Montag, 05. Dezember 2022

Archiv


Von Vroniplag zum Promotionsausschuss

Im Mai 2012 erhebt ein anonymer Plagiatsjäger, der sich "Robert Schmidt" nennt, auf der Enthüllungsplattform Vroniplag erste Vorwürfe gegen die Doktorarbeit von Annette Schavan. Es ist die Bundesbildungsministerin selbst, die die Uni Düsseldorf später darum bittet, die Beschuldigungen zu prüfen.

Von Lennart Pyritz | 22.01.2013

    Vor etwas mehr als einem Jahr, am 16. Januar 2012, legen Mitarbeiter der Enthüllungsplattform "Vroniplag" eine Internetseite zur Doktorarbeit Schavans an. Aber erst Anfang Mai erhebt ein anonymer Plagiatsjäger, der sich "Robert Schmidt" nennt, die Vorwürfe. Schavan selbst bittet daraufhin den Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät ihrer ehemaligen Universität Düsseldorf darum, die Vorwürfe zu prüfen.

    Im Oktober 2012 legt "Robert Schmidt" eine Art Abschlussbericht vor: Er kritisiert mehr als 90 Seiten im Haupttext der Dissertation, auf denen Quellenübernahmen gar nicht oder nicht ausreichend gekennzeichnet seien.

    Etwa eine Woche später zitiert der "Spiegel" aus einem vertraulichen Gutachten des Promotionsausschusses der Universität. Demnach werde Schavan darin eine "leitende Täuschungsabsicht" und "plagiierende Vorgehensweise" vorgeworfen. Wissenschaftsfunktionäre werfen der Universität Verfahrensfehler vor und fordern ein externes Gutachten.

    Am 21. Dezember gelangen erneut interne Informationen an die Öffentlichkeit. Demnach stehe die Promotionskommission geschlossen hinter einem Aberkennungsverfahren.

    Mitte vergangener Woche entlastet ein externer Rechtsgutachter die Universität vom Vorwurf der Verfahrensfehler.

    Am 19. Januar berichtet die "Süddeutsche Zeitung", dass der Promotionsausschuss Schavan mittlerweile nicht mehr vorwerfe, absichtlich getäuscht zu haben. Die Kommission habe dem Fakultätsrat dennoch einstimmig empfohlen, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu beginnen. Der Rat entscheidet heute Nachmittag in vertraulicher Sitzung darüber.

    Annette Schavan hat eine Täuschungsabsicht mehrmals zurückgewiesen.