Die Landschaft verschwindet. Ob nun infolge jahrzehntelangen ungebremsten Wachstums von Megacitys in aller Welt oder ob in den Simulationen der Klimaforscher, bei denen in den Fluten ansteigender Meeresspiegel ganze Kontinente halbiert werden. Mit einiger zeitlicher Verzögerung haben mehr oder weniger hektische Maßnahmen zur Rettung der Landschaft begonnen, oft missverstanden als Rettung der Natur. Doch Landschaft und Natur, das bedeutete so viel wie Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen.
Landschaften sind Kulturprodukte, sie "entstehen im Kopf", wie die Berliner Ausstellungsmacherinnen gleich zu Beginn erklären. Donata Valentien, Direktorin der Sektion Baukunst an der Berliner Akademie der Künste, und die Architektin Anna Viader Soler stellen dem Verfall der Landschaft eine nüchterne Diagnose: "Die Stadt des 20. Jahrhunderts wurde gegen die Landschaft gebaut. Die ökologischen Folgen heißen Klimawandel, Wasserknappheit, Artenschwund. Die Stadt des 21. Jahrhunderts ist aus der Landschaft zu entwickeln. Nötig sind kreative und nachhaltige Lösungen – und eine emotionale Annäherung."
Obwohl man sich auch um die Einbindung von künstlerischen Positionen in den Diskurs bemüht, versteht sich diese Ausstellung doch in erster Linie als pragmatischer Ideenpool für eine Zukunft, in der die Landschaft nicht als Verfügungsmasse für Wirtschaftsstrukturen behandelt wird, sondern gleichberechtigt, als gestaltete Architektur der Natur. "Learning from Las Vegas" hieß Anfang der siebziger Jahre eine bahnbrechende Abhandlung von Robert Venturi, die durch ihre Faszination für die überbordende Künstlichkeit der Wüstenstadt die postmoderne Architektur anstieß. Hinter diese alte Forderung machen Donata Valentien und Anna Viader Soler heute ein großes Fragezeichen: Von Las Vegas lernen, heute? Von dieser Metastase des Hochkapitalismus inmitten eines großen, empfindlichen Ökosystems namens Wüste von Nevada? Nicht weniger künstlich ist die Lagunenarchitektur Venedigs. Auch wenn die museale Kernstadt aus einer anderen Epoche stammt: Wer heute mit dem Flugzeug den Airport Marco Polo ansteuert, sieht, dass sich um die historische Stadt ein Gürtel von ganz zeitgemäßen Hafenanlagen geschlossen hat. Vom Grundsatz her hat sozusagen Venedig bereits zu viel von Las Vegas gelernt.
Wer auf dem Markusplatz steht und in Richtung Lagune schaut, blickt mitunter statt auf den Sonnenuntergang auf eine riesige Wand aus weißem Stahl, wenn sich gerade wieder einmal eine der Großfähren nach Griechenland oder Nordafrika im Schritttempo an der historischen Promenade vorbei schiebt, gegen die der Markusdom und sein Campanile wie Spielzeug wirken. Der Fotograf Alex McLean unterstreicht sie im Hauptsaal der Ausstellung mit großformatigen Projektionen von Luftaufnahmen, die das ökologische Desaster dieser beiden Städte zur Chiffre und Mahnung werden lassen sollen. Anschließend betritt man einen Saal, der die didaktische Konklusion enthalten soll, architektonische Landschaftsentwürfe, teilweise auch bereits realisiert, mit denen als Zaunpfählen heftig programmatisch gewunken wird. Die Akademie der Künste möchte ihren selbst gestellten Auftrag sichtlich wieder wahrnehmen, zeitgenössische Debatten aufzunehmen. Man spürt, dass sie darin eine Zeitlang ihre Übung vernachlässigt hat.
Neu oder gar bahnbrechend ist an diesen Versuchen renommierter Landschaftsarchitekten zunächst wenig. Detailreich und kleinteilig ausgebreitet werden Modelle für die Reparatur einst vernachlässigter Landschaften vorgestellt – die Renaturierung einer Mülldeponie bei Barcelona etwa, das Anlegen von Reisfeldern auf dem Campus der chinesischen Universität Shenyang oder der Masterplan für den Umbau der Escher vom Abwasserkanal zu einem lebendigen Fluss. Wer hier gezielte globale Entwürfe für einen neue Stadtstruktur, für die wechselseitige Durchdringung von Stadt und Natur als Zukunftsprojekt einer neuen Öko-Moderne erhofft hatte, der hofft vergebens. In Zeiten scheiternder Klimakonferenzen werden eben kleinere Brötchen gebacken. am Ende muss man dieser Ausstellung dankbar sein, dass sie überhaupt stattfindet.
