
Belgien
In der belgischen Hauptstadt Brüssel eskalierten am
Wochenende Proteste gegen höhere Studiengebühren und gestiegene Lebenshaltungskosten
. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Teilnehmer vor, die mit Gegenständen warfen sowie Mülltonnen und E-Scooter in Brand setzten. Ein Büro der Sozialistischen Partei wurde verwüstet. Es gab mehrere Festnahmen. In Lüttich setzten die Sicherheitskräfte Wasserwerfer ein, um kleinere Gruppen von Demonstranten aufzulösen.
Italien
In mehreren norditalienischen Städten gab es am Samstag ebenfalls Krawalle. In Mailand, Bologna, Brescia, Bergamo und Turin wurden nach Behördenangaben insgesamt mehr als 150 Menschen festgenommen, die teils Steine geworfen und Geschäfte geplündert hatten, unter ihnen zahlreiche Minderjährige. Ministerpräsidentin Meloni erklärte, "legitime Demonstrationen" würden missbraucht, "um Gewalt und Chaos zu stiften".
Die Proteste in Italien richten sich gegen hohe Lebenshaltungskosten, aber auch gegen die Bildungs- und Verteidigungspolitik der rechtsgerichteten Regierung. In Rom zogen mehrere tausend Menschen vom Kolosseum zum rund drei Kilometer entfernten Bildungsministerium.
Der größte Gewerkschaftsbund des Landes und mehr als 100 Verbände hatten zu dem Protest aufgerufen.
Der größte Gewerkschaftsbund des Landes und mehr als 100 Verbände hatten zu dem Protest aufgerufen.
Im im Süden des Landes protestierten am Wochenende LKW-Fahrer, Spediteure und Landwirte gegen die hohen Dieselpreise.
Portugal
Aufhänger der Proteste in Portugal ist eine aus Sicht der Demonstranten zunehmende Wohnungsnot, vor allem in der Hauptstadt Lissabon. Dort gingen am Samstag mehrere Zehntausend Menschen auf die Straße. Zudem wurde ein Protestcamp errichtet. Auf Flugblättern wurde eine Aufhebung des Mietreformgesetzes verlangt, das den Wohnungsmarkt liberalisiert. So entfällt etwa die Obergrenze von zwei Prozent, um welche die Miete bisher bei Neuverträgen für auslaufende Mietverhältnisse ansteigen durfte.
Nach Angaben des nationalen Statistikamtes INE haben sich Wohnraummieten und die Preise für Wohnungseigentum in Portugal in den vergangenen zehn Jahren in etwa verdreifacht. Das liegt auch daran, dass es nach aktuellen Analysen rund 300.000 Wohnungen zu wenig gibt. Die Reallöhne sind im selben Zeitraum nur um rund 16 Prozent gestiegen.
Spanien
Die Lage auf dem Mietwohnungsmarkt war auch Thema landesweiter Proteste in Spanien, bei denen Anfang des Monats nach Regierungsangaben mehrere Zehntausend Menschen auf die Straße gingen; die Veranstalter sprachen sogar von einer halben Million Teilnehmer. Auslöser der Massenkundgebungen war der Fall einer 87-jährigen Mieterin in Madrid, die wegen einer Zwangsräumung ihre Wohnung verlassen musste; inzwischen ist die Frau gestorben. Auf einem zentralen Platz der Hauptstadt wurde ein Protestcamp errichtet.
Die Gewerkschaften haben zu einem Generalstreik aufgerufen, der das Land am 11. November lahmlegen soll. Regierungschef Sánchez kündigte nach dem Scheitern seiner Mietrechtsreform vorgezogene Neuwahlen für Ende November an.
Albanien
In Albanien gibt es seit Tagen Demonstrationen für bessere Bildungsbedingungen und gegen die Regierung. Am Samstag kam es in der Hauptstadt Tirana erneut zu schweren Ausschreitungen. Mehrere Gebäude, darunter ein Gericht, Banken und eine Postfiliale, wurden in Brand gesetzt oder anderweitig beschädigt. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und erstmals auch Gummigeschosse ein, um die Menge auseinanderzutreiben.
Die Serie von Demonstrationen hatte Ende Mai begonnen - ursprünglich ausgelöst durch Pläne für ein Luxus-Hotelprojekt in einem Küstennaturschutzgebiet. Das Projekt steht mit dem Schwiegersohn von US-Präsident Trump, Kushner, in Zusammenhang. Es wurde wegen möglicher Korruption und mangelnder Transparenz heftig kritisiert.
Diese Nachricht wurde am 19.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.






