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StartseiteKultur heuteWeishaupts Werkesammlung23.11.2007

Weishaupts Werkesammlung

In der Ulmer Innenstadt wird die Kunsthalle des Kunstsammlers eröffnet

Werke von Roy Lichtenstein, Andy Warhol und zahlreichen anderen Künstlern hat der Kunsthändler und Mäzen Siegfried Weishaupt gesammelt. Nun werden die Bilder und Skulpturen in einer eigens errichteten Kunsthalle in Ulm ausgestellt.

Von Christian Gampert

Andy Warhol - auch seine Werke sind nun in Ulm zu sehen. (AP Archiv)
Andy Warhol - auch seine Werke sind nun in Ulm zu sehen. (AP Archiv)
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Wer vom Münsterplatz kommt, dem prangt die Front der neuen Kunsthalle Weishaupt wie ein Schaufenster entgegen, man könnte auch sagen: wie ein Altar. Zur Eröffnung ist dort eine abstrakte, bunte, weit ausladende Skulptur von Frank Stella zu sehen, die in dieser Präsentation fast etwas Sakrales gewinnt. Das Schaufenster will den Flaneur hineinziehen in diesen langen, klar gegliederten Museums-Riegel, der freilich noch eine andere Aufgabe hat: Er steht zum großen Teil auf dem Boden der ehemals achtspurigen "Neuen Straße" und soll die Altstadt wieder mit dem Fischerviertel verbinden.

Ob Fachwerk und dieser funktionale schmale Quader zusammenpassen, ob die Kunsthalle das Rathaus nicht an die Seite drückt, darüber mag man streiten - als Museumsbau aber hat der Entwurf von Wolfram Wöhr eine große Klarheit. Er schafft - in der Tradition von Richard Meier - hohe, weite, lichte Räume und Durchblicke und nimmt die Architektur ganz zurück zugunsten der Kunst, die Siegfried Weishaupt seit den sechziger Jahren gesammelt hat.

Weishaupt, der Heizgeräte-Hersteller aus Schwendi, ist ein schwäbischer Patriarch: Er weiß, wo es lang geht. Seine Begeisterung galt zunächst der geometrischen und konkreten Kunst: der Farbwirkungs-Theoretiker. Farben-Meditierer Josef Albers war sein Held. So setzt auch die Ausstellung ein: konkrete und konstruktive Kunst mit Lokalbezug zur Ulmer "Hochschule für Gestaltung", Farbfeldmalerei, Minimal Art, Hard Edge. Aber die Sammlung hat sich mit der Zeit weiterentwickelt in Richtung Gegenständlichkeit, und das meint vor allem Pop-Art.

In der hohen Halle hängen - programmatisch - ein knallbuntes, werbewandgroßes Abendmahl und ein freundliches Blümchen von Andy Warhol. Gleich darunter sind dann aber drei schwarzweiße "Kosmos"-Bilder von Robert Longo platziert, Erde, Sonne, Mond, die der Künstler dann mit einer Tsunami-Welle und zwei Flugzeugen im Anflug auf New York ergänzt.

Das ist die Spannweite der Sammlung: von der radikalen Abstraktion in die politische Gegenwart, von den Klassikern der Moderne zum Hype des aktuellen Kunstmarkts, wo Weishaupt eifrig weiterkauft. Was noch im Depot ist und ob es Substanz hat, wissen wir nicht. Weiß es die Stadt Ulm? Der gezeigte Querschnitt legt nahe, dass richtig große Sammlungsblöcke fehlen: Es gibt von allem ein bisschen. Darunter allerdings grandiose Werke wie Otto Pienes "Schwarze Sonne", also eine Ikone der "Zero"-Gruppe, ein wunderbares tiefes Blau von Yves Klein, einen zur Versenkung einladenden roten Rothko, ein wild gemanschtes, allerdings eher kleines Spätwerk von de Kooning.

Hier findet also ein subjektiver Schnelldurchlauf durch die letzten fünfzig Jahre statt. Im ersten Stock werden noch einzelne Kapitel gebildet, im weiteren Verlauf fehlen diese Erzählstrecken ganz - es geht munter durcheinander. Ueckers genagelte "Ecke", eine Maschinenwand von Tinguely, Schrottskulpturen von Chamberlain, das steht ganz verteilt irgendwo herum. Neben Nam June Paiks Fernseher-Installation mit feministischen Leuchtröhren hat man merkwürdigerweise eine abstrakte Form von Hans Arp und eine Hauser-Plastik platziert. Nach einigen wunderbar verwirrenden Op-Art-Werken kommen gleich Keith Harings Strichmännchen. Das ist ein netter Best-of-Parcours, aber eine Ausstellung ist nun mal keine Hitparade.

Der Sammler will zunächst nur den eigenen Bestand zeigen und hat keine Scheu, seine Tochter Kathrin Weishaupt als Museumsdirektorin zu installieren. Das wirkt nicht gerade elegant. Zwar ist die junge Frau gelernte Kunsthistorikerin, aber sie hat fast keine Ausstellungs-Erfahrung. Da könnte die Zusammenarbeit mit dem Ulmer Museum hilfreich sein, das über eine Brücke mit der Kunsthalle Weishaupt verbunden ist. Man kann nur hoffen, dass das klappt - in anderen Städten sind solche Kooperationen meist schnell wieder versandet.

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