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StartseiteForschung aktuellWeltmeere bunkern mehr Wärme als angenommen19.01.2016

Wärmespeicher OzeanWeltmeere bunkern mehr Wärme als angenommen

Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Und dieses Wasser spielt eine enorm wichtige Rolle im Wärmehaushalt der Erde. Denn die Ozeane nehmen überschüssige Wärme aus der Atmosphäre auf und speichern sie. So puffern sie den menschengemachten Klimawandel ein wenig ab. Amerikanische Forscher berichten jetzt im Fachmagazin "Nature Climate Change", dass die Wärmeaufnahmekapazität der Ozeane in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat.

Von Monika Seynsche

"Die Ozeane sind riesige Kühlsysteme mit einer gewaltigen Wärmeaufnahmekapazität: Etwa 95 Prozent der durch die Klimaerwärmung im System gefangenen Hitze landet in den Ozeanen."

Peter Gleckler vom Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien und seine Kollegen wollten herausfinden, wie sich diese Speicherkapazität der Weltmeere in den vergangen 150 Jahren verändert hat. Dafür nutzten sie aktuelle Messdaten der Argo-Treibbojen. Das sind kleine Messgeräte, die seit Anfang der 2000er-Jahre überall in den Weltmeeren Daten aus den obersten 2000 Metern sammeln und damit sehr genaue Temperaturprofile liefern. Dazu kamen zahlreiche weitere Daten aus der Vergangenheit: etwa die zweier Tiefseemesskampagnen in den 1990er-Jahren, sowie die Ergebnisse der ersten ozeanografischen Expedition der HMS Challenger, in den Jahren 1872-76.

"Wir hatten also einen Flickenteppich von Messdaten. Ein großer Teil unserer Arbeit bestand deshalb darin, diese Messdaten mit Computermodellen zur Temperaturverteilung in den Ozeanen abzugleichen. Für die Zeiten und Ozeantiefen, für die wir Messdaten hatten, konnten wir die Zuverlässigkeit der Modelle überprüfen und sie mithilfe der Daten eichen. Dann ließen wir die Simulationen laufen und konnten mit ihren Ergebnissen die Lücken in unseren Daten füllen. Zum Beispiel fehlten uns Tiefseetemperaturen aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Für die letzten Jahrzehnte haben wir solche Daten. Mit ihnen konnten wir also die Modelle eichen und dann die Werte für die erste Hälfte des Jahrhunderts simulieren."

So entdeckten die Forscher, dass sich die Wärmeaufnahme in die Ozeane allein in den vergangenen 18 Jahren verdoppelt hat. Vermutlich liege das daran, dass die Klimaerwärmung in dieser Zeit sehr stark zugenommen habe, sagt Peter Gleckler. Die überschüssige Wärme gelangte ins Meer. Und zwar nicht irgendwo ins Meer:

"Die Wärmemenge, die von der Tiefsee in mehr als 2 Kilometern Tiefe aufgenommen wird, nimmt sehr schnell zu. Zurzeit stellt sie etwas ein Drittel der gesamten Wärmeaufnahme durch die Ozeane. Vor 15 Jahren noch nahm die Tiefsee gerade einmal 20 Prozent der Wärme auf. Heute sind es 35 Prozent."

Eine Frage allerdings können Peter Gleckler und seine Kollegen nicht beantworten:

"Wir können nicht sagen, wie viel mehr Wärme die Ozeane noch aufnehmen können. Das ist wesentlich schwerer abzuschätzen, als zum Beispiel die Frage, wie viel Kohlendioxid die Ozeane noch aufnehmen können."

Würde die Wärme nur in den oberflächennahen Bereichen der Ozeane gespeichert, wäre die Grenze wahrscheinlich bald erreicht, sagt Peter Gleckler. Aber die Tiefsee sei sehr groß und sehr kalt. Selbst gigantische Wärmemengen führen hier nur zu einer Erhitzung um wenige zehntel Grad. sodass die Tiefen der Ozeane möglicherweise noch sehr viel Wärme aufnehmen können. Das könnte bedeuten, dass der Klimawandel in Zukunft stärker abgepuffert wird, als Forscher bislang zu hoffen wagten.

 

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