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KniggeKüssen auf der Weihnachtsfeier erlaubt

Die Benimm-Trainer des "Deutschen Knigge-Rates" und der "Deutschen Knigge-Gesellschaft" haben Regeln für Weihnachtsfeiern aufgestellt. Ob Kleidung oder Kollegen-Flirt, ob Alkoholmenge oder Themen für den Talk: Es gibt für die Knigge- Verhaltensoptimierer einiges, was man beachten sollte.

Von Ludger Fittkau | 15.12.2014

Schnaps wird von einer Flasche in mehrere Gläser gegossen.
Die Benimm-Trainer raten davon ab, sich auf der Weihnachtsfeier zu betrinken. (picture-alliance / dpa / Dominique Gutekunst)
"Ja, ist Flirten im Büro denn generell erlaubt? Das ist natürlich die große Frage."
Fragt sich bei der Uni-Weihnachtsfete ein Doktorand der TU Darmstadt, dessen Namen wie der der anderen Feiernden ungenannt bleibt. Ja, Flirten ist bei Weihnachtsfeiern grundsätzlich erlaubt. Behauptet die "Deutsche Knigge-Gesellschaft" in ihren Benimm-Regeln. Eine weitere Teilnehmerin der Darmstädter Weihnachtsfeier stimmt zu:
"Es ist die einzige Gelegenheit im Jahr, wenn man Flirten will, auch mal richtig zu Flirten. Und ich würde sagen: Ja, aber nicht mehr. Mehr muss nicht sein auf einer Weihnachtsfeier."
Auch Knutschen verbietet die Knigge-Gesellschaft nicht grundsätzlich – man sollte sich jedoch darüber klar sein, dass man Stoff für den Flurfunk des nächsten Tages liefere, heißt es in den Benimm-Regeln:
"Das hängt natürlich von der Menge des Alkohols ab. Irgendwann gibt es natürlich den Punkt, wo man vermutlich den Knigge auch vergisst und dann wird das auch passieren."
Vorsicht mit dem Alkohol
Generell sollte man jedoch mit Alkohol bei Weihnachtsfeiern laut Knigge vorsichtig sein. Eine Regel, die bei der Lebkuchen-Party an der Darmstädter Uni sehr präsent ist:
"Man sollte nie mehr trinken als seine Vorgesetzten."
"So viel wie notwendig ist, es nicht bereuen zu müssen, gekommen zu sein."
"Genau. So viel wie nötig und so viel wie möglich."
"Anderthalb Gläser Glühwein."
Chef nicht das "Du" anbieten
Muss man aber überhaupt zu einer Weihnachtsfeier kommen? Die Knigge-Gesellschaft sagt "Ja". Sonst gelte man schnell als arrogant. Bei der Uni-Weihnachtsfeier sind die Meinungen dazu geteilt:
"Man ist ja auf der Arbeit. Da ist vollkommen klar, man ist da nicht freiwillig. Insofern ist die Weihnachtsfeier so etwas wie die Karnevals-Veranstaltung in der Schule, zu der man ja auch gezwungen wird, zu gehen."
"Das ist die große Streitfrage, würde ich sagen. Ich persönlich denke ich nicht, dass man es muss. Ich denke, man sollte hingehen, weil man es genießt."
"Es ist ja so ein bisschen ein Massenphänomen, kann man auch kritisch sehen. Das muss jeder selber wissen. Ich würde nie jemanden als arrogant oder als Außenseiter abstempeln, der da nicht kommt."
Dresscode: Gepflegt, statt schrill und bunt
Wie sollte man für eine Weihnachtsfeier gekleidet sein? Bei der Antwort auf diese Frage gehen die Knigge-Regeln ins Detail: Im Prinzip, so ist zu lesen, sollten Mitarbeiter gekleidet sein wie im Büro, vielleicht ein bisschen festlicher. Bauchfreie Teile hätten auf der Weihnachtsfeier nichts verloren. Der Dresscode lautet: Dezent und gepflegt statt aufreizend, schrill und bunt. Kommen derartige Botschaften bei den Weihnachts-Feierbiestern an?
"Ich denke, eine lockere, weihnachtsbetonte Kleidung mit den roten Zipfelmützen ist oberstes Gebot."
"Also dieses Mitbringen von so Weihnachtsmützen und so finde ich ganz deplatziert."
"Man sollte sich so kleiden, dass man jederzeit unerschrocken dem Weihnachtsmann entgegentreten könnte."
Keine Lästereien
Kommunikation ist großgeschrieben auf jeder Weihnachtsfeier. Doch die Knigge-Regeln belegen auch das Glühwein-Gespräch mit Tabus. Ernste Gespräche über betriebliche Angelegenheiten sollten generell die Ausnahme bleiben, empfiehlt Knigge – und findet Zustimmung auf der Weihnachts-Feier der TU Darmstadt:
"Besinnliche Themen vielleicht, aber keine ernsten Themen."
"Lästereien natürlich auf gar keinen Fall. Das wäre unangemessen. Würde auch den eigentlichen Zweck so ein bisschen entfremden. Nicht zu viel Privates. Aber auch nicht zu viel Geschäftliches."
Nicht ganz so einfach also – die Themenfindung bei der Weihnachtsfeier. Die Knigge-Regeln sprechen etwas allgemein von der richtigen Mischung aus Distanz und Nähe. Plumpe Vertraulichkeiten seien fehl am Platze. Zustimmung an der Weihnachts-Feier-Front:
"Solange mein Vorgesetzter mir nicht das Du anbietet, sollte man auch nicht auf einer Weihnachtsfeier damit anfangen."
Keine plumpen Vertraulichkeiten
Das ist Knigge-konform. Wenn man sich nicht allzu sehr daneben benimmt, ist man auf der Weihnachtsfeier auch unfallversichert, wenn der Chef zur Feier eingeladen hat. Auch das erfährt man in den Benimm-Regeln. Doch eines hat auch die Knigge-Gesellschaft nicht bedacht:
"Zum Beispiel sehr wichtig ist: Was passiert mit dem alkoholischen Leergut nach der Weihnachtsfeier. Wir hatten da im letzten Jahr nämlich den Fall, dass es sich so ein bisschen hinzog, bevor das weggeschafft wurde. Aber dann wurde aber bei einer Begehung seitens der Verwaltung eine nicht unwesentliche Menge an alkoholischem Leergut seitens der Verwaltung festgestellt. Woraufhin der Verdacht geäußert wurde, wir tränken in der Arbeitszeit. Weil es so lange her war, dass man das nicht mehr mit der Feier in Verbindung brachte. Also auch da ist Vorsicht geraten."
Alles klar? Na dann los – Glühwein-Tassen und Kuchenteller warten. Es wird langsam Zeit.