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Vulkan BárdarbungaUnterirdische Aktivität

In Island melden sich wieder einmal die Vulkane. Diesmal ist es der Bárbarbunga. An vergangenen Samstag schaltete der diensthabende Vulkanologe beim Isländischen Wetterdienst die Warnstufe auf rot. Inzwischen liegt sie wieder bei orange, aber das ist Anlass genug, um sich einmal danach zu erkundigen, wie groß die Wahrscheinlich ist, dass sich das Chaos des Eyjafjallajökull wiederholt. DLF-Wissenschaftsredakteurin Dagmar Röhrlich im Gespräch.

Dagmar Röhrlich im Gespräch mit Ralf Krauter | 25.08.2014

Ralf Krauter: Nun ist der Bárdarbunga nicht unbedingt der bekannteste Vulkan. Könnten Sie ihn vielleicht zunächst einmal vorstellen?
Dagmar Röhrlich: Der Bárdarbunga gehört er zu den großen Vulkanen der Erde. Und er kann immer wieder große Mengen an Lava fördern. Was er an kleinerer Aktivität entwickelt, ließ sich ohne moderne Instrumentierung allerdings schwer sagen. Denn obwohl der Bárdarbunga rund 2000 Meter hoch über dem Meer aufragt, liegt er - zusammen mit acht anderen aktiven Vulkanen - vollkommen unter einem riesigen Gletscher verborgen (Vatnajökull). Das Zentrum des Bárdarbunga bildet eine 70 Quadratkilometer große und bis 700 Meter tiefe Caldera. Und er hat sozusagen die Pool-Position inne: Er befindet sich genau über dem Hotspot auf dem Island sitzt, dem Bereich also, wo aus dem tiefen Erdmantel ultraheißes, aber festes Gestein aufsteigt.
Krauter: Was passiert derzeit?
Röhrlich: Die Aktivität begann vor rund zwei Wochen. Am vergangenen Samstag gab es dann die Meldung, dass die Lava zum ersten Mal die Oberfläche erreicht und das Gletschereis durchstoßen habe. Aber das konnte nicht oder noch nicht bestätigt werden. Es sieht vielmehr so aus, als passiere alles unterirdisch, als bildeten sich sogenannte vulkanische Gänge. Dabei ist das Magma anscheinend mit bis zu 14 Metern pro Minute überraschend schnell unterwegs. Es dringt zu den Seiten hinweg vor, folgt dem Weg des geringsten Widerstands. Es dringt in ein 190 Kilometer weites Netzwerk aus unterirdischen Klüften und Spalten ein. Die Schwarmbeben verraten, dass es sich in Richtung NNE bewegt und zwar in vielleicht etwa zwei bis zehn Kilometern Tiefe. Je flacher das Magma ist, umso schneller kann es aufsteigen, aber noch soll es dafür keine Anhaltspunkte geben.
Krauter: Die Erdbeben verraten also, was im unter dem Eis passiert?
Röhrlich: Ja. Und sie verraten, dass sich die derzeitige Aktivität etwas anders verhält als erwartet. Sie folgt inzwischen nicht mehr den - sagen wir - vorgegebenen Pfaden. Ende vergangener Woche schien die Gangintrusion plötzlich zu stoppen: Die Erdbeben ereigneten sich alle an einem Platz, wurden seltener - aber dann gab es am Samstagnachmittag plötzlich eine regelrechte Explosion der Erdbebentätigkeit. Das war der Moment, als die Warnstufe auf Rot hochgesetzt wurde. Es sieht so aus, als wäre das Magma eine Weile von irgendeinem Widerstand aufgehalten worden, den es dann durchbrach. Seitdem dringt es auf einem neuem Weg vor. Und es sieht so aus, als würde es nun dem Kluftsystem eines anderen Vulkans folgen. Die Vulkanologen vermuten, das es einen bislang unbekannten Zusammenhang der Vulkansysteme des Bardarbunga und des weiter nördlich gelegenen Askja geben könnte.
Krauter: Was schätzen die Vulkanologen, was könnte passieren?
Röhrlich: Es ist klar, dass auch diese vulkanische Gänge bis an die Oberfläche durchschlagen können. Passiert das unter dem Eis, liefe der Kontakt Schmelzwasser/Lava explosiv ab und der Ausbruch könnte von Aschewolken begleitet werden. Derzeit dringt das Magma jedoch schon in 30 Kilometer Entfernung in die Kruste ein. Und dort ist kein Gletscher. Falls das Magma dort austritt, erwarteten die Vulkanologen keinen explosiven Ausbruch. Außerdem sind 30 Kilometer Abstand zur Magmenkammer recht viel, normalerweise steigt Magma bei diesen Vulkanen nur in einem Umkreis von wenigen Kilometern bis nach oben hin auf. Aber das sind nur Erfahrungswerte. Außerdem lässt sich nicht ausschließen, dass die Intrusionen, die gerade ablaufen, nur der Beginn einer größeren Aktivitätsphase sind: Falls ein frischer Magmapuls von unten in die Kammer eindringt, könnte alles ganz anders ablaufen. Aber derzeit sieht es nicht unbedingt danach aus.