Weltumseglung Vendée GlobeBoris Hermann trotz Kollision Fünfter

Boris Hermann ist der erste Deutsche, der bei der Solo-Weltumsgelung Vendée Globe mitgemacht hat. Trotz einer Kollision mit einem Fischereiboot kurz vor Schluss konnte Hermann das Ziel in Frankreich bei seiner ersten Teilnahme als Fünfter erreichen. Von seinem Boot muss er sich nun aber trennen.

Von Matthias Steiner | 28.01.2021

Die Seaxplorer beim Defi Azimut 2020.
Boris Hermann auf der Seaexplorer, seinem Boot bei der Vendée Globe (picture alliance / DPPI / Dark Frame / Vincent Curutchet)
Kurz nach der Ankunft in Les Sables-d'Olonne war die Kollision mit dem Fishtrawler fast schon wieder vergessen: "So schön, all die lachenden Gesichter zu sehen. So viele Menschen und Freunde. Ich bin jetzt wirklich glücklich über den Ausgang. Es war eine großartige Erfahrung, eine Teamleistung, eine große Reise. Und den kleinen Schluckauf in der letzten Nacht habe ich fast vergessen", sagte Boris Hermann.
Nach gut 80 Tagen auf See und mehr als 52.000 gesegelten Kilometern gab es viele herzliche Umarmungen an Land. Boris Hermanns Ehefrau Birte und Tochter Marie-Luis warteten natürlich auch in der Traube der Segler und Teammitglieder.
"Erstmal einfach ankommen, in den Arm nehmen und ein Glas Wein zusammen trinken", das waren die Wünsche von Hermanns Frau.
Boris Herrmann umarmt seine Frau und seine Tochter nach seiner Rückkehr.
Boris Herrmann mit seiner Familie nach 80 Tagen auf See (IMAGO / PanoramiC)
Mit seiner ersten Teilnahme am Meeresmarathon hat Boris Hermann Segelgeschichte geschrieben. Denn er war der allererste Deutsche, der jemals an den Start ging. Über die zweieinhalb Monate der Regatta hat der 39-jährige Hamburger den Segelsport in die Öffentlichkeit getragen. Entsprechend stolz war auch sein Vater Moritz Hermann, selbst ein erfahrener Segler:
"Boris hat gewonnen, und zwar die Herzen von Millionen von Menschen. Und das ist für mich so wichtig."
Jetzt heißt es erstmal: So richtig wieder an Land ankommen. Aber dann steht auch ein Abschied bevor: Boris Hermann wird sich von seinem geliebten Schiff, der "Seaexplorer Yacht Club de Monaco" trennen müssen.
"Also das Boot gehört nicht mir. Es gibt einen ganz tollen Unterstützer, der die finanziellen Mittel bereitsgestellt hat, um das Boot vier Jahre in Betrieb zu nehmen, aber immer mit der klaren Abmachung, dass es danach verkauft wird, dass er sein Geld auch zurückbekommt. Und das müssen wir jetzt einlösen und sind wir ihm schuldig. Und dann müssen wir sehen, wie wir weiterkommen, ob wir irgendwie ein neues Boot finden. Vielleicht kaufen wir das Boot zurück, in ein paar Jahren, aber erstmal müssen wir das Boot verkaufen, um dieses Geld zurückzuzahlen."
Der deutsche Skipper Boris Herrmann vor dem Start der Regatta "Vendée Globe" im November 2020 in Les Sables d'Olonne
Der deutsche Skipper Boris Herrmann vor dem Start der Regatta "Vendée Globe" im November 2020 in Les Sables d'Olonne (picture alliance / DPPI / Pierre Bouras)
Der Stuttgarter Immobilienentwickler Gerhard Senft ist der Geldgeber im Hintergrund.
Und das war sie dann für Boris Hermann: die erste Vendée Globe, ein gigantisches Abenteuer, das er auf Anhieb in der Spitzengruppe der ersten fünf Boote beenden konnte.