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StartseiteKalenderblattDie Befreiung Überlebender in Auschwitz27.01.2020

Vor 75 JahrenDie Befreiung Überlebender in Auschwitz

Der Name Auschwitz steht für den industriellen Massenmord durch die Nationalsozialisten und den Holocaust. Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden mehr als eine Million Menschen vergast, erschossen und zu Tode geschunden. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die Überlebenden.

Von Otto Langels

Blick auf die Stacheldrahtanlage des früheren Konzentrationslagers Auschwitz am frühen Morgen des 24.01.2020, im Vorfeld des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Rote Armee. (dpa / Kay Nietfeld)
Das Vernichtungslager Auschwitz, Symbol für das Vernichtungsregime der Nationalsozialisten (dpa / Kay Nietfeld)
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"Moskau. Die russische Staatskommission zur Untersuchung von Kriegsgräueln hat einen vorläufigen Bericht über die Untersuchung des Konzentrationslagers Auschwitz in Polen veröffentlicht. Diesem Bericht gemäß übertraf das Lager alle bekannten deutschen Vernichtungslager in Bezug auf Ausrüstung, Organisation und die massenweise Hinrichtung seiner unglücklichen Opfer."

Gegen Kriegsende, Anfang Mai 1945, informierte das deutsche Programm von Radio Luxemburg über die Arbeit einer russischen Kommission, die deutsche Kriegsverbrechen dokumentiert und Aussagen von überlebenden KZ-Opfern gesammelt hatte.

Aus ganz Europa hatte die SS Menschen in das 1940 errichtete Konzentrationslager Auschwitz deportiert, die meisten waren Juden wie Charlotte Grunow.

"Gleich am Bahnhof wurde man sortiert in arbeitsfähig und nicht arbeitsfähig. Frauen mit Kindern und Männer, die Krankheiten oder irgendwelche Gebrechen hatten, wurden auf Autos geladen, von denen wir nicht wussten, wohin sie fuhren. Im Lager selbst hörten wir dann erst, dass diese Leute alle in das Gas gegangen sind."

Auschwitz-Birkenau - größtes Vernichtungslager des NS-Regimes

Birkenau, zum Lagerkomplex Auschwitz gehörend, war das größte und mit hohem technischem Aufwand betriebene Vernichtungslager des NS-Regimes. Rudolf Vrba stammte aus der Slowakei und wurde als 19-Jähriger nach Auschwitz deportiert, wo er in einem Sonderkommando nach der Ankunft der Züge die Leichen der unterwegs Verstorbenen aus den Waggons holen und ihr Gepäck ausladen musste.

"Ich habe eben in der Leichenhalle gesessen und Kaffee getrunken. Und da seh ich, dass ein Mann in einer SS-Uniform heraufkriecht auf diesen Bunker. Mit einer Gasmaske. Und hat eine große Büchse in der Hand. Und öffnet die Büchse und schüttet etwas hinein durch eine Öffnung auf dem Betonklotz. Das hat etwas geöffnet und das hat er hineingeschüttet."

Direkt nach ihrer Ankunft schickte die SS die Gefangenen in die Gaskammern und ermordete sie mit dem Gift Zyklon B. Auschwitz-Birkenau wurde zum Schauplatz eines industriell betriebenen Massenmords. Rudolf Höß, mehrjähriger Kommandant des Lagers, erklärte 1946 im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess zum Umgang mit den ankommenden Häftlingen:

"Es waren Vorkehrungen getroffen, die sie darüber im Zweifel ließen, dass sie in den Tod gehen sollten. So waren überall an den Türen und an den Wänden Schriften angebracht, die darauf hinwiesen, dass dies eine Entlausung beziehungsweise eine Badevorkehrung sei."

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, während einer Pressekonferenz zum Thema "Entschlossenes Handeln gegen den neuen Antisemitismus in Deutschland" in Berlin (dpa / Wolfgang Kumm) (dpa / Wolfgang Kumm)"Jüdisches Leben ist Teil der deutschen kulturellen Identität"
Der Anschlag auf die Synagoge in Halle habe die antisemitische Bedrohung gezeigt, sagte Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland. Man müsse der Gesellschaft klar machen, wie bereichernd jüdisches Leben ist, und alles tun, um jüdisches Leben in Deutschland zu erhalten.

Am 12. Januar 1945 begann die Rote Armee ihre große Winteroffensive. Sechs Tage später nahmen die sowjetischen Truppen Krakau ein und standen damit nur noch 60 Kilometer vor Auschwitz. Die Lagerleitung hatte da schon begonnen, die Spuren des Verbrechens zu beseitigen. SS-Männer setzten Baracken in Brand, vernichteten Dokumente, demontierten Verbrennungsöfen der Krematorien, sprengten die Gaskammern und trieben die Häftlinge auf Todesmärsche Richtung Westen, darunter Asher Aud.

"Was ich kann mich erinnern: Haben wir angefangen zu hören die Kanonen von die Russen, und dann hat man uns rausgenommen from Auschwitz zu Mauthausen. Wenn wir sind gegangen Totenmarsch, da sind keine Menschen gegangen, da sind nur Skelette gegangen."

8.000 Überlebende von der Roten Armee befreit

Schließlich befanden sich noch 8.000 Häftlinge im Lager, schwache und kranke Menschen, die nicht mehr laufen konnten, sowie 600 Kinder. Jacek Lech, Mitarbeiter der Gedenkstätte Auschwitz:

"Es gab noch ein paar Einheiten, die das Lager kontrollierten. Und diese SS-Männer haben auch in den letzten Stunden getötet. Auf diese Weise sind über 800 Häftlinge ermordet worden, kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee."

Am Nachmittag des 27. Januar erreichten dann die ersten sowjetischen Truppenverbände das Lager, darunter Major Anatolij Schapiro mit seiner Einheit.

"Es war nicht möglich, die Baracken ohne Mundschutz zu betreten. Auf Holzpritschen stapelten sich die Leichen. Unter den Pritschen krochen bis auf die Knochen abgemagerte Menschen hervor, kaum noch lebendig. Niemand hatte dort noch an eine Befreiung geglaubt."

Tag der Befreiung wurde zum Holocaust-Gedenktag

Hunderte Häftlinge waren so entkräftet, dass sie in den folgenden Tagen starben. Die genaue Zahl der Todesopfer lässt sich nicht rekonstruieren. Experten gehen davon aus, dass die SS mindestens 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz ermordete. Seit 2005 ist der 27. Januar der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

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