Landschaften sind Kulturprodukte, sie "entstehen im Kopf", wie die Berliner Ausstellungsmacherinnen gleich zu Beginn erklären. Donata Valentien, Direktorin der Sektion Baukunst an der Berliner Akademie der Künste, und die Architektin Anna Viader Soler stellen dem Verfall der Landschaft eine nüchterne Diagnose: "Die Stadt des 20. Jahrhunderts wurde gegen die Landschaft gebaut. Die ökologischen Folgen heißen Klimawandel, Wasserknappheit, Artenschwund. Die Stadt des 21. Jahrhunderts ist aus der Landschaft zu entwickeln. Nötig sind kreative und nachhaltige Lösungen – und eine emotionale Annäherung."
Obwohl man sich auch um die Einbindung von künstlerischen Positionen in den Diskurs bemüht, versteht sich diese Ausstellung doch in erster Linie als pragmatischer Ideenpool für eine Zukunft, in der die Landschaft nicht als Verfügungsmasse für Wirtschaftsstrukturen behandelt wird, sondern gleichberechtigt, als gestaltete Architektur der Natur. "Learning from Las Vegas" hieß Anfang der siebziger Jahre eine bahnbrechende Abhandlung von Robert Venturi, die durch ihre Faszination für die überbordende Künstlichkeit der Wüstenstadt die postmoderne Architektur anstieß. Hinter diese alte Forderung machen Donata Valentien und Anna Viader Soler heute ein großes Fragezeichen: Von Las Vegas lernen, heute? Von dieser Metastase des Hochkapitalismus inmitten eines großen, empfindlichen Ökosystems namens Wüste von Nevada? Nicht weniger künstlich ist die Lagunenarchitektur Venedigs. Auch wenn die museale Kernstadt aus einer anderen Epoche stammt: Wer heute mit dem Flugzeug den Airport Marco Polo ansteuert, sieht, dass sich um die historische Stadt ein Gürtel von ganz zeitgemäßen Hafenanlagen geschlossen hat. Vom Grundsatz her hat sozusagen Venedig bereits zu viel von Las Vegas gelernt.
Wer auf dem Markusplatz steht und in Richtung Lagune schaut, blickt mitunter statt auf den Sonnenuntergang auf eine riesige Wand aus weißem Stahl, wenn sich gerade wieder einmal eine der Großfähren nach Griechenland oder Nordafrika im Schritttempo an der historischen Promenade vorbei schiebt, gegen die der Markusdom und sein Campanile wie Spielzeug wirken. Der Fotograf Alex McLean unterstreicht sie im Hauptsaal der Ausstellung mit großformatigen Projektionen von Luftaufnahmen, die das ökologische Desaster dieser beiden Städte zur Chiffre und Mahnung werden lassen sollen. Anschließend betritt man einen Saal, der die didaktische Konklusion enthalten soll, architektonische Landschaftsentwürfe, teilweise auch bereits realisiert, mit denen als Zaunpfählen heftig programmatisch gewunken wird. Die Akademie der Künste möchte ihren selbst gestellten Auftrag sichtlich wieder wahrnehmen, zeitgenössische Debatten aufzunehmen. Man spürt, dass sie darin eine Zeitlang ihre Übung vernachlässigt hat.
Neu oder gar bahnbrechend ist an diesen Versuchen renommierter Landschaftsarchitekten zunächst wenig. Detailreich und kleinteilig ausgebreitet werden Modelle für die Reparatur einst vernachlässigter Landschaften vorgestellt – die Renaturierung einer Mülldeponie bei Barcelona etwa, das Anlegen von Reisfeldern auf dem Campus der chinesischen Universität Shenyang oder der Masterplan für den Umbau der Escher vom Abwasserkanal zu einem lebendigen Fluss. Wer hier gezielte globale Entwürfe für einen neue Stadtstruktur, für die wechselseitige Durchdringung von Stadt und Natur als Zukunftsprojekt einer neuen Öko-Moderne erhofft hatte, der hofft vergebens. In Zeiten scheiternder Klimakonferenzen werden eben kleinere Brötchen gebacken. am Ende muss man dieser Ausstellung dankbar sein, dass sie überhaupt stattfindet.