Sonntag, 15.12.2019
 
Seit 11:30 Uhr Sonntagsspaziergang
StartseiteForschung aktuellVom Telefon zur Geldbörse22.03.2004

Vom Telefon zur Geldbörse

Das Handy wird zum mobilen Geldbeutel

<strong>Telekommunikation. - Das Handy als Bezahlmittel einzusetzen ist eigentlich logisch, gehört es doch mittlerweile zur Grundausstattung nicht nur der Kids. Nach einer Umfrage von Forrester Reserach haben immerhin über 13 Prozent der Mobiltelefonierer Interesse auch an mobilen Zahlungen. Auf der CeBIT waren deshalb auch neue Techniken zu sehen, die das komfortabler machen. </strong>

Von Pia Grund-Ludwig

Das Handy wird zur Geldbörse. (AP)
Das Handy wird zur Geldbörse. (AP)

Handy-Besitzer sollen ihr Mobiltelefon nicht mehr nur zum Simsen und quasseln benutzen, sondern auch als variable und flexible Geldkarte. Das versprechen die Hersteller unterschiedlicher Bezahlverfahren, die auf der CeBIT zu sehen sind. Im Mittelpunkt stehen dabei Lösungen, die sich in allen Lebenslagen einsetzen lassen und nicht auf Online-Shops oder mobile Inhalte beschränkt sind. Ein Verfahren, dass die Karlsruher Fun Communications zeigt, setzt auf relativ moderne Handys. Sie müssen dabei selbst Anwendungen ausführen können, also ein eigenes Betriebssystem wie Symbian oder Palm OS haben. Außerdem benötigen sie eine Digitalkamera. Fun-Geschäftsführer Klaus Nahr erklärt, wie das Bezahlen dann funktioniert.

Der Kunde benötigt ein Mobiltelefon auf das er Anwendungen installieren kann. Dort installiert er unsere Anwendung Fun Photopay, richtet seine Bankverbindung. Wenn er bezahlen möchte wird ihm der Betrag angezeigt, das fotografiert er mit der Kamera seine Handys ab, wir erkennen den Barcode und wissen daraus, wo er bezahlen möchte, wie viel er bezahlen möchte.

Danach baut das System eine Verbindung zu einem Zahlungs-Dienstleister auf. Der Kunde bekommen seine Daten erneut angezeigt und bestätigt die Bezahlung. Er kann so in Internet-Shops, aber auch an ganz normalen Ladenkassen bezahlen. Die einzige Voraussetzung ist, dass diese ein Display haben, das den Barcode anzeigt. Der Vorteil gegenüber anderen Online-Bezahlverfahren ist, dass vertrauliche Informationen wie Pins, Tans oder Kreditkartendaten nicht über das Internet wandern, sondern geschützt vom Handy zu einem Zahlungs-Dienstleister. Fun Communications will diese Technik vor allem großen Zahlungs-Dienstleistern wie Mobilfunkbetreibern oder Banken anbieten. Noch einen Schritt weiter geht Crandy von NCS Mobile Payment aus Krefeld. Die Technik dieses Unternehmens bietet die Möglichkeit, Geldbeträge von bis zu 150 Euro direkt auf das Handy zu laden und damit zu bezahlen. Das funktioniert auch mit Geräten älterer Bauart, Geschäftführer Rolf Krause:

Er kann das mit jedem Handy tun, was heute auf dem Markt ist. Wir haben dazu extra einen speziellen Client entwickelt, der über ein interaktives Sprachsystem verfügt mit dem er die Bezahlung abwickeln kann.

Das Geld, das auf das Handy geladen wird, kann zum einen an beliebige Girokonten weitergeleitet werden. Es kann aber auch zum Bezahlen in einem Laden eingesetzt werden, der ein Kreditkartenterminal hat. Wer bezahlen will, wählt eine voreingestellte Nummer mit dem Handy und erhält dann eine auf das Kreditkartenterminal zugeschnittene Pin per SMS. Die Geheimzahl gibt er am Terminal ein und kann dann per Handy bezahlen. Wer einen anderen Benutzer kennt, der Crandy ebenfalls nutzt, kann auch Geld von Handy zu Handy überweisen. Krause hat ganz praxisnahe Verwendungszwecke im Sinn und deshalb sein System so entwickelt, dass es jetzt auch mit ganz normalen Festnetztelefonen funktioniert. Eltern könnten dann beispielsweise von ihrem normalen Telefon zu Hause aus die Mobiltelefone klammer Kids füttern. Oder wer etwas online ersteigert, kann es künftig in Echtzeit bezahlen und dann die Waren schneller erhalten. Das Handicap: Es ist trotz allem ein neues System, für das erst Vertrauen aufgebaut werden muss. Konkurrenz könnte schon bald von den großen europäischen Mobilfunkanbietern kommen. Sie erarbeiten eine gemeinsame Lösung mit dem Namen "Simpay". Die daran beteiligten Unternehmen T-Mobile, Vodafone, Orange und Telefonica Moviles bringen immerhin 270 Millionen Kunden ein. Das könnte eine schnelle Verbreitung sichern. Doch bislang ist das System ist noch nicht fertig. Der Zeitvorsprung könnte das entscheidende Plus für Crandy sein.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk