Warm-up durch einen Einheizer? Gar nicht nötig. Zum einen ist es im Marler Stadttheater mittlerweile heiß wie in einem Ofen, zum anderen funkt es von Beginn an zwischen Moderatorin Barbara Schöneberger und den 800 geladenen Gästen.
"Die Moderation: spritzig, kurzweilig, frisch."
Eine Charakterisierung, die nicht nur auf Schönebergers Moderation zutrifft, sondern laut Begründung der Jury auch auf die RTL-Serie, die an diesem Abend den ersten und für die Privaten einzigen Grimme-Preis 2009 abräumt.
"Dank der herausragenden Leistung aller Beteiligten ist "Doctors Diary" locker und leicht wie ein Soufflee und daher der Gewinner in der Dessertkategorie Unterhaltung."
Die Quoten stimmen, im Netz wächst die Fangemeinde, das Prinzip kommt an. Dramatik trifft Witz, neudeutsch heißt das dann "Dramedy".
" Das ist ein deutsches Wort, glaube ich, aber das ist genau die Mischung zwischen Komödie und Drama, wo es was Ernsthaftes, Emotionales in der Geschichte gibt und gleichzeitig kann man lachen. "
Sagt Regisseur Oliver Schmitz und lobt im gleichen Atemzug seinen Drehbuchschreiber Bora Dagtekin für dessen geschliffene Dialoge. Die beiden haben bereits mit der Serie "Türkisch für Anfänger" einen Grimme-Preis eingeheimst damals noch für die ARD.
"Ganz ehrlich, RTL ist ein Sender, der sich durch Preise nicht so beeindrucken lässt, die konzentrieren sich auf gute Arbeit und gute Quoten und die nehmen es uns nicht übel, wenn wir keinen Preis nach Hause holen, wenn wir eine gute Quote nach Hause holen, dann freuen sie sich mehr. Aber sie machen keinen überflüssigen Aufriss."
Dass beides geht, hohe Quote und Qualität zeigen auch öffenltich-rechtliche Produktionen. "Die zweite Frau", etwa, in der Matthias Brandt als ödipaler Enddreißiger sich mühsam und schlussendlich erfolgreich von seiner Mutter abnabelt. Schon im wenige Minuten dauernden Trailer packt der Film und erntet tosenden Applaus. Ebenso "Teufelsbraten". Ein mit hunderten Komparsen und aufwändig gestalteten Kulissen und Kostümen produziertes Sittengemälde der 50er-Jahre.
Dank guter Sendeplätze und aufwendiger Werbung erreichten diese Produktionen ihr Publikum, anders bei den Dokus. Zwei der prämierten Filme liefen in Spartensendern, Wochentags nach elf. Zum Beispiel "Ausverkauf" etwa beleuchtet die Folgen von Privatisierung und Globalisierung anhand eindrücklicher Einzelschicksale. Drehbeginn: 2002, ein Film über die Krise, begonnen, lange bevor diese sich ankündigte.
Ähnlich bei der Dokumentation "Leben und Sterben in Kabul". An der Seite von Bundeswehrsoldaten miterleben, was das heißt, Krieg in Afghanistan. Aktuell, mitreißend, aber leider erst um 23.45 Uhr!
Regisseur und Preisgewinner Hubert Seipel nutzt die Gunst der Stunde und fordert ARD-Programmdirektor Volker Herres auf, für herausragende Dokus Sendeplätze vor 21 Uhr freizuräumen.
Weitere Programmkritik? - Ein Rundumschlag über die Qualität des Fernsehens, nach Reich-Ranicki-Art? Fehlanzeige. Doch das könne auch gar nicht Sinn und Zweck der Preisverleihung sein, sagt Grimme-Institutschef Uwe Kammann,
"Aber ein Preis kann natürlich von der Bestimmung her nur loben, er kann das loben, von dem er meint, dass es modellhaft ist, dass es vorbildlich ist. Das ist die Perspektive, die man entwickeln kann, und dann ist die Hoffnung damit verbunden, dass sich die Progammmacher sich daran auch etwas ausrichten oder sogar sehr ausrichten und sagen, das wäre ein begehrenswertes Ziel, also sollte ich in dieser Richtung arbeiten."
Die vielen Grimme-Wiederholungstäter, siehe "Doctors Diary", zeigen, dass das Konzept in Punkten aufgeht. Letzten Endes, sagt Kammann, ist das Fernsehen nun mal so, wie es ist.
