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StartseiteComputer und KommunikationAgenten lernen Semantik21.06.2008

Agenten lernen Semantik

Autonome Softwarebausteine sorgen für die flexible Koppelung von Internet-Angeboten

<strong>Um die Informationsbeschaffung im Internet für den Nutzer noch einfacher zu gestalten, wurde das Konzept der Agenten geschaffen. Softwarebausteine, die sich autonom um bestimmte Themen im Auftrag des Surfers kümmern. Ihnen versuchen nun die Informatiker die richtige Semantik beizubringen.</strong>

Von Pia Grund-Ludwig

Langsam dringen autonom arbeitende Softwaremodule immer tiefer in industrielle Anwendungen ein. (AP Archiv)
Langsam dringen autonom arbeitende Softwaremodule immer tiefer in industrielle Anwendungen ein. (AP Archiv)

Bei der Bezeichnung Agenten denkt natürlich jeder sofort an James Bond, den Agenten 007. Doch auch Softwareentwickler kennen Agenten. Sie meinen damit kleine Software-Bausteine, die sich flexibel kombinieren lassen. Software-Agenten haben aber durchaus einiges mit ihrem smarten britischen Namensvetter gemeinsam: Ähnlich wie Roger Moore und Co arbeiten diese Agenten eigenständig. Sie reagieren auf Veränderungen der Umgebung. Ihre Aufgabe ist es, sich zielgerichtet zu verhalten. Auch darin sind sie James Bond ähnlich. Nur in einem Punkt unterscheiden sie sich ganz enorm: Sie ziehen keine Geheimwaffen, um ihre Gegner auszuschalten. Der Job von Softwareagenten ist es vielmehr, mit ihren Artgenossen zu kooperieren und zu verhandeln.

"Mittlerweile sind diese Technologien sehr reif geworden und weil diese Technologien reif sind setzen wir sie auch für ernsthafte Produkte ein."

...erklärt Jürgen Beyerer, Leiter des Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung – kurz IITB - auf dem 10. Informationstechnischen Kolloquium seines Instituts in Karlsruhe.

"Reif bedeutet, dass es leistungsfähige Agentenplattformen gibt, dass man viele Detailfragen, insbesondere auch Sicherheitsfragen rund um Agenten mittlerweile gelöst hat und Agenten damit auch in kritischen Anwendungen anwenden kann."

Ein Beispiel hat Thomas Batz parat. Er entwickelt am IITB auf Basis von Agenten ein Simulationsprogramm für Fahrzeuge im Straßenverkehr. Die Verkehrsteilnehmer sollen ihr Verhalten aufeinander abstimmen und damit besser auf Gefahrensituationen reagieren:

"Das Spannende und Interessante daran ist, dass wir mehrere Fahrzeuge zu einer gemeinsam handelnden Einheit zusammenfassen, die gemeinsam ein Lagebild über eine Situation erstellen, dort die Situation analysieren und im Falle von Gefahrensituationen für die einzelnen Fahrzeuge eine koordinierte und abgestimmte Fahrhandlung anweisen, die die Fahrzeuge in einem autonomen Modus durchführen."

Um das zu simulieren, könnte Batz auch andere Programmierverfahren wählen. Doch mit Agenten geht es einfacher. Einer der Vorteile: bestimmte Dinge wie Kommunikationsverbindungen sind vorgegeben. In so genannten Ontologien wird das Umfeld beschrieben, in dem sich ein Agent bewegt. Dazu gehört auch die Beschreibung der Kommunikationskanäle, die dort zur Verfügung stehen. Ein weiteres Plus: Agenten können nicht nur vordefinierte Aktionen anstoßen, sondern mit Veränderungen flexibel umgehen und ihr Handeln anpassen. Auch in der Überwachung von Industrieanlagen haben sie deshalb Zukunft, so Professor Peter Göhner vom Institut für Automatisierungs- und Softwaretechnik der Universität Stuttgart:

"Die Agenten kommen jetzt langsam in die Bereiche, wo es auch für die Industrie interessant wird, in den Bereich der Automatisierungssysteme, in den Bereich Überwachung von Systemen und von daher glaube ich, dass neue Applikationen erschlossen werden können mit dem Konzept der Agenten."

Damit deren Vorteile aber wirklich zum Tragen kommen, müssen sie mehr können, als Daten mit anderen Softwarenbausteinen, so Göhner:

"Um die Kommunikation zwischen den Agenten zu unterstützen müssen sie sich natürlich verstehen. Das heißt, ich brauche hier irgendwelche semantische Information, semantische Aussagen, damit die Agenten auch verstehen können was kann ein anderer Agent mir helfen, wo kann er mich unterstützen, welche Fähigkeiten hat er."

Dies zu definieren und vor allem so zu beschreiben, dass Maschinen diese Informationen verstehen und verwenden können, ist der nächste Schritt. Dann könnten Agenten auch bei der Koppelung von Diensten zum Einsatz kommen, so Institutsleiter Jürgen Beyerer:

"Bei serviceorientierten Architekturen sind Sie vor allem darauf angewiesen, dass die Services beschrieben sind auf einem semantischen, bedeutungstragenden Niveau, und die Agenten, wenn sie diese Services ansprechen wollen, müssen verstehen, was diese Services können. Da gibt es heute noch im Bereich des Semantic Web noch bestimmte Defizite. Man hat zwar schon sehr reife Technologien zur semantischen Beschreibung von Problemen, allerdings ist diese Beschreibung noch nicht für alle Problembereiche umgesetzt. Man hat zwar die Werkzeuge, aber die Beschreibung de facto für unterschiedliche Problembereiche ist noch nicht umgesetzt. Deshalb ist es heute nicht möglich, Agententechnologie umfänglich im Bereich des Semantic Web einzusetzen. Das wird sich aber in der Zukunft positiv entwickeln."

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