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VerhaltensregelnOhne Fauxpas durch die Weihnachtsfeier

Alkohol, Kollegen, ausgelassene Stimmung - abseits des Arbeitsalltages lauern bei Weihnachtsfeiern Fettnäpfchen. Ein paar Tipps, damit es kein böses Erwachen gibt.

Von Afanasia Zwick | 13.12.2017

Alkoholfreier Sekt perlt am 26.02.2016 bei einem Betriebsempfang in Frankfurt am Main (Hessen) in Gläsern.
Nicht zu tief ins Glas schauen - bei der Weihnachtsfeier. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Die Anekdoten von Weihnachtsfeiern sind zahlreich. Passanten in der Frankfurter Innenstadt plaudern aus dem Nähkästchen:
"Eine Auszubildende hat sich übergeben. Was für Konstellationen sich ergeben, wenn Kollegen betrunken sind, ist es schon sehr amüsant: Chef mit irgendeiner Mitarbeiterin. Nach ein paar Gläsern gab es eine Auseinandersetzung über irgendwas und dann sind die Fäuste geflogen und es gab dann auch eine Kündigung."
Sexuelle Belästigung bei der Feier
Auch sexistische Bemerkungen oder sogar Übergriffe können für Ärger sorgen. Mit solchen Fällen kennt sich die Juristin Franziska Hasselbach aus:
"Es gibt immer wieder die Beschwerde von Arbeitnehmerinnen in der Regel, die sich auf der Weihnachtsfeier sexuell belästigt gefühlt haben. Das Problem bei allen diesen Sachen ist, dass die sexuelle Belästigung etwas sehr Individuelles ist. Also es wird immer genau beleuchtet die Ausstrahlungswirkung in das Arbeitsverhältnis, ob es die Arbeit überhaupt berührt oder nicht."
Vielleicht hat ja die Diskussion über Sexismus in den letzten Wochen auch schon etwas bewirkt. Zum Beispiel ein bisschen mehr Reflexion und Nachdenken bei denjenigen, die auf solchen Feiern zu unerwünschten Handgreiflichkeiten neigen.
Wer nicht kommt, gilt als respektlos
Als allgemeingültig gelten für die Weihnachtsfeier ansonsten folgende Benimmregeln: Erstens: Hingehen.
Wer nicht kommt, gilt als respektlos, sowohl den Kollegen als auch dem Chef gegenüber, sagt Knigge-Expertin Anke Quittschau:
"Es ist ein Dank an die Mitarbeiter. Wenn das Unternehmen eine Weihnachtsfeier veranstaltet, dann will man das Jahr, das man zusammen verbracht hat, noch einmal Revue passieren lassen und Dankeschön sagen."
Was schlecht gelaufen ist oder wer was vermasselt hat, seien keine Themen für die Weihnachtsfeier. Regel 2 heißt also: Vorsicht bei der Themenwahl.
Nicht über polarisierende Themen sprechen
Motzen und Lästern sind ebenso tabu wie die Themen Politik und Religion - zu polarisierend, sagt die Expertin. Driftet man aber doch ins Negative ab, empfiehlt der Knigge:
"Thema umleiten und sagen: Ach komm, heute Abend ist nicht der richtige Moment, um Probleme in der Firma zu diskutieren. Also nicht gerade über das aktuelle Umstrukturierungsprogramm, sondern einfach mal fragen: wie läuft es bei Euch? Aber wichtig: Irgendwann mal zu privaten Themen übergreifen: Was habt ihr an Weihnachten vor? Fahrt ihr weg, was macht ihr mit der Familie?"
Beim privaten Smalltalk gibt es allerdings ein No-Go: Niemals dem Vorgesetzten das Du anbieten.
Duz-Angebote gehen immer von der höheren Hierarchieebene aus. Regel Nummer 3 besagt weiter, so die Expertin Anke Quittschau:
"Am nächsten Morgen noch einmal mit dem 'Sie' zu beginnen: Morgen, Herr Müller. 'Und wenn Herr Müller dann antwortet: 'Hatten wir uns gestern Abend nicht auf das Du geeinigt', dann ist klar, er weiß es noch und es war beabsichtigt."
Nicht zu tief ins Glas schauen
Oft weniger gezielt: Beschimpfungen oder sogar Schlägereien, sagt die Arbeitsrechtlerin Franziska Hasselbach. Der Grund - zu viel Alkohol:
"Was auch immer wieder vorkommt, ist, dass man am nächsten Tag dann fehlt. Das geht natürlich nicht. Also man ist ja nicht krank, nur weil man verkatert ist. Das kann immer wieder zur Abmahnung oder Kündigung führen. Man darf zum Beispiel auch nicht öffentlich kundtun, dass sich der Chef peinlich verhalten habe. Also Loyalität zur Firma wird gefordert. Das Problem bei der Weihnachtsfeier ist ja in der Regel, dass die Leute eigentlich gar nicht vorhaben, sich daneben zu benehmen, sondern dass dann der Alkohol aus dem ein oder anderen spricht."
Es gilt also Regel Nummer 4: Wein und Wasser im Wechsel trinken.
Last but not least: der Check am Tag danach.
Hat man sich einen Fauxpas geleistet, ist einem der Flurfunk sicher. Man sollte vor allem online überprüfen, bei welchem Patzer man fotografiert wurde, rät die Benimmtrainerin Anke Quittschau:
"Ich empfehle deshalb, einen Google-Alarm zu setzen mit dem eigenen Namen, sodass man erfährt, ob vielleicht die Kollegen unpassende Bilder von mir veröffentlicht haben."
Sexismusdebatte und Feierlaune
Ob die noch laufende Sexismus-Debatte dazu führt, dass es zumindest in dieser Hinsicht dieses Jahr nicht ganz so hemmungslos zugeht, wird sich zeigen. Die Frankfurter Passanten jedenfalls sind sich einig:
"Kann ich mir nicht vorstellen, dass das jetzt so präsent ist, dass dann tatsächlich Konsequenzen draus entstehen. Ich glaube, da weiß sich schon jeder zu benehmen, also es war jetzt in den Vorjahren auch nie ein Thema. Glaube ich auch nicht, dass das irgendwie im Hinterkopf ist."