Und in diesem Jahr war viel Sehenswertes dabei.
"Die Moderation: spritzig, kurzweilig, frisch."
Eine Charakterisierung, die nicht nur auf Schönebergers Moderation zutrifft, sondern laut Begründung der Jury auch auf die RTL-Serie, die an diesem Abend den ersten und für die Privaten einzigen Grimme-Preis 2009 abräumt.
"Dank der herausragenden Leistung aller Beteiligten ist "Doctors Diary" locker und leicht wie ein Soufflee und daher der Gewinner in der Dessertkategorie Unterhaltung."
Die Quoten stimmen, im Netz wächst die Fangemeinde, das Prinzip kommt an. Dramatik trifft Witz, neudeutsch heißt das dann "Dramedy".
" Das ist ein deutsches Wort, glaube ich, aber das ist genau die Mischung zwischen Komödie und Drama, wo es was Ernsthaftes, Emotionales in der Geschichte gibt und gleichzeitig kann man lachen. "
Sagt Regisseur Oliver Schmitz und lobt im gleichen Atemzug seinen Drehbuchschreiber Bora Dagtekin für dessen geschliffene Dialoge. Die beiden haben bereits mit der Serie "Türkisch für Anfänger" einen Grimme-Preis eingeheimst damals noch für die ARD.
"Ganz ehrlich, RTL ist ein Sender, der sich durch Preise nicht so beeindrucken lässt, die konzentrieren sich auf gute Arbeit und gute Quoten und die nehmen es uns nicht übel, wenn wir keinen Preis nach Hause holen, wenn wir eine gute Quote nach Hause holen, dann freuen sie sich mehr. Aber sie machen keinen überflüssigen Aufriss."
Dass beides geht, hohe Quote und Qualität zeigen auch öffenltich-rechtliche Produktionen. "Die zweite Frau", etwa, in der Matthias Brandt als ödipaler Enddreißiger sich mühsam und schlussendlich erfolgreich von seiner Mutter abnabelt. Schon im wenige Minuten dauernden Trailer packt der Film und erntet tosenden Applaus. Ebenso "Teufelsbraten". Ein mit hunderten Komparsen und aufwändig gestalteten Kulissen und Kostümen produziertes Sittengemälde der 50er-Jahre.
Dank guter Sendeplätze und aufwendiger Werbung erreichten diese Produktionen ihr Publikum, anders bei den Dokus. Zwei der prämierten Filme liefen in Spartensendern, Wochentags nach elf. Zum Beispiel "Ausverkauf" etwa beleuchtet die Folgen von Privatisierung und Globalisierung anhand eindrücklicher Einzelschicksale. Drehbeginn: 2002, ein Film über die Krise, begonnen, lange bevor diese sich ankündigte.
Ähnlich bei der Dokumentation "Leben und Sterben in Kabul". An der Seite von Bundeswehrsoldaten miterleben, was das heißt, Krieg in Afghanistan. Aktuell, mitreißend, aber leider erst um 23.45 Uhr!
Regisseur und Preisgewinner Hubert Seipel nutzt die Gunst der Stunde und fordert ARD-Programmdirektor Volker Herres auf, für herausragende Dokus Sendeplätze vor 21 Uhr freizuräumen.
Weitere Programmkritik? - Ein Rundumschlag über die Qualität des Fernsehens, nach Reich-Ranicki-Art? Fehlanzeige. Doch das könne auch gar nicht Sinn und Zweck der Preisverleihung sein, sagt Grimme-Institutschef Uwe Kammann,
"Aber ein Preis kann natürlich von der Bestimmung her nur loben, er kann das loben, von dem er meint, dass es modellhaft ist, dass es vorbildlich ist. Das ist die Perspektive, die man entwickeln kann, und dann ist die Hoffnung damit verbunden, dass sich die Progammmacher sich daran auch etwas ausrichten oder sogar sehr ausrichten und sagen, das wäre ein begehrenswertes Ziel, also sollte ich in dieser Richtung arbeiten."
Die vielen Grimme-Wiederholungstäter, siehe "Doctors Diary", zeigen, dass das Konzept in Punkten aufgeht. Letzten Endes, sagt Kammann, ist das Fernsehen nun mal so, wie es ist.
Und in diesem Jahr war viel Sehenswertes dabei.