WM im Zwei-Jahres-Rhythmus"Irgendwann muss auch mal Schluss sein"

Geht es nach FIFA-Boss Gianni Infantino findet die Fußball-WM bald alle zwei Jahre statt. In Afrika sei der Vorstoß "mit Begeisterung" aufgenommen worden, sagte Gernot Rohr, Nationaltrainer Nigerias, im Dlf. Er selbst sorgt sich dagegen um die Gesundheit der Spieler aufgrund des engen Terminkalenders.

Gernot Rohr im Gespräch mit Marina Schweizer | 24.10.2021

Gernot Rohr FOOTBALL : Les Anciens Joueurs des Girondins pour les 140ans du Club - Bordeaux - 21/10/2021 ThierryBreton/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL
Nigerias Nationaltrainer Gernot Rohr. (IMAGO / PanoramiC)
Der Vorstoß von FIFA-Präsident Gianni Infantino, die Weltmeisterschaft alle zwei Jahre auszutragen, spaltet die Fußball-Welt. Vor allem die Verbände aus Südamerika und Europa rebellieren. Sie fürchten unter anderem eine Überbelastung der Spieler und einen Abnutzungseffekt des Produkts.
Die afrikanische und die asiatische Konföderation sind dagegen auf der Seite der FIFA, die sagt, durch die höhere Taktung und das erweiterte Teilnehmerfeld kämen die 211 FIFA-Länder ihrem Recht näher, von einer WM zu träumen. In Afrika sei der Vorschlag Infantinos "mit Begeisterung" aufgenommen worden, sagte Nigerias Nationaltrainer Gernot Rohr im Dlf. "Im Moment ist so, dass nur fünf Mannschaften von diesem großen Kontinent zur WM fahren dürfen. Wenn es von fünf auf neun aufgestockt wird, dann sind die Chancen fast verdoppelt. Und das ist natürlich interessant für afrikanische Länder, die es bisher schwer hatten, sich für die WM zu qualifizieren."
Der in Mannheim geborene Rohr ist seit 2016 Nationaltrainer Nigerias. Davor arbeitete er bereits als Trainer in Gabun, im Niger und in Burkina Faso.

"WM bringt Geldregen"

Der schnellere WM-Rhythmus würde jedoch auch in Afrika für Probleme sorgen, so Rohr. "Wenn die WM alle zwei Jahre stattfinden sollte, wird es auch schwierig mit dem Afrika Cup, der auch alle zwei Jahre stattfindet. Und dann haben die Mannschaften noch zum Teil die African Champions League zu bestreitet. Das sind Daten, die man respektieren muss. Ich finde es schon schwierig, im Januar, Februar die Spieler zu bekommen, weil in Europa ja im Winter fast durchgespielt wird. Und die Clubs sind sehr unzufrieden, wenn ihre Spieler sechs Wochen fehlen."
FIFA-Präsident Gianni Infantino (r.) mit UEFA-Präsident Aleksander Ceferin
"Kampf ums Geld"
FIFA-Präsident Gianni Infantino möchte die Fußball-WM alle zwei Jahre stattfinden lassen. Ihm gehe es dabei nur ums Geld, sagte Journalist Thomas Kistner. Dieses Geld würde aber aus anderen Bereichen oder Sportarten abgezogen werden, sagte Chaled Nahar aus der Dlf-Sportredaktion.
Ein Argument für eine WM im Zwei-Jahres-Rhythmus sei aber das Geld, sagte Rohr. "Die afrikanischen Verbände sind nicht so reich wie die europäischen oder amerikanischen. Wir haben zum Beispiel in Nigeria keine Unterstützung des Sportministeriums. Wir brauchen die Sponsoren und das ist immer sehr knapp. Und eine WM bringt schon bei einer Teilnahme einen Geldregen, mit dem der Verband dann die Nationalmannschaften unterhalten muss, auch die U23, die U17 und die Frauen. Und dafür ist das Geld der FIFA natürlich sehr, sehr wichtig."

"Glaube, die meisten Trainer in Afrika sind dagegen"

Rohr selbst hat jedoch Bedenken bei einer WM im Zwei-Jahres-Rhythmus. "Ich persönlich finde es äußerst schwierig, das zu organisieren. Der Terminkalender ist schon so voll. Wir haben jetzt zum Beispiel den Afrika Cup im Januar, das kann sechs Wochen dauern. Und im November haben wir dann hoffentlich die WM. Da ist kaum noch Platz, um andere Spiele zu bestreiten. Und da muss wirklich sehr viel von den Spieler abverlangt werden, um diesem neuen Fifa-Kalender gerecht zu werden. Also ich glaube, die meisten Trainer sind auch in Afrika dagegen."
Die Belastung sei ein Problem, das geregelt werden müsse, so Rohr. "Es wird immer schwieriger werden. Immer mehr Spieler, immer mehr Belastungen für die Fußballer. Und dann kommen die Verletzungen und so weiter. Und irgendwann muss auch mal Schluss sein, man kann nicht immer nur nach Fernsehgeldern Ausschau halten. Man muss auch wirklich mal auf die Gesundheit der Spieler achten."