Eine kleine Runde sitzt im Dresdner Umweltamt zusammen und erinnert sich: Professor Christian Bernhofer, Leiter des Floodmaster-Projektes, wurde vor fünf Jahren von der wild gewordenen Weißeritz aus Wohnhaus und Büro hinausgespült.
"Jetzt werden Sie vielleicht sagen: Wie kommt ein Meteorologe auf die Idee so nahe zu bauen? Aber das ist unterhalb einer Talsperre, und so lange diese Talsperre mit den üblichen Niederschlägen zu tun bekommt – das, was man in 100 Jahren erwartet – passiert auch nichts; das fängt die Talsperre gut ab."
Aber 2002 war alles anders, ein 500-Jahres-Ereignis nennen es die Wissenschaftler. Bei Jörg Seegert, Hydrologe und Geschäftsführer des Dresdner Kompetenzzentrums Wasser, regnete es durchs Dach; im Dresdner Umweltamt hatte man mit Grundwasser im Keller zu tun, sagt Floodmaster Jens Seifert:
"Für mich ist die Zeit vor allem mit so gut wie gar nicht schlafen verbunden. Ich habe ein relativ schlechtes Gedächtnis, aber von dieser Woche ist eine solch gigantische Menge von Bildern in meinem Kopf."
... während Student Andre Walzer die Bilder von der Flut weit weg im neuseeländischen Fernsehen sah. Wisnu Wibowe, Indonesier und Master-Student an der Dresdner TU, sah sie auch im Fernsehen, zu Hause auf Java:
"Und ich fragte mich: Wie kann so etwas in Europa passieren, wo sie eine höhere Technologie haben als wir? Gibt es dort so etwas wie Missmanagement oder nicht?"
Um das zu erkunden, begann er ein Masterstudium in Dresden und zusätzlich dazu die Ausbildung zum Floodmaster – ein Zusatzstudium, das 2003 vor allem für Studenten der Hydrologie, Graduierte und Mitarbeiter von Behörden eingerichtet wurde. Nach wie vor werden zwei Grundrichtungen verfolgt. Christian Bernhofer:
"Den physikalischen Aspekt, wo es darum geht, wie Niederschlag entsteht, wie er fällt, wie er dazu führt, dass Menschen betroffen sind. Und den sozioökonomischen Anteil, wo es darum geht, dieses Risiko dadurch zu minimieren, dass man möglichst wenig Schaden ermöglicht, wenn es denn zum Hochwasserfall kommt. Und das ist etwas, was quer zu allen normalen Studienstrukturen geht, dass es notwendig war, das eigens aufzubauen."
Und zwar mit Hilfe des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dessen Förderung Ende nächsten Jahres auslaufen wird. Die Ausbildung zum Floodmaster soll bis dahin fest als Lehrmodul ins Studium integriert sein. Die Chancen stehen gut, denn der Studiengang ist strikt international ausgerichtet und Bestandteil des europäischen Programms Floodsite, sagt Jörg Seegert:
"Zusammen mit Kollegen aus Italien und Großbritannien haben wir so zusagen ein Paket geschnürt. Da sind ähnliche Struktur- und Ausbildungseinheiten, die an diesen Hochschulen laufen, die sich dann z.T. ergänzen. Wir laden auch Wissenschaftler ein, die geben Impulsreferate und regen inhaltlich das Ausbildungsprogramm an."
Vorlesungen werden grundsätzlich in englischer Sprache gehalten und können von Fernstudenten via Internet abgehört werden. Eine Sprache zu sprechen ist wichtig, um koordiniert vorgehen zu können, wie auch die Dramatik des Sommers 2002 bewies: Die Elbe zum Überlaufen brachten nicht zuletzt die enormen Regenfälle in Tschechien, im Moldau-Gebiet. Seifert:
"Wir haben vor einem halben Jahr eine Veranstaltung mit unseren tschechischen – Freunden kann man jetzt schon bald sagen - gehabt, die uns gezeigt haben, wie sie mit diesen Erfahrungen umgehen. Die gucken sehr bewusst danach, dass sie jeden Kubikmeter, den sie dort wegnehmen, so ausgleichen, dass es einen vernünftigen Effekt gibt, und sagen: Wir garantieren, dass das Wasser, das in Deutschland ankommt, kein Millimeter höher ist als vorher, trotz unserer ganzen Maßnahmen."
Jens Seifert hat als einer der ersten Behörden-Fachleute sein Zertifikat erhalten; Andre Walzer wird es bald bekommen – er sitzt gerade über seiner Abschlussarbeit zum Thema Küstenfluten. Die wichtigste Erkenntnis für ihn wie für die meisten anderen Absolventen:
"Ich habe früher immer gedacht: Hochwasserschutzmaßnahme – da baue ich eine Mauer hin oder einen Deich und das war es. Da ist viel mehr dahinter und für mich ist der wichtigste Faktor gewesen, dass man vor allem die Kommunikation zwischen den Menschen – die muss ganz stark gegeben sein. Sonst läuft nämlich gar nichts."
