorher überlegen, was sage ich wann und wo schreibe ich was an die Tafel. Also die Vorbereitung ist einfach aufwendiger.

    Brinkmann: Der Informatikprofessor Oliver Vornberger von der Uni Osnabrück, der gemeinsam mit Wissenschaftlern internationaler Spitzen-Unis das Angebot von Vorlesungen im Netz verbessern will.