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Zusammen sieht man mehr

Astronomie. - Die optische Astronomie hängt direkt vom Durchmesser der Teleskope ab. Je größer der ist, desto besser ist die Auflösung des Gerätes. Derzeit liegt die Grenze des technisch Machbaren bei rund zehn Metern. Doch die Astronomen wollen diese Grenze durch die Zusammenschaltung von mehreren kleineren Teleskopen durchbrechen. In der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile werden derzeit die Vorbereitungen für die Zusammenschaltung von insgesamt vier 8,2-Meter-Teleskopen getroffen.

22.11.2001
    Das Verfahren wird Interferometrie genannt. Die einzelnen Teleskope werden so zusammengeschaltet, dass sie das identische Licht des Beobachtungsobjektes empfangen. ESO hat auf dem Gipfel des Cerro Paranal das Very Large Telescope gebaut, vier 8,2-Meter-Teleskope, die in den kommenden Jahren zu einer Einheit zusammengeschaltet werden sollen. Damit erhalten sie die Sehschärfe eines Teleskops mit 200 Metern Durchmesser. ESO-Astronom Andreas Glindemann erläutert die technischen Voraussetzungen: "Um die Lichtstrahlen der einzelnen Teleskope zusammenzuführen, wurden unterirdische Tunnel angelegt, in denen wir nun im Laufe des letzten Jahres einzelne Spiegel aufgebaut haben, deren Position auf Bruchteile einer Wellenlänge, also auf tausendstel Millimeter genau, bekannt sein musste, um dafür zu sorgen, dass die Lichtwege des Lichtes von den einzelnen Teleskopen exakt gleich sind." Da sich die Erde bewegt, müssen die Fernrohre der scheinbaren Bewegung der Sterne folgen - und zwar alle im selben Maß. Daher sind in den Tunnels so etwas wie Warteschleifen für das Licht eingebaut worden, die die Bewegung der vier Teilteleskope ausgleichen.

    Als Objekt der ersten Messung von zwei zusammengeschalteten Spiegeln wurde der Stern Achernar im Sternbild Eridanus ausgewählt. Als sein Durchmesser wurden 1,9 Millibogensekunden gemessen, das bei der Entfernung von rund 145 Lichtjahren einen Durchmesser von 13 Millionen Kilometern entspricht. Ein solcher Gigant hat nur eine vergleichsweise kurze Lebenszeit von wenigen 100 Millionen Jahren Jahren, während bescheidenere Gestirne wie unsere Sonne immerhin auf 10 Milliarden Jahre kommen. Einer der nächsten Kandidaten für eine Messung mit dem VLT ist der massereiche Stern eta Carinae, der vor rund 160 Jahren einen Teil seiner äußeren Hülle abgestoßen hat. Daher gehört er zu den wahrscheinlichsten Kandidaten für die nächste beobachtbare Supernova. 2003 werden die wissenschaftlichen Instrumente des VLT in Betrieb genommen, dann können solche Sternvermessungen routiniert durchgeführt werden. Ab 2005 soll das Teleskop so eingestellt sein, dass auch die Umgebung von Sternen beobachtet werden kann. Das dürfte die Suche nach Planeten wesentlich erleichtern.

    [Quelle: Hermann-Michael Hahn]