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Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteForschung aktuell3D im Wohnzimmer29.08.2012

3D im Wohnzimmer

Das Stereo-Fernsehen kann sich beim Konsumenten kaum durchsetzen

Wenn am Freitag in Berlin die Internationale Funkausstellung beginnt, steht nach wie vor der Fernseher im Zentrum des Interesses. Doch die gute alte Flimmerkiste hat sich gehörig modernisiert: Neben Smart-TVs mit Internetanschluss zeigen viele Hersteller auch ihre 3D-Fernseher.

Von Manfred Kloiber

Dreidimensional soll es sein. (picture alliance / dpa)
Dreidimensional soll es sein. (picture alliance / dpa)

Mit diesem Streifen fing es so richtig an. James Camerons Kinofilm "Avatar" löste 2009 einen regelrechten 3D-Boom in den Kinos aus. Begeisterte Polarisations-Brillenträger füllten die Kinosäle. Auf diesen Zug sprangen auch die Fernsehgerätehersteller auf und machten das dreidimensionale Fernsehen zum Topthema der IFA 2010. Für Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, GFU ging diese Rechnung auf:
"Das hat sich aus Sicht der Industrie sehr positiv entwickelt. Wir mussten beispielsweise letztes Jahr, also für 2011, unsere Prognose der verkauften Geräte um 30 Prozent erhöhen. Sodass wir also im letzten Jahr schon 1,7 Millionen dieser Fernseher verkauft haben. Und entsprechend positiver geht es weiter mit einer Steigerung auf 3,7 Millionen Geräte, die also in diesem Jahr verkauft werden sollen."

Nahezu jedes neue Fernsehgerät der Oberklasse und viele Geräte im mittleren Preissegment sind mittlerweile 3D-tauglich. Sie können dem Betrachter für das linke und rechte Auge unterschiedliche Bilder auf einer Mattscheibe darstellen. Die Zuschauer müssen dafür allerdings eine Brille aufsetzen. Entweder eine Polarisationsbrille oder eine Shutterbrille. Die eine trennt die Bilder durch die unterschiedliche Ausrichtung der Lichtwellen des linken und des rechten Bildes, die andere durch zeitlich gesteuerte Lichtventile. Roland Stehle meint, der kollektive Brillenzwang, störe im Pantoffelkino nicht:

"Wir hatten letztes Jahr auch eine Untersuchung gemacht, wo also das Thema 3D-Brille nicht zu den Verhinderern gehört, sozusagen. Unabhängig davon gibt es ja auch mittlerweile auch Geräte, die das Ganze ohne Brille machen mit speziellen Verfahren. Dass wir das dann im Wohnzimmer auch ohne Brille genießen können. Ich denk, da wird sich in der nächsten Zeit noch einiges Neues zeigen."

Tatsächlich gibt es sogenannte auto-stereoskopische Displays - sogar für mehrere Zuschauer gleichzeitig. Doch der Aufwand für solche brillenfreien 3D-Bildschirme ist noch immens - für den Hausgebrauch schlicht zu teuer. Deshalb sind auch die Fernsehgesellschaften skeptisch. So auch der Bezahlsender SKY, der als einziger deutscher Programmanbieter regelmäßig 3D-Produktionen ausstrahlt. Stephan Heimbecher ist bei Sky für technologische Innovationen zuständig:

"Ich glaube, dass die Notwendigkeit, eine Brille zu trage für das 3D-Erlebnis, immer noch einen Hemmschuh darstellt für zahlreiche Zuschauer. Nun gibt es natürlich autostereoskopische Geräte in Aussicht gestellt. Aber ich glaub' es sind auch alle sich irgendwo einig, dass das noch ein paar Jahre dauern wird, bis das wirklich den Massenmarkt erreichen kann. Nicht nur von der Qualität her, sondern auch zu Preisen, die halt für Otto-Normalverbraucher erschwinglich sind."

Bei echten Fernsehausstrahlungen kommt noch hinzu, dass sich die Auflösung des Fernsehbildes faktisch halbiert. Denn um zwei Bilder in einen Übertragungskanal zu packen, werden die Bilder entweder horizontal oder vertikal gestaucht und nebeneinander bzw. untereinander gepackt. Damit werden aber die Bemühungen der Fernsehsender konterkariert, konsequent auf das hochauflösende Fernsehen HDTV umzustellen. Hinzu kommt, dass 3D-Produktionen mit 2D-Produktionen nicht kompatibel sind. Denn 3D-Programme verlangen eine ganze andere Dramaturgie. Sky-Technikexperte Stephan Heimbecher:

"Um das umzusetzen, muss ich erst einmal Kamerapositionen verändern, Kameraführung ist ganz anders. Also, es ist insgesamt, eine ruhigere Produktion. Um den Raum zu erfassen, muss man dem Zuschauer auch mal ein paar Sekunden Zeit lassen. Und das führt natürlich dazu, dass man am Ende eine, ja komplett andere Produktion hat."

Und deshalb ist auch das Angebot an Filmen auf Blu-ray-Disc in 3D relativ schmal. Eine Recherche beim größten Online-Anbieter für CDs, DVD und Blu-ray-Disc ergibt im Vergleich mit 2D-Produktionen nur verschwindend wenige 3D-Titel, meist animierte Trickfilme.

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