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Weltreiterspiele in TryonAbsage der Dressur-Kür wegen Tropensturm Florence

Die Ausläufer des zum Tropensturm herabgestuften Hurrikans "Florence" haben auch die Weltreiterspiele in Tryon erreicht. Wegen der großen Regenmassen wurden einige Wettbewerbe verschoben - die Dressur-Kür wurde ersatzlos gestrichen.

Von Heiko Oldörp | 16.09.2018

Das Gelände für die Dressurwettbewerbe bei den Weltreiterspielen 2018 in Tryon.
Angesichts großer Regenmassen wurden Wettbewerbe bei den Weltreiterspielen in Tryon verschoben oder sogar abgesagt. (imago sportfotodienst)
Die Weltreiterspiele drohen zu den Weltwasserspielen zu werden. "Florence" hat North Carolina seit Tagen fest im Griff - und die Ausläufer des Hurrikans sind nun auch in Tryon angekommen. Seit gestern Nachmittag regnet es ununterbrochen. Für heute wurden die Wettbewerbe abgesagt.
Sportlich gesehen herrscht also Klarheit, aber ansonsten: "Das Schlimmste soll ja noch kommen. Da weiß ich überhaupt nicht, was uns da erwartet, habe ich noch nie mitgemacht", sagt Dressurreiter Sönke Rothenberger. Wie ihm ergeht es vielen hier, die nicht aus dieser Gegend kommen. Wirbelsturm - eine ganz neue Erfahrung - auch für Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke: "Ich glaube, wir alle können uns sowas gar nicht vorstellen - wir Europäer."
Das Problem ist nicht der Wind, denn "Florence" hat über Land an Kraft verloren - es sind vielmehr die zu erwartenden Wassermassen, die der Regen laut Vorhersage bringen soll. Eine Situation, in der die Sicherheit der Pferde an erster Stelle steht, sagt Klaus Roeser, Equipechef der Dressurreiter: "Wir gucken jetzt, dass wir die Ställe sicher machen und hoffentlich keine allzu nassen Fuße kriegen."
Übernachtung im Stall
Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen - und deshalb übernachten die Sportler wie Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke nicht im komfortablen Hotelbett, sondern selbstverständlich im Stall, bei Pferd und Pfleger: "Ich werde mich sicher nicht ins Hotel setzen. Wir werden hier zusammen ausharren und mal gucken, was kommt. Das Gute ist, die Stallungen sind wirklich fest. Und alle sagen, dass die Pferde von der Küste bei Sturm immer hierher transportiert werden und dann hier sicher sind. Von daher gehe ich jetzt einfach mal davon aus, dass dann diese Ställe auch so sicher sind, wie sie sagen."
Klimke liegt nach dem Geländeritt auf Goldkurs. Das für heute abgesagte, abschließende Springen, soll morgen ausgetragen werden. Die Dressur-Kür hingegen, die ebenfalls für heute angesetzt war, wurde ersatzlos gestrichen. Die Veranstalter wollten sie auch morgen austragen, doch dagegen wehrten sich die Nationen, sagte Klaus Roeser: "Da am Montagabend der Rückflug der Pferde festgesetzt ist - und der ist definitiv - können wir kein Pferd eine Prüfung gehen lassen und es anschließend auf den Flieger stellen. Das ist ins keiner Weise vertretbar, das Risiko kann und darf auch keiner eingehen. Aus veterinär-medizinischen Gründen ist das ein No Go."
Mit etwas mehr Weitsicht hätte die Kür auf gestern vorverlegt und im kleinen Dressurstadion ausgetragen werden können. Doch die Veranstalter zeigten sich diesbezüglich unflexibel. Sie argumentierten, dass man dort keine Kameras zur Verfügung habe und den Wettkampf so nicht übertragen oder aufzeichnen könne. Nun gibt es nicht nur keine Übertragung, sondern nicht mal einen Wettkampf.