Kommunikation nicht nur während einer Katastrophe, sondern auch davor und danach, denn für die Floodmaster gilt der Spruch: Nach der Flut ist vor der Flut. Das nächste Hochwasser kommt bestimmt.
"Jetzt werden Sie vielleicht sagen: Wie kommt ein Meteorologe auf die Idee so nahe zu bauen? Aber das ist unterhalb einer Talsperre, und so lange diese Talsperre mit den üblichen Niederschlägen zu tun bekommt – das, was man in 100 Jahren erwartet – passiert auch nichts; das fängt die Talsperre gut ab."
Aber 2002 war alles anders, ein 500-Jahres-Ereignis nennen es die Wissenschaftler. Bei Jörg Seegert, Hydrologe und Geschäftsführer des Dresdner Kompetenzzentrums Wasser, regnete es durchs Dach; im Dresdner Umweltamt hatte man mit Grundwasser im Keller zu tun, sagt Floodmaster Jens Seifert:
"Für mich ist die Zeit vor allem mit so gut wie gar nicht schlafen verbunden. Ich habe ein relativ schlechtes Gedächtnis, aber von dieser Woche ist eine solch gigantische Menge von Bildern in meinem Kopf."
... während Student Andre Walzer die Bilder von der Flut weit weg im neuseeländischen Fernsehen sah. Wisnu Wibowe, Indonesier und Master-Student an der Dresdner TU, sah sie auch im Fernsehen, zu Hause auf Java:
"Und ich fragte mich: Wie kann so etwas in Europa passieren, wo sie eine höhere Technologie haben als wir? Gibt es dort so etwas wie Missmanagement oder nicht?"
Um das zu erkunden, begann er ein Masterstudium in Dresden und zusätzlich dazu die Ausbildung zum Floodmaster – ein Zusatzstudium, das 2003 vor allem für Studenten der Hydrologie, Graduierte und Mitarbeiter von Behörden eingerichtet wurde. Nach wie vor werden zwei Grundrichtungen verfolgt. Christian Bernhofer:
"Den physikalischen Aspekt, wo es darum geht, wie Niederschlag entsteht, wie er fällt, wie er dazu führt, dass Menschen betroffen sind. Und den sozioökonomischen Anteil, wo es darum geht, dieses Risiko dadurch zu minimieren, dass man möglichst wenig Schaden ermöglicht, wenn es denn zum Hochwasserfall kommt. Und das ist etwas, was quer zu allen normalen Studienstrukturen geht, dass es notwendig war, das eigens aufzubauen."
Und zwar mit Hilfe des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dessen Förderung Ende nächsten Jahres auslaufen wird. Die Ausbildung zum Floodmaster soll bis dahin fest als Lehrmodul ins Studium integriert sein. Die Chancen stehen gut, denn der Studiengang ist strikt international ausgerichtet und Bestandteil des europäischen Programms Floodsite, sagt Jörg Seegert:
"Zusammen mit Kollegen aus Italien und Großbritannien haben wir so zusagen ein Paket geschnürt. Da sind ähnliche Struktur- und Ausbildungseinheiten, die an diesen Hochschulen laufen, die sich dann z.T. ergänzen. Wir laden auch Wissenschaftler ein, die geben Impulsreferate und regen inhaltlich das Ausbildungsprogramm an."
Vorlesungen werden grundsätzlich in englischer Sprache gehalten und können von Fernstudenten via Internet abgehört werden. Eine Sprache zu sprechen ist wichtig, um koordiniert vorgehen zu können, wie auch die Dramatik des Sommers 2002 bewies: Die Elbe zum Überlaufen brachten nicht zuletzt die enormen Regenfälle in Tschechien, im Moldau-Gebiet. Seifert:
"Wir haben vor einem halben Jahr eine Veranstaltung mit unseren tschechischen – Freunden kann man jetzt schon bald sagen - gehabt, die uns gezeigt haben, wie sie mit diesen Erfahrungen umgehen. Die gucken sehr bewusst danach, dass sie jeden Kubikmeter, den sie dort wegnehmen, so ausgleichen, dass es einen vernünftigen Effekt gibt, und sagen: Wir garantieren, dass das Wasser, das in Deutschland ankommt, kein Millimeter höher ist als vorher, trotz unserer ganzen Maßnahmen."
Jens Seifert hat als einer der ersten Behörden-Fachleute sein Zertifikat erhalten; Andre Walzer wird es bald bekommen – er sitzt gerade über seiner Abschlussarbeit zum Thema Küstenfluten. Die wichtigste Erkenntnis für ihn wie für die meisten anderen Absolventen:
"Ich habe früher immer gedacht: Hochwasserschutzmaßnahme – da baue ich eine Mauer hin oder einen Deich und das war es. Da ist viel mehr dahinter und für mich ist der wichtigste Faktor gewesen, dass man vor allem die Kommunikation zwischen den Menschen – die muss ganz stark gegeben sein. Sonst läuft nämlich gar nichts."
Kommunikation nicht nur während einer Katastrophe, sondern auch davor und danach, denn für die Floodmaster gilt der Spruch: Nach der Flut ist vor der Flut. Das nächste Hochwasser kommt bestimmt.